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Cheschwan, auch Mar Cheschwan genannt, ist der achte Monat im hebräischen Kalender beziehungsweise der zweite Monat ab Rosch ha-Schana. In der Bibel wird er auch Bul genannt. Das Wort „mar“ bedeutet „bitter“, weil es der einzige Monat ist, der keinen Feiertag und keine besonderen Bräuche wie Fastentage hat. Er bildet gewissermaßen die Antiklimax zum vorausgehenden Monat Tischri. Nach all den Festen kehrt der Alltag zurück. Jetzt ist die Zeit, die Inspiration und den Segen aus den Festen des Tischri in das eigene Leben zu integrieren.
Im Judentum sagt man, dies sei eine gute Gelegenheit zu lernen, wie man das Geistliche und das Alltägliche in Einklang bringt. Gerade weil der Monat Cheschwan so gewöhnlich sei, repräsentiere er den eigentlichen Sinn des Lebens auf der Erde. Das jüdische Volk ist dazu berufen, das Reich Gottes auf Erden darzustellen und ein Licht für die Nationen zu sein, indem es nach göttlichen Ordnungen lebt, die alle Bereiche des Alltags betreffen: wie man Geschäfte führt, wie man anderen dient, wie man Brot backt oder Möbel herstellt, und wie man mit Nachbarn und Familie umgeht.
Die jüdische Weltsicht kennt nicht die platonische Trennung zwischen einem angeblich „höheren“ geistlichen und einem „niedrigeren“ materiellen Bereich. Die Art, wie wir unser alltägliches Leben führen, ist zugleich Ausdruck unserer Spiritualität. Wenn zwei Christen sich treffen, fragen sie einander: „Was glaubst du?“ Wenn zwei Juden sich treffen, lautet die Frage: „Was tust du?“
Wie in einer Ehe nach den Flitterwochen beginnt nun die Phase, in der sich die Beziehung im Alltag bewähren muss. Vertrauen und Treue zeigen sich im täglichen Leben. So ist es auch in unserer Beziehung zu Gott: Jetzt beginnt die Zeit, die Freude zu entdecken, die einer beständigen Gemeinschaft mit ihm entspringt.
Als Christen müssen wir natürlich nicht bis zum Cheschwan warten, um diese Wahrheit umzusetzen. Vielmehr erinnert uns der Monat an das Geschenk, das Jesus durch sein Opfer am Kreuz erkauft hat: „Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen … sondern den Geist der Sohnschaft, durch den wir rufen: Abba, Vater“ (Römer 8,15). „Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen“ (1. Johannes 3,1).
Cheschwan ist die Zeit, in der wir praktisch umsetzen, was wir im vorherigen Monat empfangen haben. Wer zum Laubhüttenfest nach Jerusalem kommt, hat viele inspirierende Botschaften gehört, Gottes Gegenwart erlebt und neue Impulse empfangen. Jetzt ist die Zeit, das umzusetzen. Cheschwan ist das Trainingsfeld und unsere Waffen werden in Epheser 6,10-18 beschrieben:
„Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Betet allezeit mit allem Bitten und Flehen im Geist und wacht dazu mit aller Beharrlichkeit und Flehen für alle Heiligen.“
Auch im Hebräerbrief wird die Ausdauer betont (Hebräer 12,1-2):
„Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“
Paulus verwendet das Bild eines Langstreckenlaufs: Anfangs ringt man nach Luft, doch wenn man durchhält, kommt der „zweite Atem“. So entsteht Ausdauer. Cheschwan ist der Monat der Ausdauer.
Was geschah im Monat Cheschwan laut Bibel? Die Sintflut zur Zeit Noahs begann in diesem Monat, am 17. Cheschwan (1. Mose 7,11)12, und ein Jahr später, am 27. Cheschwan (1. Mose 8,14), verließ Noah die Arche.
In diesem Monat gedenkt man auch des Todes der Erzmutter Rahel, die auf dem Weg nach Bethlehem begraben ist. Bis heute beten Juden an diesem Ort. Außerdem wurde Benjamin, der jüngste Sohn Jakobs, in dieser Zeit geboren. Was lehren uns diese Ereignisse über den Monat Cheschwan?
Rahel verbrachte ihr ganzes Leben außerhalb Israels und starb, als Jakob mit der Familie ins Land einzog. Sie steht damit für das Exil Israels. Benjamin dagegen ist der einzige Sohn, der im Land Israel geboren wurde – mit ihm ist das Volk vollständig. Der Tod Rahels und die Geburt Benjamins gehören zusammen: Aus der Dunkelheit entsteht Licht.
Dasselbe Muster sehen wir bei der Sintflut: Obwohl die Welt in ihrem früheren Zustand zu einem Ende kam, vollzog sich zugleich ein Neubeginn in der Person Noahs. Das Ende der alten Ordnung ließ ein neues Potenzial entstehen – einen Neubeginn.
Cheschwan heißt „bitter“, weil es im israelischen Klima eine Zeit des Verfalls ist: grauer Himmel, kurze Tage, lange Nächte, welkes Laub. Und doch beginnt genau jetzt der Regen und legt die Grundlage für zukünftiges Wachstum. Es ist eine Zeit der Dunkelheit, in der unter der Oberfläche neues Leben entsteht.
Die Botschaft des Cheschwan lautet: Trotz der Dunkelheit – und gerade wegen der Dunkelheit – erwartet uns zukünftiges Wachstum. Wir haben die Gelegenheit, dieses Wachstum genau jetzt zu pflegen. Genau jetzt suchen wir die geistlichen Samen aus den Festtagen des Monats Tischri zusammen, pflanzen sie ein und bewässern sie sorgsam, indem wir das Wort studieren und Zeit mit dem Herrn verbringen. Zudem kann es sein, dass der Herr uns wie eine Pflanze beschneiden will, damit wir noch mehr Frucht hervorbringen. Demütigen wir uns daher unter die gewaltige Hand Gottes, damit er uns zu gegebener Zeit erhöhen kann (1. Petrus 5,6)!
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