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Schwat ist der elfte Monat des hebräischen Kalenders.
Im Land Israel ist der Schwat der Monat, in dem der Winter dem Frühling weicht. Die ersten Bäume beginnen zu blühen. In der jüdischen Tradition ist der 15. Schwat – oder Tu Bi-Schwat – das Neujahrsfest der Bäume (Rosch Haschana LaIlanot). Dieses Datum ist wichtig für die Bestimmung landwirtschaftlicher Abgaben (Zehnt) und die Berechnung des Alters eines fruchttragenden Baumes. Wenn ein neuer Baum gepflanzt wird und Früchte zu tragen beginnt, gebietet die Tora, drei Jahre zu warten und die Früchte im vierten Jahr als Opfergabe für den Herrn darzubringen:
„Wenn ihr in das Land kommt und allerlei Bäume pflanzt, von denen man isst, so lasst ihre ersten Früchte stehen, als wären sie unrein wie Unbeschnittene. Drei Jahre lang sollen euch die Früchte wie unbeschnitten gelten; sie dürfen nicht gegessen werden; im vierten Jahr sollen alle ihre Früchte unter Jubel dem HERRN geweiht werden; erst im fünften Jahr sollt ihr ihre Früchte essen, auf dass sie euch weiter ihren Ertrag geben; ich bin der HERR, euer Gott.“ (3. Mose 19,23-25)
Tu Bi-Schwat ist der Stichtag für die Berechnung des Baumalters. Im modernen Israel ist es Brauch geworden, an Tu Bi-Schwat Bäume zu pflanzen und allgemein das Bewusstsein für den Naturschutz zu schärfen. Es stellt sich die Frage, warum ausgerechnet Bäume gefeiert werden und nicht jede beliebige Pflanze. Und nicht irgendeine Art von Bäumen, sondern „Bäume zur Speise“. Was macht einen solchen Baum besonders? Er trägt Früchte. Bäume und Früchte sind daher die Hauptthemen des gesamten Monats. Schon von Anfang an besteht eine Verbindung zwischen Bäumen und dem Menschen:
„Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.“ (1. Mose 2,9)
„Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.“ (1. Mose 2,16-17)
Wir kennen die Geschichte: Wir haben den Zugang zum Baum des Lebens verloren. Der Ausdruck „Baum des Lebens“ kommt in der gesamten Bibel nur in drei Büchern vor: im 1. Buch Mose (Genesis), in den Sprüchen und in der Offenbarung. Die Sprüche sind ein Weisheitsbuch, das praktische Einsichten und Ratschläge für ein fruchtbares Leben enthält; in diesem Zusammenhang taucht der Begriff „Baum des Lebens“ auf. Zum Beispiel: „Eine heilsame Zunge ist ein Baum des Lebens; aber eine lügenhafte bringt Herzeleid“ (Sprüche 15,4).
Die beiden anderen Bücher, 1. Mose und Offenbarung, berichten uns vom Ursprung und vom Ziel der Geschichte. Im 1. Buch Mose erfahren wir, wie die ersten Menschen den Zugang zum Baum des Lebens verloren. Dann taucht der Baum des Lebens, der zu Beginn eingeführt wurde, am Ende der Geschichte wieder auf. Jesus sagt in Offenbarung 2,7: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist.“ Und tatsächlich sehen wir im letzten Kapitel der Bibel das Gesamtbild:
„Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht von dem Thron Gottes und des Lammes, mitten auf ihrer Straße und auf beiden Seiten des Stromes Bäume des Lebens, die tragen zwölfmal Früchte, jeden Monat bringen sie ihre Frucht, und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker.“ (Offenbarung 22,1-2)
Es ist nicht nur eine neutestamentliche Vision; sie steht im Einklang mit der Offenbarung Hesekiels. Auch wenn der Baum des Lebens hier nicht ausdrücklich genannt wird, ist die Beschreibung sehr ähnlich.
„Und an dem Strom werden an seinem Ufer auf beiden Seiten allerlei fruchtbare Bäume wachsen; und ihre Blätter werden nicht verwelken und mit ihren Früchten hat es kein Ende. Sie werden alle Monate neue Früchte bringen; denn ihr Wasser fließt aus dem Heiligtum. Ihre Früchte werden zur Speise dienen und ihre Blätter zur Arznei.“ (Hesekiel 47,12)
Wir können also schlussfolgern, dass der Baum des Lebens nach wie vor existiert; er befindet sich im Paradies, und der Zugang zu ihm ist laut Jesus demjenigen möglich, der überwindet. Wir müssen unseren Glauben bewahren, unseren Lauf ganz vollenden, Versuchungen überwinden und treu bleiben.
Es gibt einen interessanten Vers in der Bibel, der Mensch und Baum miteinander zu vergleichen scheint und Anlass zu zahlreichen Diskussionen gegeben hat:
„Wenn du vor einer Stadt lange Zeit liegen musst, gegen die du kämpfst, um sie zu erobern, so sollst du nicht die Axt an ihre Bäume legen und sie umhauen, denn du kannst davon essen; darum sollst du sie nicht fällen. Die Bäume auf dem Felde sind doch nicht Menschen, dass du sie belagern müsstest!“ (5. Mose 20,19)
Man beachte, dass hier erneut von Bäumen und Früchten die Rede ist. Der zweite Teil des Verses ist schwer zu übersetzen.
Der hebräische Originaltext:
כִּ֤י הָֽאָדָם֙ עֵ֣ץ הַשָּׂדֶ֔ה לָבֹ֥א מִפָּנֶ֖יךָ בַּמָּצֽוֹר׃
Wörtlich übersetzt bedeutet das: „Denn der Mensch [ist] ein Baum des Feldes, vor dir in die Belagerung zu kommen.“
Ein solch schwieriger Vers regt zu zahlreichen Kommentaren an. Man kann sie dahingehend zusammenfassen, dass dieser Vers die Frage aufwirft, ob der Mensch einem Baum gleicht – ob sie Gemeinsamkeiten haben. Es ist typisch für die jüdische Tradition, dass eigentlich beide Antworten richtig sind. Einerseits gibt es offensichtliche Unterschiede: Ein Mensch ist kein Baum. Andererseits gibt es gewisse Ähnlichkeiten. So können wir zum Beispiel von Früchten sprechen oder von der Notwendigkeit, Wurzeln zu haben.
Was sagt die Bibel zu diesem Thema? Wir sehen, dass die Gerechten mit einem Baum verglichen werden:
„Der Gerechte wird grünen wie ein Palmbaum, er wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon. Die gepflanzt sind im Hause des HERRN, werden in den Vorhöfen unsres Gottes grünen. Und wenn sie auch alt werden, werden sie dennoch blühen, fruchtbar und frisch sein.“ (Psalm 92,13-15)
Man beachte das Hervorbringen von Früchten, das Gepflanztsein am richtigen Ort und das Verwurzeltsein im Haus des Herrn.
„Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.“ (Psalm 1,3)
Ein guter Mensch ist an den Früchten zu erkennen, die sein Leben hervorbringt. Dieser Gedanke findet sich auch im Neuen Testament. Jesus sagt uns: „So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen“ (Matthäus 7,17-18). Jesus hält hier keinen Vortrag über Landwirtschaft; er spricht im übertragenen Sinne von Menschen. In diesem Sinne sind wir wie ein Baum auf dem Feld, und Jesus sucht nach Früchten in unserem Leben.
Paulus erklärt, wie diese verschiedenen Arten von Früchten aussehen: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung (Galater 5,22). Es ist hilfreich, sich daran zu erinnern, dass sich die Frucht des Geistes von den Gaben des Geistes unterscheidet: Die Gaben werden zum Beispiel in 1. Korinther 12 beschrieben:
„Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben; dem andern ein Wort der Erkenntnis durch denselben Geist; einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist, der einem jeden das Seine zuteilt, wie er will.“ (1. Korinther 12,8-11)
Die Gaben sind Geschenke: Sie werden ohne eigenes Verdienst verliehen, ganz nach dem Willen des Geistes. Frucht hingegen ist etwas, das Zeit zum Wachsen und Reifen braucht. Frucht ist das Ergebnis eines Heiligungsprozesses, während Gaben bei Bedarf augenblicklich in Erscheinung treten können. Die Ausübung von Gaben macht uns nicht zu besseren Menschen. Wir werden lediglich zu Werkzeugen des Geistes, um ein Bedürfnis zu stillen. Doch Jesus sucht nach etwas, das in uns wächst, während wir treu mit ihm gehen. Deshalb sagt er:
„Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Machttaten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet!“ (Matthäus 7,21-23)
Mit anderen Worten: Die Ausübung von Gaben beweist nichts. Wir haben beschämende Fälle erlebt, in denen begabte Menschen in der Gemeinde zu Fall kamen, weil ihnen die Frucht des Geistes fehlte. Wie können wir das nur erreichen? Ich glaube, die entscheidende Stelle findet sich in Johannes 15, wo Jesus sagt:
„Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.“ (Johannes 15,1-6)
Die Beziehung zu Jesus ist der Schlüssel zu einem fruchtbaren Leben. Darauf müssen wir uns vor allem konzentrieren; das Übrige wird sich ergeben, ohne dass wir uns dessen überhaupt bewusst sind. Mit anderen Worten: Ein Baum macht sich nicht jeden Tag Sorgen um die Frucht; er muss lediglich fest verwurzelt sein und Wasser sowie Nährstoffe aufnehmen. Jesus sagte: „Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten“ (Johannes 14,15). Wir müssen uns also täglich durch das Wort bewässern lassen und gute Wurzeln haben. Dann folgt das Übrige, während wir vom Geist geleitet und durch die Erneuerung unseres Sinnes verwandelt werden und in die guten Werke hineinfinden, die der Herr im Voraus für uns bereitet hat.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der Bäumen und Menschen gemeinsam ist, sind die Wurzeln. Der Apostel Paulus hat etwas Wichtiges über unsere lebensspendende Verbindung zu sagen:
„Wenn nun einige von den Zweigen ausgebrochen wurden, du aber, der du ein wilder Ölzweig bist, in den Ölbaum eingepfropft wurdest und Anteil bekommen hast an der Wurzel und dem Saft des Ölbaums, so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ (Römer 11,17-18)
Die Wurzel trägt uns. Aus dem Römerbrief geht klar hervor, dass die Wurzel das jüdische Erbe ist, in das wir eingepfropft wurden. Paulus warnt vor dem Stolz und der Überheblichkeit nichtjüdischer Gläubiger gegenüber diesem jüdischen Erbe. Leider hat die Kirche diese Warnung über weite Strecken ihrer Geschichte hinweg ignoriert.
Als Folge gehen Gleichgewicht und Kontext verloren. Wir können das Neue Testament, Jesus und Paulus nicht wirklich verstehen, ohne den jüdischen Hintergrund, die Denkweise und die Anspielungen auf die hebräischen Schriften zu begreifen. Wie mir der Pastor und Bibellehrer Peter Tsukahira einmal in einem persönlichen Gespräch treffend sagte: Nur das Neue Testament zu lesen, ist, als würde man mitten in einen Film einsteigen – man erkennt zwar allmählich die Hauptfiguren und sieht das Ende, hat aber keine Ahnung von den Ursprüngen, den Beweggründen der Hauptakteure und der vollen Bedeutung der Handlung.
Die Folge ist, dass wir nicht im ganzen Ratschluss Gottes leben. Allzu oft haben wir erlebt, wie jemand eine bestimmte Schriftstelle herausgreift, eine ganze Theorie darum aufbaut und diese dann vehement vertritt. Ist die Person begabt, kann sie eine große Anhängerschaft um sich scharen. Typischerweise konzentrieren sie sich nur auf einen Aspekt und vernachlässigen andere, wodurch das Gleichgewicht verloren geht. Dies ist bei der Befreiungstheologie, dem Wohlstandsevangelium, der Wort-des-Glaubens-Bewegung und vielen anderen Strömungen der Fall.
Der einzige Ausweg besteht darin, sich wieder mit den Wurzeln zu verbinden. Sie sind für einen Gläubigen ebenso lebensspendend wie die Verbindung zu Jesus. Wenn wir die Beziehung zu Jesus suchen, werden wir stets Frucht bringen. Vernachlässigen wir jedoch die Verbindung zu seinen Wurzeln, entgeht uns ein wichtiger Teil seiner Lehre. Dann laufen wir Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren oder seine Botschaft misszuverstehen. Genau hier liegt die Schwäche der Ersetzungstheologie: Sie mag zwar zu Recht den Fokus auf Jesus legen, ist jedoch blind für den hebräischen Boden, aus dem Jesus hervorging und folglich auch für die Fülle von Gottes Plan, der das jüdische Volk mit einschließt.
Was lässt sich in der Bibel sonst noch im Zusammenhang mit dem elften Monat finden?
In 5. Mose 1,3 lesen wir, dass Mose am ersten Tag des Monats begann, die neue Generation zu unterweisen, die schon bald ins verheißene Land einziehen sollte: „Und es geschah im vierzigsten Jahr, am ersten Tage des elften Monats, da redete Mose mit den Israeliten alles, wie es ihm der HERR für sie geboten hatte.“ Auch im Buch Sacharja (1,7) findet sich ein Hinweis: „Am vierundzwanzigsten Tage des elften Monats – das ist der Monat Schwat – im zweiten Jahr des Königs Darius geschah das Wort des HERRN zu Sacharja, dem Sohn Berechjas, des Sohnes Iddos, dem Propheten.“
Was ist der Zusammenhang? Man kann sagen, dass der elfte Monat der Monat des Wortes ist. Wir haben gelesen, dass der gesegnete Mensch mit einem Baum verglichen wird: Worin liegt das Geheimnis seines Segens? Darin, dass er seine Freude am Wort hat und Tag und Nacht darüber nachsinnt.
„Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen[1] / noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl.“ (Psalm 1,1-3)
Wenn wir gut verwurzelt sein und gute Frucht bringen wollen, müssen wir Freude am Wort haben. Nutzen wir den Monat Schwat, um unsere Wurzeln zu stärken und unsere Beziehung zu Jesus durch das Studium seines Wortes zu festigen. Seien wir wie die Bäume auf dem Feld, die reiche Frucht tragen!
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