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Die 15-jährige Schülerin Sarah Lehnert aus Baden-Württemberg absolvierte ein schulisches Sozialpraktikum in unserem Heim für Holocaust-Überlebende in Haifa.
Mit einem herzlichen Empfang wurde die junge Praktikantin sofort in das kleine, aber fürsorgliche und liebevolle ICEJ-Team und in den Alltag der hochbetagten Bewohner integriert. Egal ob Teambesprechung, Gebet, die morgendliche Visite, Physiotherapie, Kunst- und Maltherapie oder die von den Bewohnern besonders beliebten Besuche – Sarah war stets aktiv mit dabei.
Ein Besuch bei Mania verdeutlichte die bemerkenswert positive Entwicklung, die viele Holocaust-Überlebende im Haifa-Heim erleben. In ihrem Kunstbuch „Manias Geschichte“ (im ICEJ-Shop erhältlich) hat Mania die traumatischen Erlebnisse ihrer schweren, dunklen Kindheit gemalt und verarbeitet. Doch Manias Geschichte endet nicht in diesen dunklen Erinnerungen. Das Leben geht weiter. Vom Dunkel ins Licht.
Die gute Frucht von gelungener Traumabewältigung und liebevoller Fürsorge wird bei dem Besuch offenbar. Denn heute lernen wir Mania kennen, wie sie Erlebnisse malt, die ihr Freude machen. Mania: „Heute male ich nur noch Bilder über die schönen Dinge im Leben.“
Wir staunen über ihre unzähligen farbenfrohen Kunstwerke. Bilder über die jüdischen Feste, die Natur, Veranstaltungen, Familie, Freunde und für sie prägende Begegnungen. Wir freuen uns zu sehen, wie Mania ihren Blick auf das Leben gerichtet hat. Heilung ist in ihr Leben eingetreten.
„Mania, was wünscht Du Dir?“ Ohne zu zögern, platzt es aus Mania heraus: „Frieden! Ich wünsche mir Frieden!“ Sie erzählt von den Raketenangriffen und Alarmen der letzten Zeit. Wie beschwerlich es in ihrem Alter ist.
Aufgeregt wie ein kleines Kind winkt Mania Sarah zu, als sie sich später im Gemeinschaftssaal wiedersehen. Mania eilt – in ihrem betagten Tempo – zu ihr, kramt in ihrer Handtasche und zieht eines ihrer vielen Kunstwerke heraus. Freudestrahlend übergibt sie es der jungen Praktikantin. Überwältigt von dieser Geste umarmen sich beide.
Kaffee, Tee, Gebäck und Obst laden an den Tischen ein, sich zu begegnen, über den neuesten Tratsch auszutauschen und vom Besuch aus Deutschland zu hören. Einsamkeit ist im Haifa-Heim ein Fremdwort.
ICEJ-Geschäftsführer Stephan Lehnert erzählt von den vielen Freunden Israels in Deutschland. Er zeigt Bilder von Schulveranstaltungen, die von der ICEJ ermöglicht werden. Vom „größten Klassenzimmer Deutschlands“, der Messehalle in Villingen-Schwenningen, mit 2.500 Schülern und Lehrern, die hier aus erster Hand von der Zeit des Holocaust hören und Einblicke in das heutige Leben in Israel erhalten.
Höhepunkt ist das angekündigte Klavierkonzert. Sarah begrüßt die Bewohner mit frisch erlernten hebräischen Vokabeln. „Ani Sarah“ – Ich bin Sarah. Ich komme aus Deutschland. Ich bin 15 Jahre alt und ich liebe Israel. Diese drei Sätze, die Sarah auf Hebräisch sagt, fallen tief in die Herzen der Bewohner. Applaus, Freude und Dankesrufe hallen durch den Saal.
Ganz still wird es, als die ersten Töne den Raum füllen. Sarahs Finger gleiten virtuos über die Klaviatur. Viele erinnern sich an die Melodien, summen mit, schließen die Augen und tauchen ganz in die Musik ein.
Am Ende bleiben viele Bewohner, möchten mit Sarah sprechen, danken und freuen sich. Strahlende Augen und lächelnde Lippen spiegeln den unbezahlbaren Wert dieses Nachmittags und des Kurzzeitpraktikums wider. Mania ist begeistert: „Danke, Sarah! Du hast mir so viel Freude bereitet, ich werde ein Bild von dir am Klavier malen!“
Am Ende des Praktikums fasst Sarah ihre Gedanken und Gefühle zusammen: „Einfach krass, wie sehr sich alle über meinen Besuch gefreut haben. Meine Wangenmuskeln tun weh. Ich habe heute zu viel gelächelt! Ich komme zurück – auf jeden Fall. Ich kann doch meine neuen Freunde nicht allein lassen.“
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