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Wie ist es, als junge Deutsche Israelis zu begegnen, die den Holocaust überlebt haben? Natürlich hatten wir das Thema in der Schule, aber vor Ort zu sein ist doch etwas ganz anderes. Gemeinsam mit 30 Laubhüttenfest-Teilnehmern aus 13 verschiedenen Nationen machte ich mich auf den Weg nach Haifa, um dort zum ersten Mal in meinem Leben Holocaustüberlebenden zu begegnen. Mir war es wichtig, ihnen zu sagen: Eure Geschichte ist für die junge Generation immer noch aktuell und solange ihr lebt, werden wir an eurer Seite stehen.
In Haifa angekommen spüren wir sofort das schwülwarme Klima der schillernden Hafenstadt. ICEJ-Mitarbeiterin Yudit Setz, die die Einrichtung betreut, und Janni Tolhoek, Assistentin der ICEJ-Sozialabteilung, erklimmen mit uns die Stufen zum Heim. Ich bin etwas überrascht, als wir angekommen: Vor mir liegt kein großer Gebäudekomplex mit Parkanlage, wie ich es von Altersheimen aus Deutschland kenne. Vielmehr gleicht das Heim einer Art Wohngemeinschaft aus mehreren Häusern, die auf drei Straßen verteilt liegen und in denen bis zu 70 Bewohnern ein friedlicher Lebensabend ermöglicht wird.
„Ihr hättet euch heute in Jerusalem einen schönen Tag machen können, aber ihr seid stattdessen zu uns nach Haifa gekommen. Toda raba (vielen Dank)!“ Mit diesen Worten begrüßt uns Heim-Gründer und Direktor Schimon Sabag von der israelischen Hilfsorganisation „Helfende Hände“. Auch Yudit bekräftigt die internationale Besuchergruppe in ihrem Kommen: „Wir können die Vergangenheit nicht ändern, wohl aber die Gegenwart und Zukunft.“ Diese Worte werden von den Mitarbeitern vor Ort mit Herz und Hand in die Tat umgesetzt.
Debora Wanner, Marlen Degen und Kerstin Hoffmann sind seit September wertvoller Teil des Haifa-Teams. „Mit wenig Hilfe können wir hier viel Gutes tun. Das ist extrem beglückend”, freut sich Debora. Allerdings sei es auch nicht immer leicht, sich an die neue Kultur anzupassen, Beziehungen mit den Überlebenden aufzubauen und rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen. Die drei freuen sich über Gebet, dass sie sich weiterhin gut einleben und ihre Aufgaben freudig bewältigen können.
Ich habe schon viel über den Holocaust gesehen, gehört und gelernt. Aber wie viele andere Menschen auch habe ich noch nie einen Juden getroffen, der all das real durchlitten hat, was wir nur aus den Geschichtsbüchern kennen. Und so muss ich schwer schlucken, als drei Holocaustüberlebende den Raum betreten und mir neu bewusst wird, dass die Gräueltaten an ihnen in unserem sogenannten christlichen Abendland geschehen sind. In Kleingruppen verlassen wir die behagliche Distanz dokumentarischer Berichterstattung und sprechen mit einer Überlebenden – ganz persönlich.
„Wir sind so glücklich, dass ihr uns besuchen kommt, um uns zuzuhören“, heißt uns die 80-jährige Esti Lieber warmherzig willkommen. Da sie Jiddisch spricht, verstehe ich nicht jedes Detail, aber um die Grausamkeit ihrer Erlebnisse zu verdeutlichen, braucht es nicht viele Worte. In Polen sind bis auf ihre Schwester Rachel alle anderen zwölf Familienmitglieder brutal ums Leben gekommen. Am meisten prägt sich mir ihr Beschluss ein, den sie zu dieser Zeit als kleines Mädchen gefasst hat: „Wenn ich überlebe und groß bin, will ich anderen helfen.“ Später ist Esti mit ihrer Schwester nach Israel ausgewandert und Krankenschwester geworden, um diese Absicht in die Tat umzusetzen. Viel zu schnell heißt es schon wieder Abschied nehmen von einer kurzen doch intensiven Bekanntschaft, deren persönliches Schicksal dem Appell „Niemals vergessen!“ eine viel tiefere Bedeutung verleiht.
Die ICEJ-Deutschland konnte letztes Jahr mit Spendengeldern ein neues Gebäude erwerben, in dem einige der ältesten Bewohner besondere Pflege erhalten werden. Die Renovierungsarbeiten können voraussichtlich in wenigen Monaten beginnen. Uns bleiben nur noch knapp 15 Jahre, um den Überlebenden der Schoah unsere Hilfe praktisch zu zeigen. Vielen Dank an alle treuen Freunde, Beter und Spender, die in den vergangenen Jahren die Bewohner des Haifa-Heims mit ihren Gaben unterstützt haben!
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