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Zeit der Ernte -Schawuot

Zeit der Ernte -Schawuot

Veränderte Herzen
Dr. Jürgen Bühler
Berg Sinai

Dreimal im Jahr sollst du mir ein Fest feiern. Das Fest der ungesäuerten Brote sollst du halten … Ferner das Fest der Ernte, der Erstlinge vom Ertrag deiner Arbeit, dessen, was du auf dem Feld säen wirst; und das Fest des Einsammelns am Ende des Jahres, wenn du deinen Arbeitsertrag vom Feld einsammelst. (2. Mose 23,14-16)

Wir haben im Mai das biblische Schawuot-Fest oder Pfingsten gefeiert, eines der drei Feste, zu denen das Volk Israel nach Gottes Willen nach Jerusalem heraufziehen sollte, um eine heilige Versammlung abzuhalten. Sie sollten in Zion erscheinen, um das Passahfest, das Pfingstfest und das Laubhüttenfest zu feiern, die drei großen Pilgerfeste der Bibel. Diese drei Feste waren unter anderem Erntedankfeste für die verschiedenen Erntezeiten im israelischen Kalender. Im letzten Heft haben wir das Fest der „Erstlingsfrüchte“ betrachtet, das auf die Zeit des Passahfestes fiel. Diesmal konzentrieren wir uns auf Pfingsten oder Schawuot, auch bekannt als das Wochenfest.

Pfingsternte

Die zweite Erntezeit für Israel fiel auf das Pfingstfest, das genau 50 Tage nach der festgesetzten Zeit, als die Erstlingsfrüchte dem Herrn geopfert wurden (2. Mose 23,15ff), stattfand. Zum Passahfest, als diese allerersten Früchte präsentiert wurden, waren die Felder noch überwiegend grün und noch Wochen von der Erntezeit entfernt. Es war ein Akt des Glaubens, alle Früchte dieses Jahres unter den Segen Gottes zu stellen.

Doch zur Zeit des Pfingstfestes war die Frühjahrsernte des Weizens und der Gerste bereits herangereift und wurde nun Gott geweiht: „Auch das Wochenfest, das Fest der Erstlinge der Weizenernte, sollst du feiern…“ (2. Mose 34,22) Es war ein Fest der Dankbarkeit, bei dem die Treue Gottes gefeiert wurde. Doch weitere Ernten sollten folgen, wie die Oliven-, Wein- und Feigenernte.

Steinerne Tafeln – fleischerne Herzen


Laut der jüdischen Tradition kam das Volk Israel zur Zeit des Pfingstfestes am Berg Sinai an. 2. Mose 19 berichtet, dass Gott auf den Berg herabkam, im Feuer, dichten Wolken und lautem Donner. An diesem Tag gab Gott den Dekalog, die Zehn Gebote, auf „steinerne(n) Tafeln, beschrieben mit dem Finger Gottes.“ (2. Mose 31,18)

Paulus bezieht sich auf diesen Augenblick im zweiten Korintherbrief. Der Gläubige des Neuen Bundes, sagt Paulus, ist „ein Brief Christi…, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf Tafeln, die fleischerne Herzen sind.“ (2. Korinther 3,3) Für Paulus spielte sich der Dienst des Neuen Bundes auf einer ganz neuen Ebene ab, verglichen mit dem Bund am Berg Sinai (vergleiche Jeremia 31,31ff).

In Apostelgeschichte 2 heißt es, dass „als die Zeit des Pfingstfestes erfüllt war“, der Heilige Geist auf die junge Gemeinde wie ein gewaltiger Wind kam und mit Feuerzungen auf jeden einzelnen der Gläubigen fiel. Die Jünger traten in eine neue Zeit des Dienstes ein. Es war der Dienst der vom Heiligen Geist ermächtigten Individuen, die durch die in ihnen wohnende Gegenwart Gottes umgestaltet wurden, jeder einzelne. Das war eine mächtige und dynamische Gruppe von Leuten, die die ganze Welt mit dem Evangelium veränderte.

3000 Seelen


Für die Gemeinde war das Pfingstfest auch ein erstes Erntefest, die erste Seelenernte wurde in das Vorratshaus Gottes gebracht. „Es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan“. (Apostelgeschichte 2, 41)

Es waren tatsächlich nur die Erstlingsfrüchte einer viel größeren Ernte – denn in den darauffolgenden Wochen, Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten sollten Millionen weitere folgen. Diese erste Ernte war eine ausschließlich jüdische Ernste, da alle diese ersten Jesusgläubigen Juden waren. Mit der Zeit zeigte Gott diesen ursprünglichen Aposteln, dass in anderen Teilen der Erde die Felder zur Ernte heranreiften. Schließlich wuchs diese Ernte zu einer unzählbaren Schar von Menschen aus jeder Nation, jedem Stamm und jeder Sprache heran.

Es ist bemerkenswert, dass Gott Israel mit Seiner Heiligkeit und Seinem Gericht herausforderte, als Er mit Feuer auf den Berg Sinai herabkam. Als Mose erneut auf den Berg Sinai hinaufsteig, rebellierte das Volk gegen Gott und erbaute das goldene Kalb. Als Folge wird uns berichtet, dass 3000 Seelen starben (2. Mose 32,28). Doch am Tag des Pfingstfestes fanden 3000 Seelen ewiges Leben, was eine deutliche Demonstration der lebensspendenden Kraft des Neuen Bundes darstellt. Der Bund des Mose wurde in Gesetzesform auf steinerne Tafeln und unveränderte Herzen geschrieben. Der Neue Bund ist ein Bund der durch den Geist veränderten Herzen.

Sowohl Apostelgeschichte 2 als auch 2. Mose 34 erinnern uns eindrücklich daran, warum der Hebräerbrief immer wieder betont, dass wir einem besseren Bund dienen, der auf besseren Verheißungen beruht (siehe Hebräer 8,6). Doch beide Bibelstellen zeigen uns auch, wie verzweifelt wir den Heiligen Geist brauchen, damit unsere Herzen verändert werden.

Zwei gesäuerte Brote


Nach dem Gesetz des Mose sollte Gott zu Pfingsten ein besonderes Opfer dargebracht werden. „Ihr sollt aus euren Wohnungen zwei Brote bringen als Schwingopfer, von zwei Zehnteln feinstem Mehl, gesäuert und gebacken, als Erstlingsgabe für den HERRN“ (3. Mose 23,17)

Frühe Kirchenväter sahen darin eine interessante Symbolik. Der Gelehrte und Mönch Beda Venerabilis (673-735) schreibt: „Zwei Laibe Brot aus den Erstlingsfrüchten der neuen Ernte sollten richtigerweise geopfert werden, denn die Kirche sammelt solche, die sie ihrem Erlöser als eine neue Familie weihen kann, aus beiden Völkern, sowohl aus den Juden als auch aus den Heiden.“

Doch anders als andere Opfer war dies gesäuertes Brot – und symbolisierte damit die Unzulänglichkeit der Kirche/Gemeinde. Es stimmt, dass die Kirchengeschichte sowohl aus großen Triumphen als auch aus höchst ernüchternden Verfehlungen besteht. Die großen Verfehlungen der Kirchengeschichte damals oder der heutigen Gemeinden sollten uns niemals zum Stolpern verleiten sondern dazu, uns noch mehr an Gott zu hängen und anzuerkennen, dass wir seinen Heiligen Geist dringend brauchen, um unsere Herzen fortlaufenden zu verändern.

Schlussfolgerung


Schawuot war die Feier des Beginns der jährlichen Erntezeit. Es war der Anfangspunkt der Gemeinde und der Beginn unzähliger Erntezyklen, die Millionen von Menschen auf der ganzen Erde in das Königreich Gottes bringen würden. Doch es war auch der Anfang einer Gemeinde, die verzweifelt den Heiligen Geist brauchte und braucht, weil sonst der Sauerteig der menschlichen Natur die Überhand gewinnen und die Ernte verderben wird.

Das Pfingstfest war der Beginn einer Erntezeit, die bis heute noch andauert. Die Zeichen der Zeit deuten darauf hin, dass wir uns inmitten der wahrscheinlich letzten großen Ernteperiode befinden. Israel wird wiederhergestellt und beispiellose Massen von Menschen finden auf der ganzen Welt Eingang in das Königreich Gottes. Die Frage ist: Sind wir Arbeiter in Gottes Erntefeld oder sind wir nur unbeteiligte Beobachter der Ernte? Lassen Sie uns gemeinsam an die Arbeit gehen, denn die „Felder sind weiß zur Ernte.“

In der nächsten Ausgabe werden wir das größte aller Erntefeste betrachten, Sukkot, das Laubhüttenfest. Es hat eine herausragende Bedeutung für die Zeiten, in denen wir leben. Ich möchte Sie auch ermutigen, dieses Jahr an unserer ICEJ-Laubhüttenfestfeier in Jerusalem teilzunehmen, um mit der lebensverändernden Kraft des Heiligen Geistes erfüllt und so auf die bevorstehende Ernte gut vorbereitet zu werden.

Foto: Berg Sinai

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