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Immer wieder Raketenalarm. Dann unterbrechen die ICEJ-Mitarbeiter ihre Arbeit für kurze Zeit. Wer im Land unterwegs ist, muss auf einen Schutzbunker in der Nähe hoffen. Einblicke in den Alltag unseres Nothilfe-Teams.
Vom Libanon aus jagen Kampfdrohnen und Raketen über die Grenze. Der Norden Israels wird immer wieder heftig von der Hisbollah attackiert und im Süden gelingt es der Hamas auch Wochen nach dem 7. Oktober noch immer, Israel zu beschießen. Die meisten Ausländer haben Israel verlassen.
Die 40 Mitglieder unseres Nothilfe-Teams gehören zu den wenigen Ausländern, die freiwillig geblieben sind. Sie haben auf Rückflugtickets in ihre Heimatländer verzichtet und sind seit dem Terrorangriff überall im Land im Einsatz – oft an vorderster Front. Sie organisieren und verteilen Hilfsgüter, kümmern sich um Terroropfer und Angehörige, um Alte und Kranke.
Dazu gehört der Einsatz in einem großen Lebensmittelverteilungszentrum in Rishon LeZion. Hier packen die Helfer der ICEJ Tag für Tag tausende Kartons und Kisten mit Lebensmitteln, Kleidung und Hygieneartikeln. Sie arbeiten Hand in Hand mit israelischen Freiwilligen, die kaum glauben können, dass Christen an ihrer Seite stehen, die Israel in dieser gefährlichen Zeit nicht verlassen, sondern unterstützen. Die Dankbarkeit ist groß, die ICEJ-Mitarbeiter erleben rührende Reaktionen und wertvolle Gespräche. „Während wir Pakete packen, sprechen wir uns gegenseitig Mut zu“, erzählen die Teammitglieder.
Jeder im Land weiß, dass es den Feinden nicht um Landgewinn geht. Sie wollen mehr. Sie wollen ganz Israel von der Landkarte tilgen und das jüdische Volk vernichten. Die Menschen in Israel kämpfen deshalb nicht nur für die einzige Demokratie und westliche Werte im Nahen Osten. Sie kämpfen um ihr Leben.
Es ist keine Berufsarmee, die gegen die selbstmord-bereiten Terroristen kämpft. Zur aktiven Truppe der israelischen Armee (IDF) gehören rund 170.000 Soldaten, überwiegend Wehrdienstleistende, die unterstützt werden von rund doppelt so vielen Reservisten. Es ist eine Armee von Familienvätern, die sonst am Schreibtisch ihr Geld verdienen, als Ingenieure oder Touristenführer. Es sind Töchter oder Söhne, die ihr Studium oder ihre Ausbildung unterbrechen, um ihr Land zu verteidigen. Männer gehören bis zum Alter von 55 Jahren zur Reserve, Frauen bis 50 Jahre. Jede Familie ist betroffen.
Die Lebensmittelkartons werden in zwei Kühlfahr-zeugen transportiert, die von der ICEJ für diesen Zweck gemietet wurden, um Bedürftige im ganzen Land versorgen zu können. Doch unser Team erkannte bald, dass die Menschen nicht nur Lebensmittel brauchen, sondern auch Zuspruch und Solidarität. Deshalb hat unser Team die wenigen verbliebenden, Bewohner in den Ortschaften nahe der Gazagrenze mehrmals zu Grillabenden eingeladen.
Es sind Geisterstädte, in denen diese Menschen trotzig ausharren. Denn um einen möglichen Mehrfrontenkrieg besser bewältigen zu können, beschloss die israelische Regierung einen ungewöhnlichen Schritt: Alle Gemeinden entlang der Grenzen zum Gazastreifen und zum Libanon wurden evakuiert. Nur wenige Bewohner blieben oder kehrten Tage später zurück, um Dinge zu erledigen, die notwendig sind. Dazu gehören Arbeiten in den landwirtschaftlichen Betrieben – in den überfallenen Kibbuzim standen die Kühe nach dem Terrorangriff tagelang ungemolken in den Ställen, erfährt unser Team. Auf vielen Feldern verdirbt die Ernte, weil niemand da ist, der sie einbringt. Auch hier war unser Team im Einsatz.
Auch Sderot wurde evakuiert. Der Gaza-Grenzzaun ist in Sichtweite. Bei Ostwind schickten die Terroristen bunte Luftballons mit Brandsätzen über die Grenze, um Felder niederzubrennen. Manchmal baumelten auch Sprengfallen an den Ballons, hübsch verpackt in Geschenkpapier, um jüdische Kinder anzulocken. Oft schon ging über der Stadt ein Raketenhagel nieder, dann war der Iron-Dome im Dauereinsatz und die Menschen mussten stundenlang in Bunkern ausharren, manchmal sogar Tage und Nächte. Immer wieder gab es Einschläge. Doch noch nie in der 75-jäh-rigen Geschichte des jüdischen Staats – nicht ein einziges Mal – wurde Sderot evakuiert. Bis jetzt. Es macht auch unserem Team immer wieder bewusst, wie groß die Kriegsgefahr tatsächlich ist.
Die Bewohner der evakuierten Gemeinden konnten nur das Nötigste mitnehmen. Wenige Koffer mit Kleidern. Die wichtigsten Dokumente. Familienfotos. Keiner weiß, wann er zurückkehren kann. Und wie es dann aussehen wird in Sderot und den anderen Orten. Rund zwei Monate nach Beginn des Angriffskriegs der Hamas sind noch immer weit über 200.000 israelische Zivilisten innerhalb Israels auf der Flucht vor dem Terror. Sie wurden mit Bussen ins Landesinnere gebracht und nach Eilat im Süden Israels. Sie sind in Hotels untergekommen, in provisorischen Camps, fremden Wohnungen oder bei Familienangehörigen.
Die ICEJ-Mitarbeiter versorgen Evakuierte mit Lebensmitteln, Hilfsgütern, Einkaufsgutscheinen - und Spielzeug.
Wie es den Kindern geht, die das Massaker überlebt haben? „Sie sind verwirrt“, versuchen die ICEJ-Helfer die erste Gefühlslage der schwer traumatisierten Kinder zu beschreiben. Sie haben schreckliche Stunden erlebt und mussten grauenvolle Bilder ertragen. Es wird noch viel professionelle Hilfe notwendig sein. Aber die Spielsachen bringen erste fröhliche Momente zurück in das Leben der jüngsten Terroropfer. Zu den Terroropfern, die unser Team versorgt, gehören 135 Familien aus dem Kibbuz Kfar Aza, der besonders hart getroffen wurde. Weiteren 305 Familien aus Kfar Aza, die in verschiedenen anderen ruhigen Orten in ganz Israel untergebracht wurden, wollen wir mit Hilfe unserer Spender ebenfalls noch unterstützen. Hier gibt es keine Familie, die nicht ein oder mehrere Todesopfer zu beklagen hat. „Es sind zerrissene Familien“, erleben unsere Helfer. „Manche wissen auch immer noch nichts vom Schicksal Verwandter oder Nachbarn.“ Wer vermisst wird, könnte verbrannt oder in den Gazastreifen verschleppt worden sein. Die Ungewissheit ist für die Zurückgebliebenen kaum zu ertragen.
Ungewiss ist auch, wie es für die evakuierten Zivilisten weitergeht. Nicht jeder will zurück in die Gaza-Region. Zu traumatisch waren die Erlebnisse. Doch wie auch immer ihr Weg aussehen mag – wir werden sie dabei unterstützen.
Was von der ICEJ unter anderem sonst bereits getan wurde: Wir haben drei Rettungswagen und drei ATV-Feuerwehrfahrzeuge finanziert, acht neue Schutzbunker in Shlomi aufgestellt, 120 ältere Bunker saniert. Außerdem wurden 140 Rettungskräfte mit Schutzwesten und Notfallausrüstung ausgestattet und wir fördern verschiedene Trauma-Therapien und Weiterbildungen.
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