MENÜ

Gott ist der Anfang und das Ende

Gott ist der Anfang und das Ende

Jürgen Bühler
Sonnen Auf- oder Untergang. Berge sind eingehüllt im Rot des Sonnenlichtes

Der Gott der Zeiten

Zu Beginn eines neuen Jahres ist es gut sich daran zu erinnern, dass Gott ein Gott der Anfänge ist. Eine seiner Haupteigenschaften ist sein ewiges Wesen. Es fällt uns schwer, die Ewigkeit zu verstehen. Die Ewigkeit hat kein Ende, aber auch keinen Anfang: Sie ist schon immer gewesen und wird immer sein.

Zeit und Ewigkeit

Der Begriff „Ewigkeit” wird manchmal in Bezug auf den Himmel verwendet - ein Ort, an dem die Zeit, wie wir sie kennen, nicht existiert. Einer der größten Wissenschaftler, der je gelebt hat, war der jüdische Physiker Albert Einstein. Mit seiner Relativitätstheorie veränderte Einstein unser irdisches Verständnis von Zeit. Dieser Theorie zufolge vergeht die Zeit langsamer, je schneller man sich bewegt.

Bewegten wir uns zum Beispiel in einem Raumschiff annähernd mit Lichtgeschwindigkeit, würde die Zeit gedehnt. Wenn wir die Ereignisse auf der Erde beobachten könnten, während wir uns mit 99,9 prozentiger Lichtgeschwindigkeit fortbewegten, würden die beobachteten Ereignisse wie in einer extremen Zeitraffer-Aufnahme auf unserem Smartphone aussehen – alles würde sich 25-mal schneller bewegen. Wären wir ein Jahr in diesem Raumschiff, würden unsere Familien auf der Erde 25 Mal Weihnachten, Geburtstage, Jahrestage usw. feiern. Wenn wir auf die Erde zurückkehrten, wären sie 25 Jahre älter, während wir nur ein Jahr gealtert wären.

Einstein erklärte, wer sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegte (was unmöglich ist) und die Ereignisse auf der Erde beobachtete, würde sie in einem „Hyper-Zeitraffer“ wahrnehmen, der alles, was auf der Erde geschieht, zeitgleich darstellen würde. Aus dieser Perspektive würde Zeit, wie wir sie auf der Erde kennen, nicht länger existieren.

All das ist schwer vorstellbar und noch schwerer zu verstehen. Doch durch viele Experimente wurde nachgewiesen, dass Einsteins Theorie korrekt ist. Die gesamte Geschichte der Menschheit simultan zu sehen erscheint unmöglich, unser Gehirn wäre überfordert mit dieser Menge an Informationen.

Leben im Zeitraffer

Während des Zweiten Weltkrieges hatte mein Vater ein Erlebnis, das einem solchen „Hyper-Zeitraffer“ ähnelte. Im Winter 1946 lag er im Sterben in einem russischen Kriegsgefangenenlager, geschwächt von Hunger und einer schweren Lungenentzündung. Er hörte die Ärzte sagen: „Bühler wird heute Nacht sterben!“ In seiner Verzweiflung erinnerte er sich an die Gebete seiner Mutter und schrie zu Gott. Dann geschah etwas, das er uns Kindern viele Male erzählte: „In einem Augenblick sah ich mein gesamtes Leben, von der Geburt bis zu diesem Tag, wie einen Film an mir vorbeiziehen. Dann sagte eine Stimme zu mir: `Solltest du jetzt sterben, würdest du auf ewig verloren sein, so wie du bisher gelebt hast!´“ An diesem Tag gab er Jesus sein Leben.

Wenn Gott die Ereignisse auf der Erde anschaut, ist er nicht begrenzt von Raum und Zeit. Augustinus, einer der frühen Kirchenväter, verstand, dass die Zeit, wie wir sie kennen, von Gott geschaffen wurde und dass er außerhalb unserer Zeit existiert. Für mich wird dies verständlicher, wenn ich mich daran erinnere, dass Gott sich selbst mit Licht identifiziert (z. B. in Joh. 1,9) Das bedeutet, dass Zeit in seinem Reich keine Rolle spielt.

Vor Grundlegung der Welt

Jesus sagte zu den Schriftgelehrten seiner Zeit: „Ehe Abraham war, bin ich.“ (Joh. 8,58) Aus unserer Sicht ergibt das keinen Sinn, aber aus Gottes Perspektive war es vollkommen korrekt. Als ewiger Gott hat er keinen Anfang und kein Ende.

Paulus wusste und begriff, dass Gott uns kennt und uns noch vor Erschaffung der Welt (Epheser 1,4) und vor aller Zeit (2. Tim. 1,9) erwählte. Was für ein erstaunlicher Gedanke: Bevor die Erde und das Universum existierten dachte Gott bereits an uns. Deshalb existieren wir heute und das gibt unserem Leben Bedeutung.

Eine weitere erstaunliche Wahrheit ist, dass Gott schon vor dem Beginn der Zeit wusste, dass wir seine rettende Gnade brauchen würden, damit wir in unsere Bestimmung kommen können. Gott wusste ganz genau, dass wir versagen, falsche Entscheidungen treffen und sogar gegen ihn rebellieren würden. Doch schon bevor die Zeit begann sorgte er für ein ewiges Heilmittel: Jesus´ Blut. Die Offenbarung beschreibt Jesus als das „Lamm, das geschlachtet worden ist, von Grundlegung der Welt an.“ (Offb. 13,8) Das Kreuz und die Kirche sind kein „Plan B“ oder ein Notfallplan Gottes, sondern waren schon in seinen Gedanken, bevor die Zeit begann. Jesus ist der Mittelpunkt und das Zentrum der Zeit und der Geschichte.

Gottes ewige Absichten

Der Prophet Jesaja hebt eine weitere Eigenschaft Gottes hervor, die unseren Verstand übersteigt: „… ich bin Gott. Es gibt keinen sonst, keinen Gott gleich mir, der ich von Anfang an den Ausgang verkünde und von alters her, was noch nicht geschehen ist, - der ich spreche: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, führe ich aus.“ (Jesaja 46,9-10). Gott sah nicht nur, wie unser Leben begann, sondern er weiß auch, wie es enden wird. Es gibt keinen Zweifel, dass am Ende der Geschichte seine Absichten erfüllt sein werden und dass er tun wird, was ihm gefällt. Das ist eine großartige Ermutigung.

Israels Bestimmung

Eines der großartigsten Beispiele für diesen zeitlosen und unerschütterlichen Ratschluss des Herrn ist die Geschichte des Volkes Israel. Die Bestimmung Israels liegt in Gottes ewigen Absichten begründet. Der biblische Bericht beginnt nach der Sintflut. Nachdem Noahs Familie die Arche verlassen hatte, gründeten seine Söhne – Sem Ham und Jafet – neue Familien und Stämme (1. Mose 10). Diese Familien bilden den Startpunkt der Menschheit nach der Sintflut. Die Rabbiner zählen 70 Völkerfamilien und Stämme mit ihren Sprachen, die auf die Söhne Noahs zurückgehen und die die Nationen der Welt darstellen:

Die europäischen Stämme stammen von Jafet ab (1. Mose 10,5)

Die afrikanischen und einige Stämme im Nahen Osten gehen auf Ham zurück (1. Mose 10,20)

Die Söhne Sems umfassen weitere Stämme aus dem Nahen Osten und aus östlichen Regionen (1. Mose 10,31)

In 1. Mose 10,32 werden die 70 Familien der Erde zusammengefasst: „Das sind die Sippen der Söhne Noahs nach ihrer Generationenfolge, in ihren Nationen; und von diesen aus haben sich nach der Flut die Nationen auf der Erde verzweigt.“ Nach der Flut verpflichtete sich Gott, diese Völkerfamilien nie wieder durch eine tödliche Flut zu vernichten (1. Mose 8,21f).

Gottes Erlösungsplan

Doch im folgenden Kapitel wird beschrieben, dass die Menschen selbst nach einem so harten Urteil wie der Flut Gott nicht anbeten wollten, sondern sich in ihrem Hochmut nur um ihre eigenen Interessen kümmerten (1. Mose 11). An diesem Punkt beginnt die Geschichte Israels. Da Gott beschlossen hatte, die Menschheit nicht noch einmal durch eine Flut zu vernichten, entschloss er sich, ihnen stattdessen einen Weg der Erlösung anzubieten. Er berief Abraham und verhieß ihm: „Alle Völker der Erde werden durch dich gesegnet werden.“ (1. Mose 12,3) Für die Völker gab es wieder Hoffnung. Paulus erkannte, dass der Moment, in dem Gott die Erblinie Abrahams schuf, der Startpunkt der Heilsgeschichte Gottes mit allen Völkerfamilien, Stämmen und Sprachen war (Galater 3,8).

Israel erhielt eine einzigartige Rolle in der Heilsgeschichte der Menschheit. Sie haben uns das Wort Gottes gegeben und ihr Messias bringt Licht bis in die entlegensten Orte der Welt. Als Nachkomme Abrahams wurde Jesus das Zentrum und der Mittelpunkt der Zeit und der Geschichte. Die Kirche wird den Nachkommen Abrahams immer Dank schulden und verpflichtet sein, sie zu segnen, da sie das Gefäß Gottes sind, durch das er der Menschheit Erlösung brachte.

Gott wird vollenden

Wir wollen nun vorspulen zum Ende der Geschichte. Der Seher Johannes wurde auf übernatürliche Weise aus dem irdischen Zeitrahmen herausgenommen und befähigt, „das Ende zu sehen“. Er war erstaunt, all die Völkerfamilien, die von Noah abstammen, vereint im Himmel zu sehen, wie sie das Lamm anbeten: „Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei unserm Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm!“ (Offb. 7,9-10)

Was im 1. Buch Mose begann – und bereits vor der Grundlegung Welt existierte – findet nun seine Vollendung. Diese erstaunliche Wahrheit, dass Gott unser Ende schon kannte, bevor unser Leben begann, sollte jedem von uns größte Ermutigung sein. Er ist der Anfang und das Ende, das Alpha und Omega. Es gibt keine Überraschungen oder Notfallsitzungen im Himmel, weil unser Gott der Gott der Geschichte ist. Er spricht nicht nur über Israel, sondern auch über unser Leben aus: „Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, führe ich aus.“ (Jes. 46,10) Deshalb konnte Paulus der Gemeinde in Philippi so überzeugt schreiben: „und ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ (Phil. 1,6)

Auch wenn Ihr Jahr mit Schwierigkeiten oder unerwarteten Herausforderungen begann, dürfen Sie sicher sein: Gott wird alles vollenden, was er für Ihr Leben beabsichtigt hat. Er wird Ihnen die guten Werke zeigen, die er zuvor für Sie bereitet hat (Eph. 2,10). Wenn Sie eng mit Jesus verbunden bleiben und Zeit mit ihm und seinem Wort verbringen, wird er der Anfänger und Vollender Ihres Glaubens sein (Hebr. 12,2). Möge der Herr Sie für 2019 segnen, während Sie in den ewigen Absichten Gottes wandeln!

 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

ein Mann an einem Rednerpult aus plexiglas und einem Mikrofon. Er trägt eine Brille und Anzug

Gottes Treue

Wie sah Apostel Paulus das Verhältnis zwischen dem Judentum des ersten Jahrhunderts und der neuen Jesusbewegung? Diese Frage gehört bis heute zu den am meisten diskutierten Aspekten der Lehre des Paulus.

Wie sah Apostel Paulus das Verhältnis zwischen dem Judentum des ersten Jahrhunderts und der neuen Jesusb...

Sukkot – Ein Fest beispielloser Einheit - An Sukkot feiern wir die letzte und kostbarste Ernte des Jahres. Rabbi mit Zitrone, Zweig und Schriften in der Hand

Die prophetische Bedeutung der Feste des Herrn

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um die prophetische Bedeutung der Feste des Herrn

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um die...

Jesus mit Schriftrolle im Tempel

Das Sukkot Fest aus der Sicht Christi

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das Sukkot Fest aus der Sicht Christi

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das...

Sukkot – Ein Fest beispielloser Einheit - An Sukkot feiern wir die letzte und kostbarste Ernte des Jahres. Rabbi mit Zitrone, Zweig und Schriften in der Hand

Der Abschlusstag: Shemini Atzeret

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den Abschlusstag: Shemini Atzeret

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den...

Laubhüttenfest

Das Große Hoshanna: Hosha’ana Raba

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das Große Hoshanna: Hosha’ana Raba

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das...

Juden mit Kippa. Einer hält eine Zitrone und ein Stab mit Geflecht in der Hand

Das Laubhüttenfest - Sukkot

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das Laubhüttenfest – Sukkot

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das...

Titelbild 2 junger Beter gpo Mark Neyman

Der Versöhnungstag Jom Kippur

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den Versöhnungstag Jom Kippur

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den...

Jewish,Festival,Of,Sukkot.,Traditional,Symbols,(the,Four,Species):,Etrog,

Der Tag der Posaunen

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den Tag der Posaunen

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um den...

Erntezeit

Das Wochenfest Shavuot

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das Wochenfest Shavuot

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das...

Erntezeit

Das Fest der Erstlinge

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das Fest der Erstlinge

Leseauszug aus dem Buch Gottes prophetische Feste von Jacob Keegstra. In diesem Abschnitt geht es um das...