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Die Thora-Lesungen

Jacob Keegstra
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Dies ist ein Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um die Thora Lesungen.

Die Einteilung der Zeit nach den Festen wirkt  sich auf das gesamte religiöse und soziale Leben Israels aus.[i] Die Ordnungen und Opfer für die Feste sind keine Einzelfälle, auch die Lesung der Thora ist mit der Zeiteinteilung verbunden. Die Ordnung lautete, dass die Thora alle sieben Jahre dem ganzen Volke vorzulesen sei, nach dem Brachjahr, und zwar während des Laubhüttenfestes.[1] Dass die Lesung der Thora bereits früh in der Öffentlichkeit stattfand, ist klar, aber wie sieht deren historische Entwicklung aus? In der Zeit des Esra wurde die Thora vollständig vorgelesen, und zwar ab dem 1. Tag des 7. Monats.[2] Sowohl bei Mose wie auch bei Esra gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Laubhüttenfest und der Thora-Lesung.

 

Welche Bedeutung hat die Thora dabei für dieses Fest?

Esra schrieb vor, dass die Thora am 2. und 4. Tag der Woche, den beiden Markttagen, und am Sabbat vorzulesen sei. Auch bei Josephus[ii] ist die öffentliche Lesung der Thora bereits ein alter Brauch. Die Mischnah gibt an, dass gegen Ende des zweiten Jahrhunderts am Montag, Donnerstag und Sabbat Thora-Lesungen stattfanden.[iii]

 

Auch im NT ist die Lesung der Thora obligatorisch.[3]

Im Babylonischen Talmud[iv] wird die Thora erstmals gemäß einem vorgeschriebenen Zyklus aufeinander folgender Lesungen vorgetragen.

Im Land Israel ist die Thora entsprechend dem Jerusalemer Talmud in 153, 155 oder 167 kleinere Kapitel, ‘Sedarim’, für einen dreijährigen Zyklus eingeteilt. Bei diesem Zyklus steht das Passah im Mittelpunkt, das auch das Herz der Thora von Exodus bis Numeri bildet.

In Babylon dagegen wurde die Thora in 54 kleinere Kapitel für einen einjährigen Zyklus unterteilt. Dieser Zyklus beginnt am Sabbat nach dem Laubhüttenfest und endet am letzten Tag dieses Festes, am ‘Tag der Thora-Freude’, dem ‘Simchat Torah’.[v] Ab 600 nach Christus bis zum heutigen Tag ist der einjährige Zyklus die gängigste Einteilung.[vi] Maimonides[vii] schreibt im 12. Jahrhundert, der einjährige Zyklus werde allgemein und die dreijährige Einteilung noch manchmal benutzt. Zusammen mit einem Teil aus der Thora werde die Lesung nach der Mishnah[viii] in der Synagoge mit einem Teil aus den Propheten, der ‘Haftara’ oder ‘Vollendung’, vervollständigt. Der Ursprung dieses Brauchs ist unsicher, er war aber in der Zeit des NT  bereits bekannt.[4] An Feiertagen wird ein sich speziell auf dieses Fest beziehender Teil gelesen.[5] Wir werden die jeweiligen Thora-Abschnitte angeben, die bei jedem Fest gelesen werden.

 

Die Hinweise aus dem Talmud, die AT-Lesungen über das Jahr zu verteilen, haben für uns keine direkte Autorität, sie liefern höchstens ‘circumstantial evidence’. Der Talmud gibt Aufschluss darüber, wie man in der jüdischen Tradition den Zusammenhang zwischen der Einteilung des Tenach, der Liturgie und der Jahreseinteilung gesehen hat. Die Frage, ob und  aus welchem Grund die Liturgie von Israel eine eschatologische Bedeutung hat, bleibt nämlich bestehen. An und für sich ist das vollständige AT, unabhängig von welcher Einteilung und liturgischen Lesung auch immer, für Christen maßgebend. Sowohl Mose als auch Esra trugen dem Volk auf, die vollständige Thora während des Laubhüttenfestes vorzulesen. Offensichtlich gibt es einen Zusammenhang zwischen diesem Fest und der Thora. Das Laubhüttenfest wird das Fest des offenen Buches genannt.[ix] Dass dieser Zusammenhang auch für die anderen Feste bestanden hat, ist anzunehmen. Wir werden untersuchen, was die Thora-Lesungen für die Feste, insbesondere das Laubhüttenfest bedeutet.

 

Eine Begründung für die Wichtigkeit der Lesungen liegt in der Vermutung, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen den Festen des Herrn und der Offenbarung Gottes.

Bilden die Feste den Kontext für die Aufzeichnung der Worte und Taten Jesu im Johannesevangelium?

In der Gliederung des Johannesevangeliums steht als erstes der Prolog[6], dann kommt das Auftreten Jesu[7] und schließlich folgt der Tod und die Auferstehung Jesu.[8],[x]

 

In der Mitte des öffentlichen Auftretens Jesu steht eine Hochzeit am dritten Tag.

Steckt dahinter die Verweisung auf seine Hochzeit, die Hochzeit des Lammes laut Offenbarung?[9] Der dritte Tag ist für die jüdischen Umstehenden Jesu sowohl ein Hinweis auf den Propheten Hosea, der davon spricht, dass Gott sie richten werde, als auch auf das Zeichen des Jona.[10] Beim Passah fand die Tempelreinigung statt [11]. Wegen eines Festes ging Jesus hinauf nach Jerusalem.[12] Jesus heilt am Sabbat zweimal einen Kranken. Die Brotvermehrung der 5000 findet nahe am Fest der ungesäuerten Brote statt.[13]s Dabei sagt Jesus, er sei das Brot des Lebens.[14] Das Laubhüttenfest bildet den Kontext von Johannes 7 und 8. In letzterem sagt er, dass er das Licht der Welt sei.[15] Jesus bestätigt seine Worte, indem er den Blinden heilt.[16] Und seine Aussage,  er sei der gute Hirte, fällt auf dieses Fest.[17] Das Chanukka-Fest bildet den Kontext von Johannes 12, wo Jesus bestätigt, dass er der Sohn Gottes sei.[18] Die Klimax des Johannesevangeliums mit den wichtigsten Taten Jesu haben wieder die Frühjahrsfeste zum Kontext. In Johannes 12 handelt es sich um den Einzug in Jerusalem, kurz vor Passah. Auch Johannes 13,1 ist noch vor Passah. Dann folgen die Ereignisse während des Passahs, mit dem Tod Jesu.s Die Auferstehung fällt auf das Fest der Erstlingsfrüchte.[19] Das Johannesevangelium endet dann mit den Ereignissen einige Tage nach der Auferstehung. Der Aufbau des Johannesevangeliums zeigt also deutlich den Kontext der Feste, in den sich die Worte Jesu einordnen.

Die wichtigsten Taten Jesu im Johannesevangelium sind alle auf Passah bezogen.

Die Apostelgeschichte nimmt dann dort seinen Anfang, wo das Johannesevangelium geendet hat, nämlich bei der Beschreibung der Himmelfahrt, gefolgt von Pfingsten. Wieder bilden die Feste den Kontext.

 

Im letzten Buch der Bibel bilden die Feste ebenfalls einen wesentlichen Bestandteil. Die Offenbarung bezieht sich nämlich der Struktur nach auf das Laubhüttenfest. Dieses wird gefeiert als Fest des offenen Buches, der Offenbarung von Gottes Heilsplan.[20]

 

Warum nun sind die Feste Gottes so wichtig, dass sogar die Folge seiner Heilstaten mit ihnen zusammenhängt? Und in welcher Verbindung steht die Einteilung des NT mit der Folge der Feste? Dies ist im folgenden zu untersuchen.

 

Hier geht es zu dem Literaturverzeichnis von Gottes prophetische Feste: Literaturverzeichnis von Gottes prophetische Feste – Jacob Keegstra - ICEJ - Deutscher Zweig e.V.

Hier ist ein weiterer Leseauszug der etwas für dich sein könnte: Das Passahfest - Jacob Keegstra - ICEJ - Deutscher Zweig e.V.

 

[1] Dtn 31,10-13

[2] Neh 8,1-8

[3] Vergl. 1Tim 4,13; 1Thess 5,27; Kol 4,16 und Offb 1,3

[4] Luk 4,17; Apg 13,15, 15,21

[5] Num 28,16-29,39

[6] Joh 1,1-18

[7] Joh1,19-12,50

[8] Joh  13,1-21,25

[9] Offb 19,7

[10] Hosea 6,2

[11] Joh 2,13

[12] Joh 5,1

[13] Joh 6,4

[14] Joh 6,48

[15] Joh 8,12

[16] Joh 9

[17] Joh 10,11

[18] Joh 12,37

[19] Joh 20

[20] Offb 4-5

[i] W.J.Barnard, P. van’t Riet, 1986,54

[ii] Apion 2:175

[iii] Mishnah, Meg.3, 4-6

[iv] Bab.Talmoed, Meg.29b

[v] Enc. Judaica, 1971/2, 1248

[vi] id., 1249v

[vii] Yad, Tefillah 13:1

[viii] Bab.Talmoed, Meg.4:1-2

[ix] K.J.Conner, 1980, 78

[x] G.R.Beasley-Murray, WBC, vol.36, xci

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