MENÜ

Am 7. Oktober richtete die Hamas ein Blutbad an in Kfar Aza. Shai Hermesh erzählt, wie seine Familie den 7. Oktober im Kibbuz erlebte. Der ehemalige Knesset-Abgeordnete ist ein langjähriger Freund der ICEJ.
Ein schwerer Raketenangriff aus dem Gazastreifen vor zehn Jahren hätte beinahe sein Leben beendet. Damals überlebte Shai Hermesh, weil er Schutz fand in einem Bunker der ICEJ. Raketenalarm gehörte immer zum Alltag in Kfar Aza. Trotzdem liebte die Familie ihr Zuhause im Kibbuz. Es war ein freundlicher Ort an Tagen, an denen es keinen Beschuss aus dem drei Kilometer entfernten Gazastreifen gab. „95 Prozent Paradies und 5 Prozent Hölle“, nannten es die Einheimischen.
Auch am Morgen des 7. Oktobers heulten die Sirenen, dann folgten die Explosionen. „Aber wir waren ja daran gewöhnt“, berichtet Shai später ICEJ-Sprecher David Parsons. Man zog sich in die Schutzräume zurück und wartete ab.
Der Raketenangriff war allerdings stärker als sonst. Was niemand ahnte: Im Schutz des Raketenhagels gelangten Hamas-Terroristen über die Grenze. Als der Beschuss nachließ, liefen die Terroristen bereits von Haus zu Haus. „Sie schlachteten Familie für Familie ab“, erzählt Shai. Säuglinge, Kinder, Frauen, Männer, alte Menschen - erschossen, verbrannt, geschändet. Oft auch verstümmelt, teils bis zur Unkenntlichkeit.
Shai und seine Frau hörten Schüsse und flüchteten in ihren hauseigenen Schutzraum. Die Terroristen versuchten, ihre Haustüre aufzubrechen. „Wir konnten es hören und wir wussten, es wäre unser Tod“, erinnert sich Shai. Denn die Türe eines Schutzraums ist so konstruiert, dass sie sich von außen öffnen lässt, damit nach einem Raketeneinschlag Verletzte geborgen werden können. Manche Bewohner des Kibbuz hielten stundenlang die Türklinke fest, erfährt Shai später. Viele Bewohner konnten die Klinke nicht lange genug halten. Andere wurden durch die Türe hindurch erschossen.
Auch Shais Sohn und Tochter lebten in Kfar Aza. Sein Sohn Omer, 48 Jahre, wohnte in einem Apartment nahe dem Tor, durch das die Terroristen in den Kibbuz gelangten. Als Omer die Terroristen bemerkte, rief er seinen Vater an, um ihn zu warnen. Shai hatte Angst um seinen Sohn, doch der beruhigte ihn. „Papa mach dir keine Sorgen!“, zitiert Shai dessen letzten Worte. Doch spätere Anrufe blieben unbeantwortet. Omer war einer der vielen Menschen, die nach dem 7. Oktober noch lange Zeit als vermisst galten, bis schließlich sein Leichnam identifiziert werden konnte.
Shais Tochter, ihr Mann und ihre beiden Kinder – ein Kleinkind und ein fünf Tage altes Neugeborenes – versteckten sich mit ihrem Familienhund im Schutzraum ihres Hauses. Doch auch diese Türe ließ sich nicht verriegeln. Sie hörten, wie die Terroristen immer wieder mit Eise-stangen gegen das Fenster trommelten. 20 endlose Stunden harrte die Familie in ihrem unsicheren Versteck aus, ohne Nahrungsmittel. Doch weder die dreijährige Tochter noch der Säugling oder der Hund gaben einen Ton von sich. Die Familie wurden von den Terroristen nicht bemerkt – und überlebte. „Ein Wunder“, sagt Shai. Auch Shai und seine Frau harrten 20 Stunden aus. Dann gelang es ihnen, im Schutz der Nacht zu fliehen – kurz bevor die Terroristen ihr Haus aufbrachen, um sich hier vor den Soldaten der israelischen Armee zu verschanzen. Das Haus wurde während der Kämpfe zerstört. „Alben, Dokumente, Bilder, die Geschichte meiner Familie, all die Erinnerungen sind jetzt unter den Ruinen begraben.“
Einen Monat nach dem 7. Oktober besuchte Shai wieder Kfar Aza. Soldaten halfen ihm, im Schutt seines Hauses Erinnerungsfotos auszugraben. Davor sprach er mit der Presse, denn er hat eine Botschaft: „Wir werden auch das überwinden“, lautet die Botschaft: „Wir werden Kfar Aza wiederaufbauen.“
Auch für die Freunde der ICEJ hat Shai eine Botschaft, die wir ausrichten sollen: „Ihr habt mir schon einmal das Leben gerettet. Heute will ich mich im Namen aller hier bedanken – dafür, dass ihr uns beisteht in dieser schrecklichen Zeit. Ihr ward immer an unserer Seite. Ihr ward diejenigen, die auch unter Raketenbeschuss nach Kfar Aza kamen, um uns zu helfen. Uns fehlen dafür die Worte. Wir können das nicht vergessen, niemals.“
Teile diesen Beitrag:
Wie geht es dem Kibbuz Be’eri rund zweieinhalb Jahre nach dem verheerenden Terrorüberfall durch Palästinenser aus dem Gazastreifen? Ein Besuch vor Ort.
Wie geht es dem Kibbuz Be’eri rund zweieinhalb Jahre nach dem verheerenden Terrorüberfall durch Palästin...
Trotz Kriegsgefahr wandern unvermindert Juden nach Israel ein – eine Folge des weltweit wachsenden Antisemitismus. Die ICEJ unterstützt die jüdischen Migranten.
Trotz Kriegsgefahr wandern unvermindert Juden nach Israel ein – eine Folge des weltweit wachsenden Antis...
Es war ein schwerer Frühling für die Bewohner unseres Heims für Holocaustüberlebende in Haifa. Ständig waren sie Raketenangriffen aus dem Iran und dem Libanon ausgesetzt – bis heute.
Es war ein schwerer Frühling für die Bewohner unseres Heims für Holocaustüberlebende in Haifa. Ständig w...
Unser ICEJ-Team in Israel reiste auch während des Iran-Kriegs durch das Land, um auf dringende Hilfsanfragen zu reagieren.
Unser ICEJ-Team in Israel reiste auch während des Iran-Kriegs durch das Land, um auf dringende Hilfsanfr...
Wir haben Notfallausrüstung für ehrenamtliche Ersthelfer angeschafft, darunter Schutzhelme und -westen sowie Funkgeräte.
Wir haben Notfallausrüstung für ehrenamtliche Ersthelfer angeschafft, darunter Schutzhelme und -westen s...