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Der Versöhnungstag
Am zehnten Tage des siebenten Monats sollt ihr fasten und keine Arbeit tun … Denn an diesem Tage geschieht eure Entsühnung, dass ihr gereinigt werdet; von allen euren Sünden werdet ihr gereinigt vor dem HERRN. – 3. Mose 16,29–30 (LUT 2017)
Versöhnung für die ganze Welt
Und wenn jemand sündigt – wir haben einen Fürsprecher bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt – 1. Johannes 2,1–2 (ELB)
Jacob und ich hatten das Privileg, den Versöhnungstag in Israel mehrfach zu erleben. Jedes Mal erfüllte er uns mit tiefer Ehrfurcht. Am Versöhnungstag steht das Leben völlig still. In Jerusalem herrscht völlige Ruhe. Niemand arbeitet, fährt Auto, hört Radio oder sieht fern. Es ist ein Tag der Besinnung, der Buße und des Fastens – fünfundzwanzig Stunden lang wird weder gegessen noch getrunken – und es finden besondere Gottesdienste statt, in denen viel gebetet wird. Dieser Fastentag endet in der Synagoge mit einem eindrucksvollen Schofarstoß (3. Mose 23,26–32).
Dieses Fest, auch bekannt als Jom Kippur, ist für das jüdische Volk der feierlichste und heiligste Tag des Jahres. Er wird am zehnten Tag des siebten Monats Tischri begangen. Das englische Wort „atonement“ (Sühne) stammt vom hebräischen Wort KiPpuR ab, was „Sühne, etwas wieder in Ordnung bringen, bedecken“ bedeutet.
Die zehn Tage zwischen dem Posaunenfest (dem jüdischen Neujahrsfest) und dem Versöhnungstag werden als die „Zehn Tage der Buße“ bezeichnet. In dieser Zeit konzentrieren sich die Juden darauf, ihre Sünden zu bekennen und sich mit anderen zu versöhnen (Micha 7,19), wobei der Höhepunkt am zehnten Tag mit dem Versöhnungstag, dem Tag der nationalen Reinigung, erreicht wird. Zu biblischen Zeiten fungierte der Hohepriester einmal im Jahr, am Versöhnungstag, als Vermittler zwischen Gott und dem Volk. Ihm war erlaubt, in ein Leinengewand gekleidet, das Allerheiligste betreten, um Opfer darzubringen und Sühne für Sünden zu leisten oder diese zu „bedecken“ – für sich selbst, die Priesterschaft und das gesamte Volk Israel. Bevor er das Heiligtum betreten durfte, musste er eine rituelle Reinigung vollziehen. Wenn das Volk hörte, wie er den heiligen Namen Gottes aussprach, warf es sich vor Gott nieder und bekannten seine Sünden, um Vergebung für vergangene Sünden zu empfangen und gereinigt zu werden.
Johannes erwähnt in seinen Briefen, dass es durch Jesus Versöhnung für die ganze Welt gibt. Er weist darauf hin, dass wir „einen Fürsprecher“ beim Vater haben. Jesus schenkt uns Vergebung.
Da es keinen Tempel mehr gibt, werden die Rituale des Versöhnungstages so weit wie möglich in der Synagoge begangen. Es wird den ganzen Tag gefastet, ohne Essen und Trinken, und es werden Gebete gesprochen, um Vergebung zu erlangen. Diese Gebete konzentrieren sich auf zwei Abschnitte aus dem 3. Buch Mose, Kapitel 16–18 und 19–20. Eine wiederhergestellte Beziehung zwischen Gott und den Menschen wirkt sich auf die Beziehungen der Menschen untereinander aus. Dies wird auch im Buch Jona deutlich, das im Nachmittagsgottesdienst gelesen wird. Jona lehrt uns, dass Gott den Menschen vergibt, wenn sie Buße tun und ihre Schuld bekennen. Am Ende der Synagogenliturgie werden Gebete gesprochen, in der Hoffnung, in das Buch des Lebens eingetragen zu werden (Daniel 12,1).
Die Psalmen erwähnen an verschiedenen Stellen drei Formen der Sünde (Psalm 51,3–4). Die erste wird als unbewusste Sünde bezeichnet, Chet, was so viel bedeutet wie „das Ziel verfehlen“. Die zweite, Pescha, ist eine bewusste Übertretung oder eine rebellische Handlung, wie Rache, Diebstahl oder Mord. Die letzte ist die Ungerechtigkeit, Avon, ein Fehler oder eine unbeabsichtigte Handlung, die dennoch schädliche Folgen hat. Jesus kam, um alle drei zu vergeben. Wenn Menschen Sünden bekennen, die sie wissentlich begangen haben, Ungerechtigkeiten, deren sie sich vielleicht nicht bewusst sind, und Versprechen, die sie nicht gehalten haben, schenkt er ihnen Vergebung. Der Abend von Jom Kippur beginnt mit der feierlichen Kol-Nidre-Erklärung, die „alle persönlichen Gelübde aufhebt“.
So wie Teschuwa (das Konzept der „Umkehr“) beim Posauenfest (Rosch Haschanah) im Mittelpunkt steht, so ist auch das Konzept der Kapparah, der „Sühne“, am Jom Kippur von zentraler Bedeutung. Es ist ein landesweites Bekenntnis. Die zehn Tage der Buße sind die Tage von Cheschbon HaNefesch, der „Selbstprüfung der Seele“. Dennoch werden die ehrfurchtgebietenden Tage, die Jamim Noraim, freudig und mit Zuversicht im Blick auf die Zukunft begangen. Durch die Selbstprüfung stellen sich die Menschen ihren Fehlern und versöhnen sich mit ihren Mitmenschen. Am Ende von Jom Kippur wird der Schofar geblasen, als Zeichen der Versöhnung.
Wusstest du, dass Menschen sowohl bewusste als auch unbewusste Sünden begehen? Wie gehst du damit um?
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