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Es ist uns eine große Freude, heute Abend Hunderte Israelis begrüßen zu dürfen. Schalom!
Ich war begeistert, als ich erfuhr, dass das Thema des heutigen Abends „Die Hütte Davids – eine Hütte für alle Nationen“ lauten sollte! Die Bibelstelle für heute Abend ist Jesaja 56,7: „Denn mein Haus wird ein Bethaus genannt werden für alle Völker.“ Es gibt kein besseres Thema und keinen besseren Vers für diese Zusammenkunft von Israelis und Christen aus den Nationen, die Sukkot in der Heiligen Stadt Jerusalem feiern!
Vor mehr als 2500 Jahren sahen die hebräischen Propheten voraus, dass die Nationen nach Jerusalem heraufziehen würden – und hier sind wir, heute Abend in Jerusalem, aus mehr als 70 Ländern! Ist das nicht erstaunlich!
Ich war bei der ersten christlichen Feier des Laubhüttenfestes 1980 dabei und habe seitdem 21 Mal das Fest besucht. Ohne jeden Zweifel ist meine Lieblingsveranstaltung der Aufmarsch der Nationen am Eröffnungsabend. Man kann gar nicht anders, als sich an die Worte des Propheten Sacharjas zu erinnern, dass die Nationen nach Jerusalem hinaufziehen werden, um das Laubhüttenfest zu feiern. Natürlich behaupten wir nicht, dass wir die Erfüllung dieser Prophetie sind – wir befinden uns einfach in der Generalprobe!
Die hebräischen Propheten haben deutlich einen Tag der Wiederherstellung vorhergesehen, an dem sich auch Nichtjuden dem Gott Israels anschließen würden. Jesaja sprach davon, dass der Tempel ein Bethaus für alle Völker sein würde. Amos prophezeite über Nichtjuden in der wiederhergestellten Hütte Davids. Lassen Sie uns diese Schriftstelle in Amos 9,11-12 lesen:
An jenem Tag richte ich die verfallene Hütte Davids auf,
ihre Risse vermauere ich, und ihre Trümmer richte ich auf,
und ich baue sie wie in den Tagen der Vorzeit,
damit sie den Rest Edoms und
all die Nationen in Besitz nehmen, über denen mein Name ausgerufen war,
spricht der HERR, der dies tut.
Es ist kein Zufall, dass wir in den Tagen der Wiederherstellung Israels auch beobachten können, wie die Beziehung zwischen Juden und Christen wiederhergestellt wird. Es ist ganz deutlich, dass Gott uns zusammen bringt. Wir müssen einander daher kennen lernen. Aus diesem Grund möchte ich Sie nun einander vorstellen.
Zuerst spreche ich nun zu Ihnen, den Nationen, um ihnen die Israelis bekannt zu machen. Mir ist bewusst, dass Sie wahrscheinlich in der Presse viel Negatives über Israel lesen – glauben Sie es nicht! Die Errungenschaften und Beiträge Israels zur Weltgemeinschaft sind einfach phänomenal!
In nur 61 Jahren hat Israel eine blühende Demokratie entwickelt, eine ausgefeilte industrielle Infrastruktur und eine erstaunliche Ökonomie. Der israelische Schekel hat dieses Jahr fast alle Währungen der Welt überholt, und der israelische Aktienmarkt hat sich vollständig von der Wirtschaftskrise des letzten Jahres erholt, während der Rest der Nationen immer noch kämpfen muss. In den USA gibt es die NASDAC-Börse für technologische Aktien. Dort sind mehr israelische Firmen eingetragen als aus jedem anderen Land der Welt, ausschließlich der USA selbst.
Israel führt weltweit mit aktuellsten Erfindungen, in den Bereichen Wissenschaft und Gesundheit, Technologie, Medizin und Landwirtschaft – um nur ein paar zu nennen. Eine der größten Erfindungen des 20. Jahrhunderts war das israelische Bewässerungssystem, das die Wüste zum Blühen brachte. Zudem halten die israelischen Kühe im Land, in dem Milch und Honig fließen, den Weltrekord in der Milchproduktion!
Wenn Sie ein Mobiltelefon benutzen, können Sie sich bei Israel für die entsprechende Technologie bedanken. Sollte Ihre Familie Sie diese Woche angerufen und eine Nachricht auf Ihrem Anrufbeantworter hinterlassen haben, bedanken Sie sich bei Israel für die Technik! Falls Sie einen Computer benutzen, danken Sie Israel für die entsprechenden Erfindungen. Und sollten Sie kürzlich im Krankenhaus gewesen sein, haben Sie aller Wahrscheinlichkeit nach von israelischer Technologie profitiert. Es gibt so viele weitere Beispiele, die wir geben könnten.
Der Punkt ist: Israels Errungenschaften hängen nicht von seinen natürlichen Ressourcen oder großen Besitztümern ab, sondern von den Talenten und Köpfen seines Volkes. Israels Errungenschaften spiegeln die außergewöhnlichen Menschen wider, aus denen das Land besteht. Die Israelis sind Pioniere, risikofreudig, und sie haben Chuzpa! Sie sind auch neugierig und respektieren Wissen und Forschung. Sie tun zudem alles, um menschliches Leiden zu lindern.
Über 140 Länder haben bereits von humanitärer Hilfe aus Israel profitiert.
Sie haben sicherlich schon gehört, dass das hebräische Wort für einen in Israel geborenen Israeli „Sabra“ lautet. Ein Sabra ist ein Kaktus, stachelig von außen, aber gleichzeitig süß und weich von innen. Israelis mussten schon immer robust sein, um in der feindlichen Umgebung überleben zu können, in die sie hineingeboren wurden. Doch gleichzeitig sind sie ganz offensichtlich ein weiches und warmherziges Volk, dem es darum geht, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.
Von diesem winzigen Land aus, einem Staubkörnchen auf der Weltkarte, helfen israelische Kreativität und Erfindergeist Menschen in allen Nationen. Dafür, wer Sie sind und was Sie zu unserer Welt beigetragen haben, danken wir Ihnen, liebe israelische Freunde, von ganzem Herzen!
Nun, Israel, darf ich Ihnen diese Christen vorstellen, die sich heute Abend hier versammelt haben? Ich weiß, dass sie ganz viel Negatives in der Presse über sie gelesen haben – glauben Sie es nicht! Sie sind wirklich Ihre Freunde!
Diese Christen aus der ganzen Welt, die das jüdische Volk und den jüdischen Staat Israel lieben, sind keine Neuerscheinung. Ich verstehe, dass Ihnen diese Unterstützung nach 2000 Jahren christlicher Geschichte als neu erscheinen mag, weil so lange Perioden unserer Geschichte durch die Sünde des Antisemitismus befleckt sind. Doch etwas ist vor fast 500 Jahren passiert, dass den Kurs des Christentums verändert hat: Die Bibel wurde in die Volkssprache übersetzt.
Die Übersetzung der Bibel verursachte eine Revolution in der Christenheit, weil den Kirchenführern ihre Macht entzogen und diese in die Hände der einfachen Leute gelegt wurde, die nun die Bibeln selbst lesen konnten. Darum wurden einige der ersten Übersetzer als Ketzer angesehen und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Mit der Zeit entwickelten sich christliche Gruppen außerhalb der Staatskirchen. Sie gründeten ihren Glauben auf die Bibel und nicht auf die Lehren der Priester und Mönche. Deshalb wurden sie sehr heftig verfolgt. Sie bezahlten mit Gefängnis, Folter und einige sogar mit dem Märtyrertod. Dieselben religiösen Institutionen, welche die Juden zu anderen Zeiten verfolgt hatten, verfolgten nun auch diese Christen.
Die Übersetzung der Bibel brachte das Christentum darüber hinaus zurück zu seinen jüdischen Wurzeln. Christen studierten die Bibel, einschließlich der hebräischen Bücher, und lernten dadurch, die jüdischen Wurzeln ihres Glaubens zu schätzen. Sie stellten sich gegen antijüdische Vorurteile und beteten für die Rückkehr der Juden in ihr Heimatland. Sie sahen die versprochene Wiederherstellung nicht nur in den prophetischen Büchern der Bibel, sondern hielten sie auch für das Beste für das jüdische Volk. Das bedeutet, dass es 400 Jahre vor der Gründung Israels ganze Bewegungen innerhalb der Christenheit gab, die für die nationale Wiedergeburt des Landes beteten!
Um nur einige dieser Gruppen zu nennen: Im 16. Jahrhundert waren die Pietisten, im 17. Jahrhundert die Puritaner und im beginnenden 18. Jahrhundert die sog. Restaurationisten (engl. Restaurationists). Die Puritaner flohen vor der Verfolgung in Europa nach Amerika. Sie glaubten fest daran, dass genauso, wie die Israeliten der ägyptischen Gefangenschaft entronnen waren, das Rote Meer durchquert und das verheißene Land betreten hatten, sie der Verfolgung in Europa entkommen, den Atlantik überqueren und einen sicheren Hafen in Amerika finden sollten. Sie identifizierten sich so sehr mit Israel, dass sie ihren Kindern biblische Namen gaben, ihre Städte nach Städten der Bibel benannten und Hebräisch lernten. Hebräisch wurde sogar fast zur offiziellen Sprache der Vereinigten Staaten ernannt!
Während die Puritaner in Amerika eine Blütezeit erlebten, sammelten die Restaurationisten ihre Kräfte in Europa, insbesondere in England. Sie verurteilten antijüdische Vorurteile, sie glaubten, dass die Juden in ihr Heimatland zurückkehren sollten und taten alles ihnen mögliche, damit es geschehen konnte.
Theodor Herzl, der Vater des modernen Zionismus, wurde von mehreren Christen unterstützt, unter ihnen sein enger Freund Rev. William Hechler. Mehrere Christen nahmen 1897 am ersten Zionistenkongress in Basel teil und stellten sogar eigene Initiativen vor. Der Begriff „christlicher Zionist“ wurde zuerst von Theodor Herzl beim Zionistenkongress gebraucht, als er Jean Henry Dunant ehrte, der erste Empfänger des Friedensnobelpreises, Gründer des Roten Kreuzes und ein überzeugter christlicher Zionist.
Lord Balfour und Premierminister Lloyd George in England waren beide tiefgläubige Christen. Sie verfassten die historische Balfour-Erklärung von 1917, die eine jüdische Heimstatt in Palästina befürwortete. Rev. John Gruel, ebenfalls Christ, befand sich an Bord der Exodus, einem Schiff voller jüdischer Flüchtlinge aus Europa, das von den Briten angegriffen wurde.
In Amerika beeinflusste der biblische Glaube an Israels Wiederherstellung mehrere Präsidenten, wie z.B. Präsident Nixon, der 1973 Militärhilfe an Golda Meir sandte. Er erinnerte sich daran, dass seine gläubige Mutter geraten hatte: „Wann immer Du die Möglichkeit hast, den Juden zu helfen, nutze sie.“
Die Bibel hat die gesamte Familie von Casper Boom in Holland dazu motiviert, mehr als 600 Juden während des Holocaust zu retten. Ihre berühmte Tochter Corrie ten Boom ist von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt worden. Ihre Geschichte, „Die Zuflucht“, hat als Buch und Film zehntausende Christen in den letzten 40 Jahren inspiriert und herausgefordert.
Aufgrund der Bibel sehen Sie heute Abend so viele Christen, die Israel unterstützen.
Zusätzlich zu dieser biblischen Grundlage haben uns zwei Ereignisse der jüngeren Geschichte sehr beeinflusst. Sie haben auf dieser biblischen Grundlage eine persönliche Entschlossenheit und Verpflichtung geformt, die unerschütterlich sind. Eines dieser Ereignisse ist der Holocaust. Wir haben von Corrie Ten Boom gelernt, unseren Gebeten Taten folgen zu lassen. Wir schämen uns für das Schweigen der christlichen Welt während dieser dunklen Stunden der Weltgeschichte. Deshalb ist die ICEJ eine Partnerschaft mit Yad Vashem eingegangen, um der Christenheit Holocaustpädagogik zu vermitteln. Wir lehren Christen, Antisemitismus heute zu erkennen und mutig dagegen aufzustehen. Sie können sicher sein, dass wir alles in unserer Macht stehende tun werden, um sicherzustellen, dass der Holocaust sich niemals wiederholen wird!
Das zweite Ereignis, das uns zutiefst bewegt hat, ist die Begegnung mit Ihnen. Dank der Errichtung des Staates Israel sind Millionen von Christen hierher gekommen, um auf den Spuren Jesu zu wandeln – in diesem Prozess sind sie Ihnen begegnet, den Geschwistern Jesu, sie haben die Kultur Jesu kennengelernt und den jüdischen Glauben Jesu. Viele von uns sind mit Reisegruppen gekommen und zum ersten Mal in unserem Leben dem jüdischen Volk begegnet.
Zuvor hatten wir über Israel und das jüdische Volk in unseren Bibeln gelesen – doch durch und in Israel durften wir Sie nun persönlich kennenlernen. Es ist kein Zufall, dass die christliche Unterstützung Israels in den letzten 30 Jahren sprunghaft angestiegen ist, seit Millionen von Christen das Land besucht haben. Die jüdisch-christlichen Beziehungen haben erstaunliche Fortschritte gemacht. Wir begegnen einander von Angesicht zu Angesicht, lernen, miteinander zu reden und zusammenzuarbeiten.
Bitte glauben Sie daher nicht den negativen Medienberichten. Wir sind Ihre Freunde. Wir sind ehrlich und aufrichtig. Tatsächlich, ein neues Zeitalter jüdisch-christlicher Beziehungen ist angebrochen!
So, jetzt habe ich alle vorgestellt und möchte gerne mit einem letzten Gedanken schließen.
Vor kurzem habe ich gelesen, dass die jungen Männer in einer Jeschiwa, einer jüdischen Hochschule, die Torah immer zu zweit studieren. Sie studieren, indem sie miteinander debattieren und verschiedener Meinung sind. Der jeweilige Studienpartner wird Chaver genannt. Für alle, die des Hebräischen nicht mächtig sind: Chaver ist auch das Wort für „Freund”. Ich möchte heute Abend vorschlagen, dass wir Freunde werden. Wir sollten uns vor unseren Unterschieden nicht fürchten und uns durch sie nicht abhalten lassen. Freunde müssen sich nicht in allem einig sein. Lassen Sie uns stattdessen voneinander lernen und unsere Debatten und Diskussionen dazu nutzen, das gegenseitige Verständnis und das Wissen umeinander zu fördern.
Wir haben den heutigen Abend mit Amos 9 begonnen, und damit möchte ich auch schließen. Nachdem Amos erklärt hat, dass die gefallene Hütte Davids wieder errichtet und repariert wird, und dass dies auch die Heiden mit einschließt, die der Herr beim Namen genannt hat, schließt er mit diesem Satz:
„So spricht der Herr, der dies tut.”
Wir müssen heute Abend anerkennen, dass Gott es ist, der „dies tut”. Israels Wiederherstellung ist ein Wunder. Sein Überleben durch sechs Jahrzehnte Krieg hindurch, mit Ländern, die viel, viel größer sind, ist ein Wunder. Die Tatsache, dass Israel in den Gebieten der Wissenschaft, Technologie und Erfindungen die Welt anführt, in nur 60 Jahren seit seiner Gründung, ist ein Wunder. Ebenfalls ein Wunder ist die Heilung der Beziehungen zwischen Juden und Christen. Es ist ein Wunder. Gott arbeitet seit hunderten, ja tausenden von Jahren daran, uns an diesen Punkt zu bringen, an dem wir uns heute befinden. Was für ein Privileg ist es doch, Teil dieses Wunders sein zu dürfen! Amen? Gott segne Sie!
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