MENÜ

Nur wenige Tage, bevor die Juden in Israel das Purimfest feiern sollten, entbrannte der Krieg mit dem radikalen iranischen Regime. Die Purim-Geschichte der Bibel hat eine kraftvolle Botschaft für unsere eigene Zeit.
Viele Purimfeiern mussten in Schutzräumen stattfinden – gerade in einer Zeit, in der Israel darauf hoffte, dass der „Haman der Neuzeit“, die militanten Ayatollahs im Iran, zu Fall gebracht würden.
Im Buch Esther wird Purim als eine der größten Errettungstaten der biblischen Geschichte beschrieben. Um 470 v. Chr. war die gesamte jüdische Bevölkerung in Persien auf Betreiben des bösartigen Haman dem Untergang geweiht. Haman war der höchste Würdenträger am Hofe des Königs Ahasveros (Xerxes). Dessen neue Königin Esther spielte eine entscheidende Gegenrolle: Mit Hilfe ihres Cousins Mordechai, der ebenfalls als hochrangiger Beamter am königlichen Hof diente, enthüllte sie die finsteren Pläne vor dem König.
Um diese bemerkenswerte Geschichte in ihrer ganzen Tiefe zu erfassen, lege ich Ihnen ans Herz, das gesamte Buch Esther zu lesen. Es erzählt von einer wundersamen Wendung, bei der die Juden die Oberhand gewannen und diejenigen, die sie vernichten wollten, selbst vernichtet wurden.
Besonders das vierte Kapitel schildert, wie sich diese Königin, die den ganzen Luxus des königlichen Palastes genoss, in eine mutige Frau verwandelte, die bereit war, für das Überleben ihres Volkes alles aufs Spiel zu setzen.
Das vierte Kapitel beginnt mit einem erschütternden Bericht über die verzweifelte Lage der Juden in Persien. „Große Trauer herrschte unter den Juden“ (Esther 4,3). Viele von ihnen, darunter auch Mordechai, kleideten sich in Sack und Asche, um ihrer Trauer öffentlich Ausdruck zu verleihen. Damit verstieß Mordechai gegen sämtliche Hofprotokolle des königlichen Palastes.
Als Königin Esther davon erfuhr, sandte sie Mordechai über einen Boten umgehend neue Kleider. Erstaunlicherweise schien sie sich der Notlage ihrer jüdischen Landsleute gar nicht bewusst zu sein. Stattdessen war sie wohl von seinem Erscheinungsbild peinlich berührt und drängte ihn, wieder seine standesgemäße, vornehme Kleidung anzulegen. Ein Cousin, der negativ auffiel, war das Letzte, was sie gebrauchen konnte.
Königin Esther schien in einer sozialen und politischen Blase innerhalb des Palastes zu leben. So konnte sie die Gefahr für ihr jüdisches Volk nicht erkennen. Mordechai startete eine regelrechte „Informationskampagne“: Er brachte die Königin auf den neuesten Stand der Dinge, die sich im Königreich abspielten.
„Und Mordechai sagte ihm alles, was ihm begegnet war, auch die Summe des Silbers, das Haman versprochen hatte, in des Königs Schatzkammer darzuwägen, wenn die Juden vertilgt würden, und gab ihm eine Abschrift des Gesetzes, das in Susa angeschlagen war, sie zu vertilgen, damit er’s Ester zeige und es ihr sage und ihr gebiete, dass sie zum König hineingehe und zu ihm flehe und bei ihm Fürbitte tue für ihr Volk.“ (Esther 4,7–8)
Mordechai konfrontierte sie mit den Fakten. Auf unsere heutige Zeit übertragen informierte er sie über die gewaltigen Geldsummen, die von den Regierungen des Iran und Katars an diverse Terrornetzwerke flossen, sowie über die Pläne der Hisbollah und der Hamas, Israel von der Landkarte zu tilgen. Er klärte sie zudem über das rasante Anwachsen des Antisemitismus weltweit auf und darüber, wie sich immer mehr Regierungen von Israel abwandten.
Er drängte sie dazu, ihren Einfluss beim König geltend zu machen, diese Informationen vor ihn zu bringen und eine Kursänderung der Politik zu fordern.
Esther nahm daraufhin eine persönliche Risikobewertung vor. Sie begann, den Ernst der Lage zu begreifen. Im Prinzip stimmte sie wohl zu, dass etwas unternommen werden musste. Dennoch teilte sie Mordechai mit, das Risiko sei zu groß. Man konnte nicht einfach unaufgefordert vor den Thron des Königs treten. Wer dieses königliche Protokoll verletzte, dem drohte die Todesstrafe – selbst der Königin.
Zudem war sie sich der Gunst des Königs nicht sicher, da sie seit einem ganzen Monat nicht mehr zu ihm bestellt worden war.
Ihr persönliches Fazit lautete, dass es zu gefährlich sei, an den König heranzutreten. Diese Botschaft ließ sie an Mordechai übermitteln.
Was folgte, ist die berühmteste Stelle in der Schriftrolle Esther, Mordechais letzter Appell an Esther:
„Denke nicht, dass du dein Leben errettest, weil du im Palast des Königs bist, du allein von allen Juden. Denn wenn du zu dieser Zeit schweigen wirst, wird eine Hilfe und Errettung von einem andern Ort her den Juden erstehen. Du aber und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist?“ (Esther 4,13b–14)
Israel und das jüdische Volk waren nicht auf ihre Unterstützung angewiesen, erklärte Mordechai der Königin. Wenn du schweigst, wird Rettung von einem anderen Ort her kommen. In dieser Hinsicht ist die Heilige Schrift bezüglich der Zukunft Israels eindeutig: „Wenn die festgesetzte Ordnung von Sonne, Mond und Sternen ins Wanken kommt (…), dann wird Israel aufhören, ewiglich ein Volk zu sein vor mir“ (vgl. Jeremia 31,35–36).
Was tatsächlich auf dem Spiel stand, war nicht Israels Überleben, sondern Esthers eigenes. „Wenn du schweigst, werden du und deines Vaters Haus umkommen“ (Esther 4,14).
Diese Worte trafen Esther mitten ins Herz. Sie reagierte darauf, indem sie ein dreitägiges Fasten ausrief und beschloss, vor den König zu treten. Kühn erklärte sie: „Komme ich um, so komme ich um.“
Diese Entscheidung setzte einen raschen Prozess der Rettung und Befreiung für die Juden jener Zeit in Gang.
Ähnlich wie Königin Esther leben viele Christen heute in einer Blase. Wir neigen dazu, uns auf unsere eigenen Nöte und kirchlichen Projekte zu konzentrieren, während wir die Dramen übersehen, die sich um uns herum abspielen. Esthers vorrangige Sorge mag gewesen sein, dass der König sie seit dreißig Tagen ignoriert hatte.
Im Mai 1944 schrieb Pfarrer Dietrich Bonhoeffer aus seiner Gefängniszelle:
„Unsere Kirche, die in diesen Jahren nur um ihre Selbsterhaltung gekämpft hat, als wäre sie ein Selbstzweck, ist unfähig, Träger des versöhnenden und erlösenden Wortes für die Menschen und für die Welt zu sein.“
Ist uns bewusst, dass Juden in vielen europäischen Ländern weitaus häufiger Opfer von Hasskriminalität werden als jede andere Gruppe, und zwar mit deutlichem Abstand? In Dänemark und Norwegen werden Juden dreißigmal häufiger Ziel von Hassverbrechen als jede andere Bevölkerungsgruppe.
In vielen Städten Großbritanniens ziehen Aktivisten von Tür zu Tür, um „Umfragen“ durchzuführen. Sie fragen die Bewohner, ob sie Israel boykottieren oder einen palästinensischen Staat unterstützen würden. Die Antworten werden mitsamt den Adressen erfasst.
In Deutschland und ganz Europa werden erneut Synagogen angegriffen. Ganz zu schweigen von den ständigen, wütenden anti-israelischen Protesten und Angriffen auf Juden auf der ganzen Welt.
Der Judenhass hat ein Ausmaß erreicht, das mit den frühen Jahren des nationalsozialistischen Deutschlands vergleichbar ist. Tragischerweise verharren viele Kirchen genau wie in den 1930er Jahren weiterhin im „business as usual“. Wir müssen den Herrn bitten, die Blase, in der sich unser Leben und unsere Gemeinden befinden, zum Platzen zu bringen und uns für die Dringlichkeit der Stunde zu wecken.
Anfangs war Esther nicht bereit, den Preis zu zahlen. Das Risiko, sich ungebeten dem König zu nähern, war schlichtweg zu groß. Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Sind wir bereit, den Preis zu zahlen?
Es kam bereits vor, dass ICEJ-Konferenzen in Europa abgesagt werden mussten, weil sich die Eigentümer der Räumlichkeiten durch externe Drohungen einschüchtern ließen. Manche Gemeinden stehen zwar hinter Israel, empfinden jedoch das Risiko, Veranstaltungen mit Israel-Bezug auszurichten, als zu hoch.
Von anderen Pastoren wird unseren Sprechern unter vier Augen anvertraut, dass man sie nur deshalb eingeladen habe, weil man es selbst nicht mehr wage, vor der Gemeinde über Israel zu sprechen. Diese Leiter berichten von einem unglaublichen Druck – dem sie sich schweigend fügen.
Letztlich berührt diese Frage den Kern von Jesu Ruf in die Nachfolge. Jesus ermahnte seine Jünger, die „Kosten“ der Nachfolge genau zu überschlagen (Lukas 14,25–33). Er warnte vor einem geteilten Herzen und erklärte, dass jene, die ihre Hand an den Pflug legen und sich dabei umblicken, für das Reich Gottes untauglich seien (Lukas 9,62). Selbst familiäre Bindungen dürfen nicht zwischen uns und Gottes Berufung für unser Leben stehen (Lukas 14,26). Die Nachfolge Jesu kann sogar die Bereitschaft erfordern, unser Leben um seinetwillen hinzugeben (Markus 8,35).
Genau das war Esthers Zeugnis: „Komme ich um, so komme ich um.“ Das war kein Fatalismus, sondern der ultimative Ausdruck der Hingabe und des Gehorsams gegenüber Gottes Berufung.
Mordechais Worte an Esther waren eindeutig. Nicht das Überleben Israels stand auf dem Spiel, sondern ihr eigenes!
Deutschland liefert hierfür ein ernüchterndes Beispiel. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland für sein tief verwurzeltes christliches Erbe bekannt, als das Land der Reformation und des Pietismus. Persönlichkeiten wie Luther, Zinzendorf, Bengel und andere haben die Welt tiefgreifend beeinflusst. Doch als Hitler an die Macht kam, schwieg die Mehrheit der Kirchen. Viele stellten sich sogar auf die Seite der NS-Bewegung. Heute stehen die meisten Kirchen in Deutschland leer und haben kein geistliches Leben in sich.
Die Warnung „Du und dein Haus werdet umkommen“ mag realer sein, als uns bewusst ist. Wie steht es um unsere Kirchen heute? Lasst uns für sie beten.
Ein letzter Gedanke zu Mordechais Appell an Esther: „Wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist?“ (Esther 4,14).
Dieser Satz berührte mich vor Kurzem auf eine ganz neue Weise. Mordechai sagte nicht: „So spricht der Herr“, sondern schlicht: „Wer weiß …“ Er war sich nicht vollkommen sicher, wie die Geschichte ausgehen würde, und dennoch drängte er Esther zum Handeln. Esther ging, obwohl sie nicht wusste, was das für Folgen haben würde.
Dies erinnert uns an die drei Männer in Babylon, die im Angesicht des drohenden Feuerofens dem König Nebukadnezar erklärten:
„Siehe, unser Gott, den wir verehren, kann uns erretten aus dem glühenden Feuerofen, und auch aus deiner Hand, o König, kann er erretten. Und wenn er’s nicht tut, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten werden.“ (Daniel 3,17–18)
Unser Gott kann und wird erretten – doch selbst wenn er es nicht tut, werden wir uns nicht beugen.
Wir treten in eine Zeit ein, in der die Kirche erneut mit der „Judenfrage“ konfrontiert wird. Was werden wir tun, wenn sich das Böse gegen sie richtet?
Mein Gebet ist, dass viele den Mut finden, eine klare Haltung zu unseren jüdischen Freunden einzunehmen und an ihrer Seite zu stehen, weil …
Es ließen sich noch viele weitere Gründe anführen. Doch letztlich ist es einfach deshalb geboten, weil es das Richtige ist.
„Wenn ich umkomme, so komme ich um“ mag ein Glaubensbekenntnis aus alter Zeit sein, doch es ist für unsere heutige Zeit zutiefst relevant.
Ignorieren Sie das neue Unrecht nicht, das dem jüdischen Volk widerfährt. Machen Sie es zum Thema und Gebetsanliegen in Ihrer Gemeinde. Weisen Sie immer wieder auf die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens hin.
Wir unterstützen Sie gerne dabei. Bestellen Sie kostenlos Informationsmaterial, laden Sie einen Sprecher der ICEJ in Ihre Gemeinde ein oder gründen Sie einen Israel-Gebetskreis.
Kontakt unter info@icej.de
Auszug aus dem Wort aus Jerusalem: "Zurück zu den Wurzeln"
Teile diesen Beitrag:
Die Geschichte von Israels Geburt als Nation beginnt nicht mit Triumph, sondern mit Tränen. Als die Kinder Israels in Ägypten weilten, erlebten sie die erste dokumentierte Welle organisierten Antisemitismus.
Die Geschichte von Israels Geburt als Nation beginnt nicht mit Triumph, sondern mit Tränen. Als die Kind...
Viele Christen zögern, sich mit Israel zu solidarisieren. Teils aus Angst vor Repressionen, teils aus Unsicherheit. Denn das Thema „Zionismus“ wird kontrovers diskutiert – sogar innerhalb der Kirche. Doch es ist an der Zeit, sich zu entscheiden!
Viele Christen zögern, sich mit Israel zu solidarisieren. Teils aus Angst vor Repressionen, teils aus Un...
Wie sah Apostel Paulus das Verhältnis zwischen dem Judentum des ersten Jahrhunderts und der neuen Jesusbewegung? Diese Frage gehört bis heute zu den am meisten diskutierten Aspekten der Lehre des Paulus.
Wie sah Apostel Paulus das Verhältnis zwischen dem Judentum des ersten Jahrhunderts und der neuen Jesusb...
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um die prophetische Bedeutung der Feste des Herrn
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um die...
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das Sukkot Fest aus der Sicht Christi
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das...
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den Abschlusstag: Shemini Atzeret
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den...
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das Große Hoshanna: Hosha’ana Raba
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das...
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das Laubhüttenfest – Sukkot
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das...
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den Versöhnungstag Jom Kippur
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den...
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den Tag der Posaunen
Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den...