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Eva Erben sprach vor über 6.000 Schülern Von Katja Bühler und Melina Strecker 6.000 Schülern, die gebannt ihrer Lebensgeschichte lauschten. Außerdem war sie Ehrengast zusammen mit Günther Jauch bei der Fernsehsendung Stern TV, absolvierte einen ZDF Filmdreh für die Kindersendung Pur+, sprach im ARISE Bibel-Podcast und traf sich in Berlin mit jungen TikTok-Influencern.
Eva Erben empfindet es nach wie vor als ihre Pflicht, den sechs Millionen getöteten Juden des Holocausts eine Stimme zu geben. Trotzdem wies sie darauf hin: „Es geht nicht um mich. Zufällig bin ich dabei gewesen.“ Mit ihren 94 Jahren, die man ihr überhaupt nicht anmerkt, ist es kein Zufall, dass Eva Erben heute noch so energisch vor großem Publikum auftritt. Sie muss über ihre Vergangenheit sprechen, aber die Gegenwart kann sie nicht ausblenden. „Man kann nicht über den Antisemitismus von damals sprechen und den heutigen Antisemitismus verschweigen.“
Denn leider war der Antisemitismus nach Kriegsende nicht besiegt. Bis heute ist das jüdische Volk und das Land Israel vernichtenden Angriffen ausgesetzt. „Damals hatten die Alliierten keine Bomben für die Konzentrationslager oder die hinführenden Zugstrecken übrig, um das Leid der Juden zu beenden. Jahre später erklärte man entschuldigend, dass dies political incorrect gewesen wäre. Ähnlich tatenlos verhält sich die Politik gegenüber den Geiseln im Gazastreifen“, kritisiert Eva scharf. „Ist es wieder political incorrect zu helfen?“ Sie kann die geschichtliche Wiederholung nicht fassen.
In Zeiten, in denen die Welt durch neue Gewalt erschüttert wird, knüpfte sie aktuelle Bezüge und verband ihre Lebensgeschichte mit der Dringlichkeit, aus der Vergangenheit zu lernen. Mehrmals wird Eva von den Schülern gefragt, wie sie sich in Theresienstadt, Auschwitz oder auf dem Todesmarsch gefühlt hatte. Nach einer kurzen Überlegung antwortete sie: „Ich war damals wie in einer Narkose. Man sieht schreckliche Dinge, aber kann sie nicht begreifen.“
Ähnlich empfindet Eva seit dem 7. Oktober 2023. Dieser barbarische Terrorangriff der Hamas auf Israel, den Eva aus nächster Nähe miterlebt hat, war eine Zeitenwende in ihrem Leben. Rückblickend erinnerte sich Eva: „Ich saß auf dem Sofa und habe gestrickt. Als ich die Nachrichten im Radio hörte, konnte ich sie nicht glauben und dachte, das sind Erzählungen aus einem schrecklichen Film.“ Dass das jüdische Volk heute wieder vernichtet werden soll, hätte sie in ihren kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten. „Die Täter im Holocaust waren furchtbar grausam. Aber noch schlimmer waren die Zuschauer, die dabeistanden und nichts dagegen unternahmen. Ähnlich verhält sich unsere Gesellschaft heute“, mahnte Eva an.
„Haben wir heute bei diesen vielen Konfliktherden noch Hoffnung?“ Diese Frage richtete Gottfried Bühler, Vorsitzender der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ) und Initiator der Schultour, an die aufmerksam zuhörenden Schüler. „Jesus war der bekannteste Jude, und er wird sogar im Koran als Isa erwähnt.“ Mit dieser Verbindung zwischen den Religionen sprach Gottfried Bühler die Jugendlichen direkt an: „Das Wichtigste, das Jesus lehrte, ist: Respektiert Gott und behandelt euren Nächsten wie euch selbst.“ Diese Aussage sorgte für nachdenkliche Gesichter im Publikum. Eva Erben ist für uns bis heute ein wandelndes Beispiel. Sowohl über die schlimmen Ereignisse in ihrer Kindheit, als auch über die heutigen Kriegserlebnisse sprach sie ohne Verbitterung und Hass. Mehrmals betonte die 94-Jährige anhand von Beispielen, dass ein gutes Zusammenleben zwischen Juden, Christen und Muslimen in Israel möglich ist. In jeder Schülerveranstaltung wurde ein Kurzclip über Koexistenz aus der Filmreihe „Faszination Israel“ gezeigt, als ein praktisches Beispiel, dass durch gegenseitigen Respekt ein friedliches Miteinander in Israel möglich ist. „Schaut nicht auf die Ideologie des Hasses, sondern auf das Gute!“ ermutigte Eva die Schüler eindringlich. „Jeder Mensch hat die Möglichkeit sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden! Es ist besser mit Liebe zu leben als mit Hass!“
Eva Erbens Geschichte ist nicht nur ein historisches Vermächtnis, sondern ein Auftrag: Die Erinnerung zu bewahren und gleichzeitig die Zukunft aktiv zu gestalten, in der Hass keinen Raum findet. Für die kommende Generation waren Eva Erbens Worte ein eindringlicher Weckruf: Der Holocaust geschah nicht in einer fernen, unvorstellbaren Welt, sondern in einer Zeit und Gesellschaft, die nicht wachsam genug gegen Hass und Ausgrenzung war. Besonders die Jugend trägt die Verantwortung, sich für Gerechtigkeit und Frieden und gegen Judenhass einzusetzen.