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Die Schuldfrage

David Parsons
Ein Buntglasfenster in einer Kirche zeigt die Kreuzigung Jesu.

Die Frage der „Kollektivschuld” des jüdischen Volkes für den Tod Jesu’ ist mit der Veröffentlichung von Auszügen des neuen Papstbuches Jesus von Nazareth: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung durch den Vatikan erneut in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. In diesem Buch spricht Papst Benedikt XVI. das jüdische Volk von der Kreuzigung Christi frei und legt sie stattdessen einer kleinen Gruppe der „Tempelaristokratie” und den Unterstützern des Barabbas zur Last.

Abkehr von Judenfeindlichkeit

Die Katholische Kirche hatte bereits ihre historische Gottesmord-Anklage gegen die Juden in ihrem verbindlichen Dokument „Nostra Aetate“ aufgegeben, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil 1965 verabschiedet wurde. Leider kam diese Abkehr von der traditionell judenfeindlichen Position der Kirche viel zu spät, um das Leben unzähliger Unschuldiger zu retten, die dieser abscheulichen Doktrin zum Opfer gefallen waren. Dasselbe gilt für das neue Buch des Papstes, doch sein Potenzial, die katholischen Gläubigen tatsächlich mit dieser korrektiven Botschaft zu erreichen, wird von jüdischen Führungspersönlichkeiten begrüßt. Sogar der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu bedankte sich herzlich beim Papst.

Kontroverse um die Passion

Dieses Thema erhielt das letzte Mal in der Kontroverse über den Mel-Gibson-Film „Die Passion Christi” so viel Aufmerksamkeit. Tatsächlich offenbarte der Film, dass es immer noch nicht wenige Christen gibt, die Juden als „Christusmörder” ansehen, die folglich von Gott verworfen und verflucht seien. Unterdessen vertraten andere christliche Gruppen alternative Ansichten, die die Verantwortung nicht beim jüdischen Volk sahen. „Die Römer brachten Jesus um“, sagten einige. „Es war meine Sünde, die ihn ans Kreuz brachte“, erklärten andere.

Zentrale Rolle beim Tod Jesu‘

Dies sind alles gute Argumente, doch das Problem besteht darin, dass das Neue Testament sehr eindeutig den Juden der damaligen Zeit eine zentrale Rolle bei Jesu‘ Tod zuschreibt. Die Liste der Verse, die diese Sichtweise zeigen, ist zu lang, um sie zu ignorieren oder weg zu erklären. In Apostelgeschichte 3,12-18 wendet sich der Apostel Petrus erst einmal an die „Männer von Israel” mit der Anklage „den Fürsten des Lebens habt ihr getötet“. Doch er fügt hinzu: „Nun, liebe Brüder, ich weiß, dass ihr's aus Unwissenheit getan habt wie auch eure Oberen. Gott aber hat erfüllt, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigt hat: dass sein Christus leiden sollte.“

Weder Schuld noch Fluch

Das bedeutet, er sah seine Mitbürger als Verursacher des Todes Jesu, doch er sprach ihnen in der Folge weder Schuld noch Fluch zu. Vielmehr sagte Petrus, dass dies alles durch den vorherbestimmten Plan und Willen Gottes geschah, dass der Messias leiden musste. Wir sehen dieselben Aussagen in Apostelgeschichte 4,8-10, 4,27-28 und 5,30 sowie bei Stephanus in Kapitel 7.

Nation von Priestern

Es ist daher schwierig, diesen Punkt zu ignorieren. Die Apostel konfrontierten mutig sowohl jüdische Normalbürger als auch deren Führungsschicht, dass sie mitgeholfen hätten, Jesus ans Kreuz zu bringen. Doch die Jünger legten als Konsequenz keinerlei Schuld oder Fluch auf ihre Mitisraeliten; vielmehr erklärten sie, dass das jüdische Volk genau das tat, was Gottes Willen in dieser Schicksalsstunde entsprach. Es ist daher wichtig, die biblische Wahrheit festzuhalten, dass das jüdische Volk die einzige priesterliche Nation war, die das Lamm für die Sünden der Welt opfern konnte. Uns wird gesagt, dass wir uns in Dankbarkeit über diesen kostbaren und vorherbestimmten Akt freuen sollen, ohne deshalb irgendeine Feindschaft gegenüber den Juden zu empfinden – weder gestern, heute noch morgen!

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