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Der Bund mit Abraham – ein Segen für alle Geschlechter

Der Bund mit Abraham – ein Segen für alle Geschlechter

Karl Klanner
Abbildung eines Gemäldes. Ein Mann in orangefarbenem Gewand mit Blick nach oben und einem Messer in der rechten Hand. Vor ihm auf einem Art Tisch ein Junge liegend

Gottes Bünde mit dem Volk Israel

Die Erlösung des Menschen bedeutet in einem biblischen Sinne zunächst einmal ganz einfach, dass er eine Befreiung vom Zustand der Sünde – manchmal auch „Erbsünde” genannt – erfährt und in eine Beziehung zu Gott kommt. Es geht dabei nicht um eine konkrete sündige Tat, sondern um einen Zustand der Gottferne, der alle Menschen betrifft, unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Glaubensüberzeugung. Mit den Worten des Apostels Paulus formuliert, stehen letztlich alle Menschen unter der Herrschaft der Sünde: „Es gibt keinen, der gerecht ist, auch nicht einen; es gibt keinen Verständigen, keinen, der Gott sucht. Alle sind abtrünnig geworden, alle miteinander taugen nichts. Es gibt keinen, der Gutes tut, auch nicht einen Einzigen” (Röm 3,10- 12 EU). In Bezug auf Juden und Griechen bringt er es folgendermaßen zum Ausdruck: „denn es gibt bei Gott kein Ansehen der Person. Denn die ohne das Gesetz sündigten, werden auch ohne das Gesetz zugrunde gehen, und die unter dem Gesetz sündigten, werden durch das Gesetz gerichtet werden” (Röm 2,11-12 EU).

Dieser Befund, dass nämlich kein Mensch – weder Jude noch Nichtjude – vor Gott gerecht ist, mag zwar aus der Sicht von aufgeklärten, humanistisch geprägten Menschen des 21. Jahrhunderts als eine Provokation empfunden werden. Er macht jedoch erst eine schlüssige Erklärung des biblischen Heilsplans möglich – eines souveränen, göttlichen Plans, der nach Paulus seinen Ursprung noch vor Grundlegung der Welt hatte (Eph 1,3-14) und zur Erwählung Israels führte. Diese einzigartige Berufung des israelitischen Volkes bedeutet aber nicht, dass es von Gott anderen Völkern gegenüber bevorzugt wird. Die Erwählung Israels erfolgte aus Liebe (5 Mose 7,6-8) und seine Rolle besteht vielmehr darin, den göttlichen Plan der Erlösung für die gesamte Menschheit umzusetzen. Den Juden wurden die Schriften anvertraut (Röm 3,2), auf das israelitische Volk sollten Christen deshalb in besonderer Weise achten, nicht zuletzt weil sie auch der „Augapfel“ Gottes (Sach 2,12; 5 Mose 32,10) sind.

Der Bund mit Abraham – ein Segen für alle Geschlechter

Im biblischen Heilsplan zur Erlösung der gefallenen Schöpfung kann der Bund Gottes mit Abraham als erster von vier Bünden genannt werden.10 Über seine Berufung berichtet das erste Buch der Bibel: „Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden” (1 Mose 12,1-3 LUT).

Abraham ist ein Nachkomme Sems und Sohn des Terach, der nach jüdischer Tradition  Götzenbilder fertigte. Er stammt aus Ur in Chaldäa, nimmt vor rund 4000 Jahren den Ruf Gottes an und zieht fort. Ihm ist verheißen, dass er der Stammvater eines großen Volkes und ein Segen für alle Geschlechter auf Erden werden sollte. Damit verbunden ist die Verheißung, dass alle, die ihn segnen, auch gesegnet werden und die Warnung, dass alle, die ihn verfluchen, auch verflucht werden. Gott schließt mit Abraham einen Bund. „Und er sprach zu ihm: Ich bin der HERR, der ich dich herausgeführt habe aus Ur (, der Stadt) der Chaldäer, um dir dieses Land zu geben, es in Besitz zu nehmen. Und er sagte: Herr, HERR, woran soll ich erkennen, dass ich es in Besitz nehmen werde? Da sprach er zu ihm: Bring mir eine dreijährige Jungkuh, eine dreijährige Ziege und einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine junge Taube. Und er brachte ihm alle diese. Und er zerteilte sie in der Mitte und legte je einen Teil dem anderen gegenüber. Die Vögel aber zerteilte er nicht. Da stießen die Raubvögel auf die toten Tiere herab; aber Abram verscheuchte sie. Und es geschah beim Untergang der Sonne, da fiel ein tiefer Schlaf auf Abram; und siehe, Schrecken, dichte Finsternis überfiel ihn. [...] Und es geschah, als die Sonne untergegangen und Finsternis eingetreten war, siehe da, ein rauchender Ofen und eine Feuerfackel, die zwischen diesen Stücken hindurchfuhr. An jenem Tag schloss der HERR einen Bund mit Abram” (1 Mose 15, 7-12.17-18 ELB).

Im Unterschied zu einem früheren Bund mit Noah, der für die ganze Menschheit gilt und wonach es keine weitere Sintflut geben wird, schließt Gott diesen Bund mit einem einzelnen Menschen, nämlich Abraham und seinen Nachfahren, die zahlreich wie der Sand am Meer und die Sterne am Himmel sein werden. Der Bundesschluss erfolgt symbolisch durch das damals übliche Töten von Tieren. Dieses Ritual bringt die Ernsthaftigkeit einer solchen Handlung zum Ausdruck. Nach alttestamentlichem Verständnis galt: Wer sich nicht an diese Abmachung hält, dem ergeht es wie den Tieren. Interessanterweise ist es Gott selbst („rauchender Ofen” und „Feuerfackel”), der sich verpflichtet, diesen Bund zu halten (Hebr 6,13). Die Raubvögel, die oft mit ihren Krallen und Schnäbeln über ihre Beute als Aasgeier herfallen, können als ein Symbol für das Böse und böse Mächte, die Abraham und später das Volk Israel bedrängen, gedeutet werden. Im Tiefschlaf wird Abraham wohl bewusst, welch großes Leid – „Schrecken” und „tiefe Finsternis” – mit diesem Bundesschluss verbunden sein wird. Der Bund mit Abraham ist mit vielen Verheißungen, jedoch fast keinen Forderungen verbunden. Einzig die Beschneidung (1 Mose 17,10-13) muss von den Israeliten als Zeichen des Bundes durchgeführt werden.

Die vielleicht größte Prüfung erlebt Abraham, als Gott zu ihm spricht: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Morija, und opfere ihn dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir nennen werdet” (1 Mose 22,2 ELB). Diese bekannte und theologisch sehr kontrovers diskutierte Erzählung gibt einen Ausblick auf die kommen de Erlösung aller Menschen durch Jesus Christus. Abraham ist bereit, seinen eigenen Sohn zu opfern und wird daran im letzten Moment von einem Engel gehindert. Der Schreiber des Hebräerbriefes merkt dazu an: „Aufgrund des Glaubens hat Abraham den Isaak hingegeben, als er auf die Probe gestellt wurde; er gab den einzigen Sohn dahin, er, der die Verheißungen empfangen hatte und zu dem gesagt worden war: Durch Isaak wirst du Nachkommen haben. Er war überzeugt, dass Gott sogar die Macht hat, von den Toten zu erwecken; darum erhielt er Isaak auch zurück” (Hebr 11,17-19 EU).

Das Land bzw. der Berg Morija wird in der jüdischen und christlichen Tradition geografisch als der heutige Tempelberg in Jerusalem verortet, wo König Salomo den ersten Tempel errichtete (2 Chr 3,1). Der Platz, an dem Jesus hingerichtet wurde – Golgotha (Schädelstätte, Mt 27,33) – liegt in unmittelbarer Nähe des Tempelberges. Es ist anzunehmen, dass Abraham vorhergesehen hat, welch große Bedeutung die Opferung Isaaks bzw. dieser Bund für die Erlösung der ganzen Menschheit haben sollte, sagt doch Jesus selbst zu den Juden: „Abraham, euer Vater, jubelte, dass er meinen Tag sehen sollte, und er sah (ihn) und freute sich” (Joh 8,56 ELB). Wie Abraham Isaak auf einem Altar mit Brennholz opfert, aber physisch letztlich von Gott durch einen Engel daran gehindert wird, so wird Jesus viele Jahrhunderte später am Kreuz als Opfer zur Erlösung der ganzen Menschheit geopfert.

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