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Herzlich willkommen, Zelda!

Neues aus dem Haifa-Heim für Holocaustüberlebende
Yudit Setz
Herzlich willkommen, Zelda! Eine ältere glücklich aussehende Dame an einem Esstisch

Lange Zeit warteten Schalom Stamberg und seine Frau Zelda sehnsüchtig darauf, in das neue Gebäude unseres einzigartigen Heims für Holocaustüberlebende in Haifa einzuziehen. Leider verzögerte sich ihr Einzug, da eine Genehmigung für den Aufzug im neuen Gebäude auf sich warten ließ. Traurigerweise verstarb Schalom im August letzten Jahres. Einen Monat später war es seiner Frau Zelda endlich möglich, im Haifa-Heim einzuziehen.

Leben auf der Flucht

Zelda und Schalom hatten unser Heim fast täglich besucht und wir betrachteten sie als Teil unserer Haifa-Heim-Familie. Schalom überlebte das Warschauer Ghetto und mehrere Konzentrationslager. Zelda wurde 1931 als zweites von fünf Kindern in Polen geboren. Als die Deutschen im Zweiten Weltkrieg in ihrer Heimatstadt Sarny (heute Ukraine) ein Ghetto errichteten, half ein Nachbar der Familie, mit dem Zug nach Russland zu fliehen. Dort wurde ihr Vater in die Rote Armee eingezogen. Er fiel im Krieg, während ihre Mutter mit fünf kleinen Kindern nach Sibirien weiterfloh. Sie überlebten unter sehr schweren Bedingungen. Nach dem Krieg kamen sie über Kiew zurück nach Sarny. Die halbe Stadt war zerstört, nur ein paar Bewohner des Ghettos hatten überlebt. Zeldas Familie fand ein stark beschädigtes Haus, in dem sie einige Monate unter dem Schutz eines freundlichen Polizisten leben konnten.

Zufluchtsort Israel

Doch das Leben dort wurde für Juden zu gefährlich, sodass sie wieder fliehen mussten – diesmal nach Lodz (Polen). Dort erfuhren sie von der Möglichkeit, ins britische Mandatsgebiet Palästina auszuwandern.  1947 machten sich Zelda und ihr Bruder Zalman mit einer Gruppe jüdischer Waisen aus Polen auf nach Israel. Ihr Schiff namens Moledet wurde jedoch von den Briten aufgebracht und nach Zypern geschickt, wo sie in ein Internierungslager kamen. Im Dezember 1947 wurden sie ins britische Internierungslager Atlit bei Haifa verlegt. Erst einige Monate später, nach Israels Unabhängigkeit, kamen sie endlich frei und zogen in einen Kibbuz.

Ein neues Zuhause

In Atlit lernte Zelda ihren ersten Ehemann kennen – einen Überlebenden aus Ungarn. Sie heirateten und bekamen zwei Kinder. Leider starb ihr Ehemann unerwartet im Alter von 51 Jahren. Einige Jahre später traf sie Schalom, der ebenfalls Witwer war, und gemeinsam erlebten sie noch 37 gute Jahre! Zelda liebt das Leben im Haifa-Heim: „Ich möchte nicht allein sein und das Kochen fällt mir schwer”, erklärt sie. „Hier habe ich Freunde, es gibt Gemeinschaftsangebote und ich bin sehr dankbar, dass ich hier leben darf.“ Auch wir freuen uns sehr darüber, Zelda bei uns zu haben!

Nothilfe

Jehuda, ein marokkanischer Überlebender, wurde ebenfalls vor Kurzem im Haifa-Heim aufgenommen. Jehuda hatte es im Leben nicht leicht. Aufgrund einer Krankheit im Jugendalter wurde er taub. Viele Jahre lang hat er hauptsächlich auf der Straße gelebt. Seine wenigen Habseligkeiten verstaute er in Plastiktüten, die er in einem Einkaufswagen transportierte. Wir prüfen derzeit, ob das Haifa-Heim der geeignete Ort für Jehuda ist. Unser Sozialarbeiter Fadi bemüht sich, mehr über Jehuda zu erfahren, bevor wir entscheiden, was für ihn am besten ist. Unser ICEJ-Helferteam half Jehuda beim Einrichten seines Zimmers. Mehrmals brach Jehuda in Tränen aus, ganz überwältigt von der ihm entgegengebrachten Liebe und Fürsorge.

Yaakov feiert Geburtstag

Geburtstagsfeiern

Es ist wunderbar, gemeinsam Geburtstag zu feiern. Wir besuchen die Bewohner, bringen ihnen Kuchen und erfreuen sie mit Musik. Yaacov, langjähriger Haifa-Heim-Bewohner, feierte vor Kurzem seinen 98. Geburtstag, Lydia wurde 84 Jahre alt. Aber auch sonst besucht unser christliches ICEJ-Hilfsteam die Haifa-Heim-Bewohner jeden Tag. Wir vereinbaren Arztbesuche für sie und gehen mit ihnen spazieren. Unsere Physiotherapeutin Birgit bringt die Überlebenden so oft es geht in Bewegung: Manche Bewohner nehmen an Gymnastikübungen teil, andere haben Nordic Walking für sich entdeckt. Will Setz besucht sie oft mit seiner Gitarre und erfreut sie mit Musik.

Unsere Physiotherapeutin Birgit gibt eine Gymnastik-Stunde

Liebevolle Versorgung

Einem im Januar veröffentlichten Bericht zufolge leben noch rund 165.800 Holocaustüberlebende in Israel. Mehr als 90 Prozent von ihnen sind 80 Jahre alt oder älter, etwa 950 Überlebende sind bereits über 100 Jahre alt geworden. Ca. 33 Prozent leben in Armut und rund 30 Prozent allein. Im Haifa-Heim der ICEJ können die Bewohner ihren Lebensabend in Würde und Gemeinschaft verbringen. Die Mitarbeiter, darunter unsere hingegebenen christlichen Helferinnen aus Deutschland, kümmern sich liebevoll um alles, was sie brauchen.

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