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Eine solche Reisegruppe hat Busfahrer Tobi noch nie erlebt. „Ich bin hier der Tourist“, bekennt er, lacht und lässt sich von seinen ausländischen Gästen lotsen. Denn die Ziele, die er für die deutsch-schweizerische Reisegruppe der ICEJ anfährt, liegen abseits aller Touristenrouten. Rund 20 Israelfreunde sind gekommen, um dem Land in dieser schweren Zeit zur Seite zu stehen.
Wir fahren zur Kartoffelernte, bringen Geschenke in ein Integrationszentrum und Spielsachen in ein Kinderheim, pflanzen Eichen auf einer Therapie-Farm, besuchen eine Künstlerwerkstatt für Senioren in Jerusalem und das ICEJ-Heim für Holocaustüberlebende in Haifa.
Oft parkt Tobi seinen Bus und begleitet uns, sieht sich die Projekte an, die von der ICEJ finanziert werden und ist bald nicht mehr unser Fahrer, sondern Teil unserer Gruppe. Wenn wir im Bus hebräische Lobpreislieder singen, nickt er zustimmend. Als Soldaten an einem Checkpoint unsere Ausweise sehen wollen, tritt er so überzeugend für uns ein, dass die Wachposten von jeder Kontrolle absehen.
Tobi begleitet uns auch im überfallenen Kibbuz Nir Oz – und nimmt unterwegs weinende Teilnehmerinnen tröstend in den Arm. In Nir Oz stießen die Hamas-Terroristen am 7. Oktober die Tore zur Hölle auf (s. Artikel "Blick in die Hölle")
Hamas-Führer haben angekündigt, das Massaker zu wiederholen, sobald sie Gelegenheit dazu haben. Ihr Hass auf Israel ist grenzenlos. Ganz anders erleben wir die Israelis. Kein Israeli, dem wir begegnen, spricht von Rache oder Vergeltung für den 7. Oktober. Wir erleben nur große Trauer, Schmerz – und Lebensmut. Der Krieg in Gaza? „Wir wollen ihn nicht, aber er ist notwendig“, erklären uns alle Gesprächspartner übereinstimmend: „Wir wollen nur eines: in Frieden leben.“
Noch einen anderen Satz hören wir bei jeder Begegnung: „Danke, dass Ihr gekommen seid!“ In den Nachrichten aus aller Welt sehen die Israelis täglich Bilder von Anti-Israel-Demonstrationen und Hass-Aufmärschen. „Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, was Euer Besuch für uns bedeutet“, versichern uns die Menschen überall im Land. Sie nehmen uns in die Arme, machen Selfies mit uns. Dass wir uns gerade in diesen schwierigen Zeiten offen an Israels Seite stellen, rechnen uns die Menschen hier hoch an: „Ihr seid nicht nur Schönwetter-Freunde!“, lässt man uns wissen.
Auch Israels Wirtschaft leidet immens, erfahren wir. Der von Hamas aufgezwungene Krieg, die Finanzierung der Reservisten, ausbleibende Investoren, der zusammengebrochene Tourismusmarkt und die Unterbringung der rund 250.000 Israelis, die aus besonders raketen- und terrorgefährdeten Ortschaften evakuiert werden mussten, haben die Staatsausgaben explodieren lassen. Seit rund sechs Monaten ist die Zivilbevölkerung nun aus dem Süden und aus dem Norden Israels evakuiert. n unserem Hotel in Haifa wohnt Nathan mit seinen Kindern seit Oktober. Sie gehören zu den evakuierten Familien. Ihr jüngstes Kind hat kürzlich Krabbeln gelernt - “ im Hotelflur. Die Evakuierten wissen nicht, wann und ob sie wieder nach Hause zurückkehren können. Auch Tobi, unser Busfahrer, steht vor einer ungewissen Zukunft. Wir sind erst seine zweite Reisegruppe in fünf Monaten. Sein Bus ist kreditfinanziert. „Es ist zurzeit sehr schwierig, mit der Bank zu verhandeln“, bekennt Tobi und seufzt. Viele Israelis sind in den letzten Monaten in Existenznot geraten.
Während unserer neuntägigen Reise beschießt die Hamas Israel weiterhin immer wieder aus dem Gazastreifen. Und vom Libanon aus greift die Hisbollah Israels Norden mit über hundert Raketen an. Doch von diesem täglichen Beschuss liest man in deutschen Medien so gut wie nichts.
Wir empfinden es als Privileg, hier sein zu dürfen. Jeder Reiseteilnehmer durfte ganz individuell erleben, wie Gott den Weg freigemacht hat für die Teilnahme an dieser Solidaritätsreise. Wir hören sehr persönliche und berührende Geschichten. „Ihr seid jetzt Augenzeugen und Botschafter“, gibt Stephan Lehnert, unser Reiseleiter und Geschäftsführer des deutschen Zweigs der ICEJ, der Reisegruppe zum Abschied mit auf den Weg. „Erzählt von dem, was ihr gehört und gesehen habt.“
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