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Rosch Chodesch ist eine festgesetzte Zeit ähnlich den Festen und dem Schabbat – eine Zeit, sich Gott zu nähern und das Schofar zu blasen, eine Zeit der Freude und des Jubels. Diese Neumondfeiern finden jeden Monat statt und erinnern die Menschen schlicht an den Mondkalender. Im heutigen Israel haben sie nicht den Status eines Schabbats; es sind normale Arbeitstage. Nur in den Synagogen gibt es besondere Gottesdienste, und im Siddur³ gibt es einige besondere Gebete zusätzlich zu den gewöhnlichen täglichen Gebeten.
Ein wichtiger Bestandteil ist das Blasen des Schofars, was viele Bibelübersetzungen als „Trompete“ wiedergeben. Die Schrift nennt einen interessanten Grund dafür: Es soll zur Erinnerung (Zikaron) dienen. Wenn man das Wort Zikaron in der hebräischen Bibel nachschlägt, bekommt man schnell den Eindruck von etwas beinahe Unheilvollem. Sehen wir uns einige Geschichten an, die mit diesem Begriff verbunden sind.
„Da sprach der HERR zu Mose: Schreibe das zum Gedenken in ein Buch und präge es den Ohren Josuas ein: Ich will das Andenken Amaleks ganz und gar austilgen unter dem Himmel!“ (2. Mose 17,14)
Hier bezieht sich Zikaron auf den Kampf gegen Amalek. Es war ein Massaker an den Schwachen – an Kindern, Frauen und alten Menschen – eine Begegnung mit dem Geist des Antisemitismus. Dieses Ereignis sollte in Erinnerung bleiben. In der modernen Geschichte verhält es sich ähnlich mit Jom HaSchoa: Ein Tag zum Gedenken an eine Tragödie.
„Wenn über einen Mann ein Geist der Eifersucht kommt und er seine Frau verdächtigt, sodass sie unrein ist – oder wenn der Geist der Eifersucht über ihn kommt und er seine Frau verdächtigt, obwohl sie nicht unrein ist –, dann soll er seine Frau zum Priester bringen. Er soll auch für sie ein Opfer darbringen: ein Zehntel Epha Gerstenmehl. Er soll kein Öl darauf gießen und keinen Weihrauch darauf legen; denn es ist ein Speisopfer der Eifersucht, ein Erinnerungsopfer, das Schuld ins Gedächtnis ruft.“ (4. Mose 5,14–15)
Dies ist das Gesetz über den eifersüchtigen Ehemann. Das betreffende Opfer wird Zikaron genannt. Sein Zweck ist, auf Schuld aufmerksam zu machen.
„Und der Priester Eleasar nahm die bronzenen Feuerbecken, die die Verbrannten herbeigebracht hatten, und man hämmerte sie breit zum Überzug für den Altar – als eine Erinnerung für die Söhne Israel, damit kein Fremder, der nicht von den Nachkommen Aarons ist, herzunaht, um Räucherwerk vor dem HERRN in Rauch aufgehen zu lassen, und es ihm nicht ergeht wie Korach und seiner Rotte –, wie der HERR durch Mose zu ihm geredet hatte.“ (4. Mose 17,4–5)
Dieser Text beschreibt die Folgen eines der gefährlichsten Ereignisse während der vierzigjährigen Wüstenwanderung: den Aufstand Korachs. Beinahe wäre es ihm gelungen, Mose zu stürzen und die Israeliten zurück nach Ägypten zu führen. Der Levit Korach war ein geschickter Politiker. Er verbündete sich mit Datan und Abiram aus dem Stamm Ruben und stellte Moses Führung infrage. Sie stimmten einem von Mose vorgeschlagenen Test zu, der zeigen sollte, auf wessen Seite der Herr stand. Da ging ein Feuer vom Herrn aus und verzehrte zweihundertfünfzig Männer, die Räucherwerk darbrachten. Diese verbrannten Räucherpfannen wurden nun zu einem Zikaron für die Kinder Israels.
„Und Mose und der Priester Eleasar nahmen das Gold von den Obersten über die Tausendschaften und über die Hundertschaften und brachten es in das Zelt der Begegnung als eine Erinnerung für die Söhne Israel vor dem HERRN.“ (4. Mose 31,54)
Der Zusammenhang ist ein heftiger Kampf gegen die Midianiter. Er markiert das Ende der Geschichte des Propheten Bileam, der gesandt worden war, Israel zu verfluchen. Wir wissen, dass ihm das nicht gelang. Später aber beriet er die Midianiter, woraufhin ihre Frauen das Volk zum Götzendienst verführten. Nun war die Vergeltung vollzogen und wieder wurde das Gold aus der Beute als ein Zikaron beiseitegelegt.
Was bedeutet also Zikaron? Es scheint darauf hinzuweisen, dass man auf Verfehlungen aufmerksam macht, Sünden benennt oder eine Katastrophe in Erinnerung behält, um aus der Geschichte zu lernen. Der heutige Jom HaZikaron in Israel – der Gedenktag für die Gefallenen am Vorabend des Unabhängigkeitstages – erfüllt einen ähnlichen Zweck.
Was können wir daraus lernen? Wir sollen uns erinnern und bestenfalls aus unseren Fehlern lernen. Doch der Ausdruck „Zikaron vor dem Herrn“ kann auch bedeuten, dass wir Gott bitten, sich an uns zu erinnern – so wie Habakuk betet: „Im Zorn gedenke des Erbarmens“ (Habakuk 3,2).
In der Bibel finden wir viele Beispiele für diesen Ausdruck des Vertrauens auf den HERRN, besonders in schwierigen Zeiten.
In 2. Mose 32,12–13, nach der Sünde mit dem goldenen Kalb, betet Mose: „Kehre dich ab von deinem glühenden Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst. Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel“. Er erinnert Gott an die Bündnisse mit den Erzvätern. Ähnlich finden wir im Buch der Psalmen viele Bitten um Gottes Erbarmen:
„Gedenke an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben und dir zum Erbteil erlöst hast, an den Berg Zion, auf dem du wohnest.“ (Psalm 74,2)
„Gedenke, Herr, an die Schmach deiner Knechte, die ich trage in meiner Brust von all den vielen Völkern.“ (Psalm 89,51)
„Gedenke des Wortes an deinen Knecht, worauf du mich hast warten lassen!“ (Psalm 119,49)
Wir erinnern Gott an sein Wort, das uns Hoffnung gegeben hat. Und das mit gutem Grund, denn er schläft und schlummert nicht. Er wird nach seinem Wort handeln. Das ist auch eine Bedeutung des Gebotes in 2. Mose 39,6–7 über das Brustschild des Hohenpriesters:
„Und sie fassten zwei Onyxsteine ringsherum mit Gold ein und schnitten wie in ein Siegel die Namen der Söhne Israels hinein. Und er heftete sie auf die Schulterteile des Schurzes, dass es Steine seien zum gnädigen Gedenken an die Israeliten, wie der HERR es Mose geboten hatte.“
Der Priester bringt die Söhne Israels vor den Herrn. Er trägt sie buchstäblich auf seinen Schultern – mit all ihren Sünden, ihrem Versagen und ihrer Unvollkommenheit – und ruft: „Herr, gedenke deiner Barmherzigkeit!“ Darum geht es im Kern: Wenn wir Gott bitten, sich zu erinnern, zeigen wir, dass wir nicht auf unsere eigene Fähigkeit vertrauen. Das Einzige, worauf wir uns verlassen können, ist Gottes Barmherzigkeit. Sie gehört zu seinem Wesen.
Dieses Thema tritt besonders deutlich beim größten Rosch-Chodesch-Fest hervor, dem ersten Tag des Monats Tischri, dem Tag des Trompetenblasens, der auch Jom HaZikaron genannt wird und allgemein als Rosch HaSchana bekannt ist.
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