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Antisemitismus – Damals und Heute

Antisemitismus – Damals und Heute

Zeitzeugentour in Norddeutschland
Katja Bühler
Bild Nie Wieder EAD

Arise bringt regelmäßig junge Menschen und Holocaust-Überlebende zusammen. Diesmal führte die Zeitzeugentour zum Thema „Antisemitismus – damals und heute“ in den Norden Deutschlands. Mit dabei: Zeitzeuge Ernst Otto Krakenberger.

Nie wieder

Vor 80 Jahren, im April 1945, hielt ein jüdischer Häftling bei seiner Befreiung im KZ Buchenwald ein Plakat in den Händen mit der mahnenden Aufschrift „Nie wieder“. Heute ist dieser Aufruf ein beliebter Slogan der Erinnerungskultur geworden, doch ist er meistens zu einer schönen Worthülse ohne Inhalt verkommen.

Weite Reise

Gedenken an die schreckliche NS-Zeit mit den einhergehenden Verbrechen ist nicht angenehm. Ebenfalls unangenehm ist es heute, 80 Jahre nach Kriegsende, gegen Antisemitismus aufzustehen. Aber genau das wollten wir tun. Gemeinsam mit dem Zeitzeugen Ernst Otto Krakenberger machte sie ein kleines ICEJ-Team auf die Reise in das schöne Münsterland. Die Einladung nach Löningen erfolgte durch Rebecca Schiffskowski, eine enge Freundin Israels, wertvolle Unterstützerin der ICEJ und ehemalige Schülerin des Copernicus Gymnasiums (CGL) Löningen. Sie organisierte gemeinsam mit der Stadt Löningen und der Schulleitung des CGL zwei große Veranstaltungen mit dem Thema „Antisemitismus - Damals und Heute“ im Forum Hasetal.

Antisemitismus – damals

Immer mehr Menschen können mit dem Begriff Holocaust nichts mehr anfangen und wissen wenig über Antisemitismus. Um diese Bildungskluft zu schließen, referierte Gottfried Bühler, 1. Vorsitzender der ICEJ Deutschland, über die historische Entwicklung von Antisemitismus. Eine spannende Zeitreise von Abraham, dem ersten Juden, über Ägypten, das Babylonische Weltreich, Kaiser Hadrian, der Israel in Palästina umbenannte, bis zu Hitler und das 3. Reich bekam das Publikum ein breites Spektrum der Geschichte des Antisemitismus vermittelt.

Beim Thema Holocaust übernahm der Zeitzeuge Ernst Krakenberger, geboren 1940, die Staffel. Er schildert sehr bildhaft und eindrücklich seine Kindheit während der NS-Diktatur. Nur durch das mutige und waghalsige Engagement einer christlichen Familie, die den kleinen Erni (Ernst Krakenberger) versteckte und als unehelichen Sohn ihrer Tochter ausgab, konnte er überleben. Obwohl seine leiblichen Eltern, die wie durch ein Wunder mehrere KZ überlebten, nach dem Krieg ganz unverhofft vor der Tür seiner Pflegefamilie Stockmann auftauchten und das Familienglück wieder perfekt war, pflegt Herr Krakenberger bis heute den Kontakt zu seiner Retterfamilie. Wenige Tage bevor seine Pflegemutter Maja Stockmann im vergangenen August mit 99 Jahren verstarb, stattete er ihr noch einen Besuch ab und drückte zum allerletzten Mal seine tiefe Dankbarkeit aus. Maja Stockmann und ihre Familie sind bis heute leuchtende Vorbilder für Mut und Engagement gegenüber einer zerstörerischen und judenhassenden Ideologie.

Antisemitismus – heute

Antisemitismus bzw. Judenhass hat sich schon immer als eine traurige Konstante durch die Weltgeschichte gezogen. Ob es der Genozidversuch an den hebräischen Kindern zur Zeit Moses oder zu Zeiten der jüdischen Königin Esther war – immer wieder wurde ein erneuter Anlauf gestartet, das jüdische Volk zu vernichten.

Auch nach dem Holocaust konnte Judenhass nicht ausgemerzt werden. „Unmittelbar nach der Gründung des Staates Israels 1948 erfolgte ein erneuter Genozidversuch auf das jüdische Volk,“ so Gottfried Bühler. „Eine arabische Übermacht mit dem Verhältnis 40:1 versuchte den jungen jüdischen Staat im Keim zu ersticken. Es folgten 1967 der Sechs-Tage-Krieg und 1973 der Jom Kippur Krieg.“ Da Antisemitismus geschickt wandelbar ist und sich dem jeweiligen Zeitgeist anpasst, schlüpft er heute in das „Gewand“ des Israelhasses.

Gerade der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und seine weltweiten Folgen zeigen uns auf, wie groß und präsent die Gefahr des Israelhasses in unserer Gegenwart ist.

Persönliche Statements und Gedanken von Ernst Krakenberger, die uns der Holocaustüberlebende als Mahnung mit auf den Weg geben möchte:

„Haltet die Erinnerung an den Holocaust lebendig.“

„Bietet guten Schulunterricht im Fach Geschichte an.“

„Wir tragen Verantwortung, dass sich die Geschichte heute und in Zukunft nicht wiederholt.“

„Es sollte unser Bestreben sein, das friedliche Zusammenleben von Juden und Palästinenser zu fördern. Nicht alles, was der Staat Israel tut, müssen wir gutheißen, aber der Anfang des Krieges war der Überfall der Hamas im Oktober 2023 auf friedliebende Israelis mit über 1.200 Toten und 251 verschleppten Geiseln.“

 

Vor dem 7. Oktober 2023 schloss Ernst Krakenberger seine Zeitzeugenvorträge mit dem hoffnungsvollen Zitat „Never again – nie wieder.“ Dieser persönliche Wunsch hat sich leider nicht erfüllt. Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel wurden die Schleusen für den Antisemitismus noch weiter geöffnet. Der Kampf gegen Judenhass und Antisemitismus geht weiter und fordert Ernst Krakenberger weiter auf, auch mit seinen fast 85 Jahren nicht zu schweigen, seine Geschichte zu erzählen und die Zuhörerschaft wachzurütteln.

Mehr Mut zum Gebet

Ein absolutes Novum im Forum Hasetal war: Gottfried Bühler lud das sehr bewegte Publikum nach dem Vortrag ein, den teilnehmenden Bürgermeister Burkhard Sibbel, den Schulleiter des Copernicus Gymnasiums Ralf Göken und die Verantwortlichen der Stadt Löningen in ihre Gebete einzuschliessen. Eine neue Erfahrung für viele Gäste, dass sich Gebet nicht hinter verschlossenen Türen und Kirchenräume beschränken muss. Auch eine Stadthalle ist ein guter Ort, um gemeinsam zu beten. Bühler betonte: „Gebet ist wichtiger denn je und wir müssen flexibler und mutiger werden, neue Wege zu gehen.“

waj02/2025

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