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Dieser Frage wird innerhalb des Christentums unterschiedlich beantwortet. Einerseits ruft Jesus in der Bergpredigt zur Feindesliebe auf (vgl. Mt 5,44) und warnt davor, Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten. Viele Christen verstehen daraus einen klaren pazifistischen Auftrag. Andererseits erkennt die Bibel auch staatliche Verantwortung an: In Römer 13,17 beschreibt Paulus die Obrigkeit als Trägerin des Rechts, die das Böse begrenzen soll. Damit entsteht ein Spannungsfeld zwischen Friedensgebot und Schutzverantwortung.
Johannes fordert Soldaten nicht auf, ihre Waffen niederzulegen. Als Soldaten ihn fragen, was sie tun sollen, antwortet er lediglich: „Beraubt und erpresst niemand, sondern gebt euch mit eurem Sold zufrieden!“ – nachzulesen in Lukas 3,14.
Die evangelische Tradition ist stark bestimmt von Luthers Zwei-Reiche-Lehre: Als Privatperson soll ein Christ vergeben und nicht aus Rache handeln. Wer jedoch ein öffentliches Amt ausübt – etwa als Richter, Polizist oder Soldat – kann verpflichtet sein, Gewalt einzusetzen, um andere zu schützen. Entscheidend ist dabei die Motivation: nicht Hass, sondern Verantwortung für den Nächsten.
Ein weiteres wichtiges Beispiel ist Dietrich Bonhoeffer. Im Widerstand gegen den Nationalsozialismus erkannte er, dass auch Nicht-Handeln schuldig machen kann. Gewalt war für ihn niemals gut, konnte aber im äußersten Ausnahmefall notwendig werden, um größeres Unrecht zu verhindern: Ein verantwortungsbewusster Nachfolger Christi muss im Zweifelsfall bereit dazu sein, „nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad in die Speichen [zu] fallen“ und schuldig zu werden.
Heute betonen evangelische Kirchen den Leitgedanken des „gerechten Friedens“. Krieg widerspricht Gottes Willen. Waffengebrauch kann allenfalls als letztes Mittel vertretbar sein – zur Verteidigung von Menschenleben, unter Wahrung des Rechts und mit dem Ziel eines gerechten Friedens. In der neuesten Friedensdenkschrift der EKD von 2025 werden pazifistische Traditionen weiterhin betont, aber die Anerkennung staatlicher Schutzpflichten rückt in den Vordergrund.
In dem Ganzen darf nicht vergessen werden, dass Israel in einer besonderen Situation ist: Nach dem Holocaust war klar: „nie wieder“ und schon wenige Stunden nach der Staatsgründung am 14. Mai 1948 wurde Israel von seinen arabischen Nachbarn überfallen und musste seither seine Existenz wieder und wieder verteidigen.
Wenn Israel seine Waffen niederlegen würde, wäre das das Ende des Staates Israel. Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat die Bedrohung Israels weiter zugenommen. Der Iran, der Israel vernichten will, beschießt Israel mit Raketen und Drohnen, versucht Atomwaffen zu entwickeln und hat seine Proxis weltweit mit Waffen versorgt, insbesondere die Hisbollah im Libanon, die Huthis im Jemen und die Hamas in Gaza.
Frieden kann es daher nur geben, wenn dies wirksam unterbunden wird. Appeasement-Versuche mit Tyrannen sind nicht möglich, lehrt uns leider die Geschichte.
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