MENÜ

Heilung – auch für die Enkel

Neues aus unserem Haifa-Heim für Holocaustüberlebende
eine ältere Fotografie einer Mutter mit ihrem Kleinkind auf dem Arm

Das Trauma des Holocaust ist tief in die Seelen der Überlebenden eingegraben. Im Haifa-Heim erleben wir diese Realität jeden Tag. Aber wir erleben auch, wie Heilung geschieht.

Unsichtbare Wunden

Studien und Erfahrungsgeschichten zeigen, dass nicht nur Holocaustüberlebende, sondern oft auch ihre Kinder und Enkelkinder unsichtbare Wunden tragen. Sie weisen überdurchschnittlich häufig Angstzustände, Depressionen und sogar posttraumatische Belastungsstörungen auf, weil sie in Familien aufwuchsen, die von Verlust, Angst und dem Kampf ums Überleben gezeichnet waren.

Doch im Haifa-Heim zeigt sich, dass auch das Gegenteil möglich ist: Wenn Überlebende Würde, Freude und eine liebevolle Gemeinschaft erleben, geschieht Heilung, die ebenfalls bis in die nachfolgenden Generationen hineinwirkt.

Der Schmerz der Mutter

Noa Eldar Zakai versteht das zutiefst. Einmal wöchentlich leitet sie für unsere Bewohner musikbasierte Bewegungseinheiten – rhythmische Übungen, die Körper und Geist aktivieren. „Am Ende der Übungen gehen die Senioren lächelnd aus dem Raum“, erzählte uns Noa, die erfüllt ist von einer großen Liebe zu den Holocaustüberlebenden – geprägt durch ihre eigene Familiengeschichte.

Noas Vater entkam den Nazis, ihre Mutter überlebte in Auschwitz – als einzige ihrer Familie. Obwohl Noas Eltern sich in Israel ein neues Leben aufbauten, ließ das Trauma sie nie los. Ihre Mutter kämpfte jahrelang mit schweren Depressionen und nahm sich schließlich das Leben, als Noa gerade zehn Jahre alt war.

„Es hinterließ eine Leere in meinem Leben“, erzählte Noa von diesem Schmerz. „Ich war wütend, neidisch auf Familien, die ein normales Leben führten – und unendlich traurig über das, was meine Mutter erleiden musste.“

Mitten im Leben

Im vergangenen Sommer begann Noa, im Haifa-Heim zu arbeiten. „Ich wusste nicht, dass es diesen Ort gibt. Er hat mir eine ganz neue Welt eröffnet“, sagt sie. Das besondere Wohn-Konzept begeistert sie: Das Heim erstreckt sich praktisch über zwei Straßen hinweg. Die Wohnungen und Häuser befinden sich inmitten normaler Wohnhäuser. Die Senioren leben eigenständig in individuellen Wohnungen, je nach Bedarf mit persönlichen Pflegehelfern, die rund um die Uhr für sie da sind. Sie sind fest integriert in das Wohnviertel, können vor ihrer Wohnungstüre Gespräche mit jüngeren Nachbarn führen, Kinder in der benachbarten Schule spielen und lachen hören, Straßenkatzen füttern ... Täglich trifft man sich im Haupthaus zum gemeinsamen Essen, um zu feiern und Gemeinschaft zu erleben.

Dies steht in starkem Kontrast zu vielen der schicken, teuren Seniorenheime, in denen die älteren Bewohner zwar alles haben, aber völlig von der Gesellschaft isoliert sind, zur Untätigkeit verdammt und vereinsamt.

Beeindruckt ist Noa außerdem vom Team des Heims. Hier arbeiten Israelis, Araber und Christen verschiedener Nationen Seite an Seite. Die Stimmung ist fröhlich, von Respekt und Vertrauen geprägt.

Staunen über Christen

„Zu erfahren, dass Christen auf der ganzen Welt Israel lieben und uns unterstützen, erfüllt mich mit Hoffnung“, sagt Noa. „Als israelische Jüdin glaubte ich immer, dass alle uns hassen. Deshalb freut es mich sehr, dass es Christen gibt, die Israel lieben und verstehen.“

Die letzten Monate und die Arbeit im Haifa-Heim haben ihr Klarheit für ihre eigene Zukunft gegeben. „Nach dem jüngsten Krieg weiß ich ganz sicher, dass mein Platz in Israel ist“, betont sie. „Die Holocaustüberlebenden bestärken mich in diesem Glauben.“

Leben, Liebe und ein Blumentopf

Es ist zwar noch Winter in Israel, aber der Frühling ist nicht mehr fern. Das war jüngst auch das Motto in unserem Kunsttherapiekurs. Frühlingslieder erfüllen den Raum und schaffen eine fröhliche und friedvolle Atmosphäre. Heute erhält jeder Teilnehmer einen Blumentopf, den er mit Farben gestalten kann, die Leben, Licht und Liebe symbolisieren.

„Die Atmosphäre ist so angenehm und respektvoll. Ich komme sehr gerne hierher, obwohl ich nicht gut sehen kann“, gesteht Seniorin Chaya unserer Kunsttherapeutin Nancy.

Am Ende der Stunde erhalten die Heimbewohner noch eine kleine Geschenktüte mit Trockenfrüchten und eine farbenfrohe Pflanze für ihren frisch dekorierten Blumentopf, um damit ein Stück Frühling in ihre Wohnungen zu bringen.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Bericht entstand noch vor Beginn der massiven Angriffe während des Iran-Kriegs.

Bitte unterstützen Sie unser Heim für Holocaustüberlebende!

Auszug aus dem Wort aus Jerusalem: "Zion: Segen oder Ärgernis?"

(Foto: Noa mit ihrer Mutter)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

kleine Kinder spielen zusammen auf dem Boden

Angst in den eigenen vier Wänden

In den abgelegenen Beduinengemeinden im Süden Israels haben die meisten Familien keinen Zugang zu geeigneten Schutzräumen. Sie sind den iranischen Raketen deshalb besonders ausgeliefert.

In den abgelegenen Beduinengemeinden im Süden Israels haben die meisten Familien keinen Zugang zu geeign...

drei jüngere menschen stehen vor weiteren personen, die auf Stühlen im Freien sitzen. Im Hintergrund sind Palnen zu sehen

Unterricht im Gewächshaus

Gottfried Bühler und Stephan Lehnert besuchten mit Teilnehmern der Pastorenkonferenz “Envision” die Agrarschule in Sde Nitzan, die ökologische Landwirtschaft auf hochtechnologischem Niveau entwickelt.

 

Gottfried Bühler und Stephan Lehnert besuchten mit Teilnehmern der Pastorenkonferenz "Envision" die Agra...

Mehrere Soicherheitskräfte und Einsatzpersonen in einer engen Straße begutachten ein großes beschädigtes Metallteilam Boden.

Massiver Raketenbeschuss

Unsere Holocaustüberlebenden mussten seit Beginn des Iran-Kriegs und der neuen Angriffe aus dem Libanon erneut unzählige Raketenalarme ertragen. Viele schaffen es nicht rechtzeitig in die Schutzbunker und durchleiden sehr beängstigende und traumatisierende Stunden.

Unsere Holocaustüberlebenden mussten seit Beginn des Iran-Kriegs und der neuen Angriffe aus dem Libanon ...

eine alte und eine jüngere Frau sitzen auf einem Sofa. Gegenüber ein Mann. Sie schauenzur alten Dame rüber

Die ICEJ verteilt Pessach Pakete an jüdische Familien, trotz des Krieges

Trotz der häufigen Unterbrechungen, in denen man Schutz vor eintreffenden iranischen Raketen sucht, hat das ICEJ-Hilfs-Team in den vergangenen Wochen mit Freude Pessach-Geschenke und Lebensmittelgutscheine an Hunderte bedürftiger jüdischer Familien in ganz Israel verteilt.

Trotz der häufigen Unterbrechungen, in denen man Schutz vor eintreffenden iranischen Raketen sucht, hat ...

Vier Frauen mit orangenfarbener Warnweste schöpfen von einem Buffet Essen in Aluminiumschälchen. Sie lächeln in die Kamera

Helfen Sie - In einer Zeit wie dieser!

Seit über 40 Jahren überzieht das iranische Mullah-Regime die Welt mit Terror, kündigt die Auslöschung des jüdischen Volks an, unterdrückt und massakriert das eigene Volk.

Seit über 40 Jahren überzieht das iranische Mullah-Regime die Welt mit Terror, kündigt die Auslöschung d...

Zwei Frauen unterhalten sich und halten dabei jeweils einen schwarze, vollen Plastiksack in der Hand

Verlorene Kinder

„Hey, kann ich einen Pullover haben?“, fragt ein Mädchen Anfang 20 schüchtern. „Natürlich“, antwortet die ICEJ-Freiwillige. „Ich schaue mal, was ich in deiner Größe finde.“ Doch dieses Mal gelingt es leider nicht, den bescheidenen Wunsch zu erfüllen.

„Hey, kann ich einen Pullover haben?“, fragt ein Mädchen Anfang 20 schüchtern. „Natürlich“, antwortet di...