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Begegnung in Theresienstadt – Schüler treffen Holocaustüberlebende

Begegnung in Theresienstadt – Schüler treffen Holocaustüberlebende

Deutsch-tschechisches Schulprojekt „Mit Kultur gegen Antisemitismus“
Carina Rieger
Begegnung in Theresienstadt – Schüler treffen Holocaustüberlebende - fünf junge Menschen mit einer älteren Dame, die auf einem Stuhl sitzen

Trotz der ausführlichen Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht ist „Jude“ heute wieder ein gängiges Schimpfwort auf deutschen Schulhöfen und auf Social Media kursieren zunehmend antisemitische Posts. Wie können wir diesem Trend entgegenwirken? Wir brauchen eine lebendige Erinnerungskultur, die beim Gedenken auch die Brücke ins Heute schlägt. Der jungen Generation die Auseinandersetzung mit Holocaust und Antisemitismus zu ermöglichen, das ist der Herzschlag unseres Bildungsprogramms „Mit Kultur gegen Antisemitismus“. Auch in diesem Jahr wurde es wieder vom deutsch-tschechischen Zukunfts-fonds gefördert.

Du machst den Unterschied!

Den Auftakt des Schulprojekts bildete im Februar ein Fachseminar für Lehrkräfte und Pädagogen mit Daniel Rozenga, Experte der Internationalen Holocaust-gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, zum diesjährigen Schwerpunktthema „Die Gerechten unter den Völkern“. Bis heute hat Yad Vashem rund 28.500 Retter aus über 50 Nationen anerkannt, die während der NS-Diktatur ihr Leben riskierten, um Juden zu verstecken, bei ihrer Flucht zu helfen oder jüdische Kinder aufzunehmen. „Die Gerechten unter den Völkern zeigen: Es gab Handlungs-möglichkeiten, wo andere meinten, es gäbe keine“, erklärte Rozenga.

Aus erster Hand

Die Holocaustüberlebende Eva Erben aus Aschkelon (Israel) berichtete den 81 teilnehmenden Schülern aus Deutschland und Tschechien bei einem Online-Interview im März, wie sie 1941 im Alter von 11 Jahren nach Theresienstadt kam. Später überlebte sie Auschwitz und einen wochenlangen Todesmarsch im eiskalten Winter 1945, bevor sie kurz vor Kriegsende von einer tschechischen Bauernfamilie vor dem sicheren Tod gerettet wurde. Die Jugendlichen hatten im Vorfeld Evas Biografie gelesen und lauschten gespannt, während die Zeitzeugin auf eindrückliche Weise aus ihrem Leben berichtete. Der anschließende rege Austausch sollte wenige Wochen später persönlich fortgesetzt werden – in Theresienstadt.

Auf nach Prag!

Am 9. April reisten wir mit 55 deutschen Neunt- und Zehntklässlern aus drei verschiedenen Gymnasien nach Prag. „Ich freue mich so sehr auf Eva Erben“, meinte Vincent. Seine Mitschüler teilten die Vorfreude auf die einzigartige Begegnung mit Eva, die für das Schulprojekt extra aus Israel anreiste. Während ihrer Zeit in Tschechien besuchte die mittlerweile 92-Jährige auch die Enkel ihrer Retter und erhielt vom tschechischen Präsidenten die mit dem Bundesverdienstkreuz vergleichbare Medaille „Za zásluhy“ („Verdienst“).

Die Lebensretter von nebenan

Als Vorbereitung auf die Bildungs-fahrt hatten die Schüler unter Anleitung ihrer Lehrer die Lebensgeschichten von „Gerechten unter den Völkern“ aus ihrem Umfeld erforscht. Beim ersten Treffen mit den 26 tschechischen Projektteilnehmern in Prag präsentierten alle Schüler die Ergebnisse ihrer Recherchen. Als Eva später die Aufnahme einer deutschen Mädchengruppe sah, die ihre Retterfamilie vorstellte, hatte sie Tränen in den Augen.

Zufluchtsort Israel

Im Jüdischen Museum in Prag erfuhr unsere Schülergruppe Näheres über die Geschichte des jüdischen Volkes und jüdisches Leben heute. Gemeinsam erlebten wir einen Rabbiner beim Anlegen der Gebetsriemen und Beten in einer der historischen Synagogen. Anschließend folgte die Teilnahme am „Marsch des guten Willens“ durch das Zentrum von Prag – einer Veranstaltung in Solidarität mit dem jüdischen Volk und Israel. Vor dem tschechischen Senat hielten neben hochrangigen Regierungsvertretern auch Eva Erben und Mojmir Kallus, Projekt-Koordinator und ICEJ-Vizepräsident für Internationale Angelegenheiten, eine Rede. Die Zeitzeugin forderte insbesondere die Lehrkräfte auf: „Sie müssen über Israel sprechen, den einzigen Zufluchtsort der Juden, und über all das Gute, das von diesem Land bis heute ausgeht.“ Nach Ende der Veranstaltung tanzten einige Schüler begeistert traditionelle israelische Tänze zu hebräischer Live-Musik. Mit einer Schifffahrt über die Moldau und einem wunderschönen Blick auf die tschechische Hauptstadt in der Abendsonne endete der ereignisreiche Tag.

Projektteilnehmer beim „Marsch des guten Willens“ unter dem Motto „Wir sind alle Menschen“ (tschechische Banneraufschrift).

Ein unvergessliches Treffen

Den Höhepunkt des Projekts bildete unser Besuch in Theresienstadt, dem „Vorzeige-Ghetto“ der Nazi-Propaganda, und die bewegende persönliche Begegnung der Jugendlichen mit Eva Erben. Ein Schüler fragte die Zeitzeugin, was sie heute machen würde, wenn sie Hitler träfe. Ihre Antwort blieb uns allen im Gedächtnis: „Ich würde ihn zu mir nach Israel einladen, ein gutes Essen auftischen und ihm zeigen: Die Juden haben gesiegt. Wir haben aus den Splittern unseres Lebens wieder etwas erschaffen. Israel ist ein Wunder.“ Im Anschluss ließen es sich die Schüler nicht nehmen, ein persönliches Autogramm von Eva zu ergattern. „Ihr Buch hat mich so inspiriert“, dankte Arya der Holocaustüberlebenden.

Bei der abschließenden Gedenkfeier mit einem jüdischen Kantor auf dem Friedhof in Theresienstadt legten die Jugendlichen nach jüdischer Tradition im Gedenken kleine Steine auf die Grabsteine. Sie alle beschrieben das Treffen mit einer Zeitzeugin am Ort des damaligen Geschehens als Highlight. Ein Schüler meinte, es war „eine echt emotional bewegende Reise, bei der man viel gelernt hat.“

(Foto oben: V.l.n.r.: Arya, Julian, Mailin, Paulina und Felix mit Eva Erben in Theresienstadt)

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