MENÜ

Auf die Freude über das Laubhüttenfest folgt der Schock: Plötzlich ertönen Sirenen, wir rennen in die Luftschutzkeller. Dort erreichen uns die ersten Nachrichten zum Massaker des 7. Oktobers. Unsere Freude weicht den Tränen.
Doch wir beginnen auch sofort, die von uns betreuten Menschen zu kontaktieren. Was können wir für sie tun? Was brauchen sie? Jede Person reagiert anders. Einige stehen unter Schock, andere sind verängstigt, depressiv oder wütend. Alleinerziehende Mütter tun alles dafür, im Notfall ihre Kinder schützen zu können. Holocaustüberlebende haben Angst vor einer neuen Hungersnot, während die erschütternden Bilder von Juden, die von Terroristen entführt und ermordet werden, Erinnerungen an ihre eigene schreckliche Vergangenheit wachrufen.
Eine ältere Dame lebt allein und erholt sich noch von einer Operation. Meine wöchentlichen Besuche werden zum Höhepunkt ihrer Woche. Sie kocht uns Suppe, damit wir gemeinsam essen können. Während wir essen, weint sie. Sie hat in ihrem Leben in Russland viel durchgemacht und fürchtet diesen Krieg auf eine Weise, die ich mir kaum vorstellen kann.
Ich besuche Tatjana in ihrem Schlafzimmer. Vor Jahren versorgte das ICEJ-Team ihren Vater und auch sie selbst während einer langen Krankheit. Wir pflegten auch ihren Mann bis zu seinem Tod vor einigen Jahren. Tatjana hat durch die Grausamkeit des Zweiten Weltkriegs viele Angehörige verloren.
Jetzt fragt sie besorgt: „Kannst du mir Medizin kaufen, um mich zu beruhigen?“ Weil ich sie so gut kenne, habe ich schon welche dabei. Ich sitze neben ihr und höre ihren verängstigten Worten aufmerksam zu. Ich frage sie, was sie tagsüber macht. „Ich höre den ganzen Tag die Nachrichten aus Israel auf Russisch“, antwortet sie. „Ich habe Angst, aus dem Haus zu gehen.“
Dann zeige ich ihr meine 'Medizin' – ein kleines Psalmenbuch auf Russisch. Gemeinsam beginnen wir zu lesen. Langsam beruhigt sie sich. Nach ein paar Psalmen sieht sie auf und sagt: „Du hast Recht. Ich sollte nicht so viel auf die Nachrichten hören. Diese Worte geben mir den Frieden, den ich brauche.“
Ich besuche auch eine ältere Dame, die im Süden lebt, keine Familie und nur ein kleines soziales Umfeld hat. Ihr Gesundheitszustand ist nicht gut, das tägliche Leben war bereits vor dem Krieg eine Herausforderung für sie. Als ich ankomme, ist sie sehr aufgebracht. Nachdem ich ihr helfe, einige ihrer kleineren Ängste und Beschwerden abzulegen, beruhigt sie sich. Nach einer Weile können wir über ihre echten Sorgen sprechen. Ich frage, ob sie genügend Medikamente, Lebensmittel und Wasser im Haus hat. Ist jemand in der Nähe, den sie kontaktieren könnte? Betet sie noch und weiß sie, dass der Gott Israels mit ihr ist? Ihre Augen leuchten auf bei dieser Frage. „Ja, ich bete Tag und Nacht.“
Wir trinken Tee und sprechen über viele Themen. Gegen Mittag stehe ich auf, um zu gehen, da sagt sie: „Heute Morgen wurde mir ein Stein vom Herzen gerollt.“
In Jerusalem besuche ich regelmäßig ein jüdisches Ehepaar, das den Zweiten Weltkrieg in einem Ghetto überlebt hat. Letztes Jahr entkamen sie der schrecklichen Schlacht um
Mariupol in der Ukraine. Sie flohen aus ihrer Wohnung, als Raketen in ihr Wohnhaus einschlugen. Die betagten Senioren – beide habenden 80. Geburtstag längst hinter sich – mussten eine Leiter aus dem zweiten Stock hinunterklettern. Nach einer langen und gefährlichen dreiwöchigen Reise gelangten sie mit ihren beiden Töchtern über Ungarn nach Israel. Sie ließen einen Schwiegersohn und einen Enkel zurück. Sie leiden unter ihrer Trauer und dem Verlust all ihrer Besitztümer. Als ich sie besuche, hält sie drei Finger hoch und sagt: „Das ist der dritte Krieg, den wir erleben und dieses Mal können wir nirgendwo hin.“ Dennoch finden sie Kraft und Hoffnung im Gott Israels.
Gott sorgt für seine Kinder, auf Wegen, die wir nicht voraussehen können. Während des Laubhüttenfests beschenkten Gläubige aus den verschiedensten Nationen den Häuslichen Pflegedienst. Pakete und Koffer voller Geschenke für bedürftige Israelis wurden abgegeben. Eine Gruppe finnischer Christen brachte Taschen voll mit neuer Bettwäsche, Handtüchern und vielen handgestrickten Socken. Ich wusste nicht, wie wertvoll diese Geschenke sein würden, bis ich sie zu einem Kibbuz in der Nähe von Jerusalem brachte, in dem 150 traumatisierte israelische Evakuierte aus dem Grenzgebiet zum Gazastreifen untergebracht sind. Die Geschenke wurden voller Dankbarkeit angenommen und waren eine große Erleichterung für die Bewohner des Kibbuz und die Geflüchteten.
Die Menschen in Israel halten auf herzerwärmende Weise zusammen, um sich in diesem Krieg gegenseitig zu unterstützen. Auch die Häusliche Pflege hilft mit. Wir setzen uns zu den Menschen, hören uns ihre Sorgen an und ermutigen sie, dem Herrn zu vertrauen. Wir kaufen Lebensmittel ein, helfen bei Bedarf beim Duschen und bei der Hygiene und verteilen Suppe und Tee. Manchmal haben wir das Gefühl, dass unsere Arme nicht ausreichen und nicht stark genug sind, um allen zu helfen. Aber wir helfen, wo wir können und wir spüren jeden Tag: Die Liebe Gottes ist eine nie versiegende Quelle.
Teile diesen Beitrag:
Wie geht es dem Kibbuz Be’eri rund zweieinhalb Jahre nach dem verheerenden Terrorüberfall durch Palästinenser aus dem Gazastreifen? Ein Besuch vor Ort.
Wie geht es dem Kibbuz Be’eri rund zweieinhalb Jahre nach dem verheerenden Terrorüberfall durch Palästin...
Trotz Kriegsgefahr wandern unvermindert Juden nach Israel ein – eine Folge des weltweit wachsenden Antisemitismus. Die ICEJ unterstützt die jüdischen Migranten.
Trotz Kriegsgefahr wandern unvermindert Juden nach Israel ein – eine Folge des weltweit wachsenden Antis...
Es war ein schwerer Frühling für die Bewohner unseres Heims für Holocaustüberlebende in Haifa. Ständig waren sie Raketenangriffen aus dem Iran und dem Libanon ausgesetzt – bis heute.
Es war ein schwerer Frühling für die Bewohner unseres Heims für Holocaustüberlebende in Haifa. Ständig w...
Unser ICEJ-Team in Israel reiste auch während des Iran-Kriegs durch das Land, um auf dringende Hilfsanfragen zu reagieren.
Unser ICEJ-Team in Israel reiste auch während des Iran-Kriegs durch das Land, um auf dringende Hilfsanfr...
Wir haben Notfallausrüstung für ehrenamtliche Ersthelfer angeschafft, darunter Schutzhelme und -westen sowie Funkgeräte.
Wir haben Notfallausrüstung für ehrenamtliche Ersthelfer angeschafft, darunter Schutzhelme und -westen s...