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130 Schüler begegnen Zeitzeugen

130 Schüler begegnen Zeitzeugen

Schulbesuch mit Ruth Michel-Rosenstock
Carina Rieger
In einer Halle mit Bühne sitzen Menschen, vorrangig junge, in Jacken und sehen zur Bühne hoch. Dort sitzt eine Frau an einem Tisch, im Hintergruns ist etwas auf die Leinwand projeziert

Im hebräischen Denken ist Erinnern („sachar“) immer mit Taten verbunden. Als ICEJ ist es uns ein dringendes Anliegen, junge Menschen in unserem Land durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu verantwortungsvollem Handeln im Hier und Jetzt zu ermutigen. So besuchten wir am 3. Februar mit der Zeitzeugin und Buchautorin Ruth Michel-Rosenstock das Gymnasium Rutesheim. Mit Blick auf die aktuellen Beschränkungen an Schulen freute es uns besonders, dass diese persönliche Begegnung stattfinden konnte.

Rund 130 Zehntklässler hörten der Holocaustüberlebenden Ruth Michel-Rosenstock gespannt zu, als diese aus ihrem Leben zu Beginn des Krieges erzählte. Am Vortag hatte der gesamte Jahrgang des Gymnasiums Rutesheim das Konzentrationslager Dachau besucht.

„Ich sehe es als meine Pflicht, über das Erlebte zu sprechen. Denn ich bin die Einzige aus meiner Familie, die davon berichten kann“, sagte Frau Michel- Rosenstock. Es herrschte betroffene Stille, als sie die Schüler an ihren persönlichen Erfahrungen und dem unbeschreiblichen Leid während des Holocaust teilhaben ließ. „All diese Menschen mussten sterben, nur weil sie irgendwann in eine jüdische Familie geboren wurden“, schloss die Zeitzeugin. „Und die Welt schaute zu.“

Im Anschluss konnten die Schüler Frau Michel-Rosenstock ihre Fragen stellen.

Können Sie die Vergangenheit heute aus der Distanz betrachten oder plagen Sie die Erinnerungen an damals noch?

Ich würde es mir selbst übelnehmen, wenn ich das Erlebte vergessen könnte. Das ist unmöglich. Die Gesichter der brutal ermordeten Menschen zu kennen, ist etwas anderes, als nur davon zu hören oder zu lesen.

Gab es Deutsche oder Ukrainer, die Ihnen Hilfe angeboten haben?

Nein, kein einziger von ihnen hat mir geholfen.

Würden Sie im Rückblick eine Entscheidung aus der damaligen Zeit anders treffen?

Nein, das war nicht möglich. Ich hätte zwar gerne studiert – Medizin, Jura oder Philosophie – aber das konnte ich nicht. Ich ging nur sechs Jahre zur Schule. Danach musste ich Geld verdienen, um meine Familie zu ernähren. Ich bewundere das Kind, das ich mit 13 Jahren war.

Wie erleben Sie Antisemitismus heute? Hat unser Land aus der Geschichte gelernt?

Ich finde es furchtbar, dass Antisemitismus heute ein großes Problem ist. Schlimm ist auch, dass er von Leuten ausgeht, die selbst in Deutschland Unterkunft und Hilfe gefunden haben. Der Staat müsste viel mehr dagegen unternehmen.

Was können junge Menschen in Deutschland heute besser machen?

Es würde mich freuen, wenn „Jude“ auf deutschen Schulhöfen kein Schimpfwort mehr wäre.

(Foto: Die Zeitzeugin Ruth Michel-Rosenstock beim Schulbesuch in Rutesheim)

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