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Wie geht es den Menschen in Israel? Das Filmteam der TV-Serie „Faszination Israel“ war kurz nach dem Terroranschlag vor Ort, um das Massaker zu dokumentieren und den Betroffenen eine Stimme zu geben.
Jerusalem wirkt ausgestorben. Kaum wiederzuerkennen. Den Restaurants und kleinen Läden fehlen nicht nur die Gäste, sondern auch das Personal – sie kämpfen an der Front. Israels Armee besteht zum größten Teil aus Reservisten. In einem der geöffneten Lokale wartet eine einzelne Bedienung auf Bestellungen. Bereits um 20 Uhr wird geschlossen.
Dafür ist das Hotel ausgebucht – allerdings mit ungewöhnlichen Dauergästen. Familien aus der Umgebung des Gazastreifens sind hier untergekommen, zumeist orthodoxe Juden. Außer dem deutschen Filmteam gibt es keine Ausländer. „Wieso seid ihr hier?“, fragen die jüdischen Familien. Manche haben Tränen in den Augen, als sie die Antwort hören.
Das Filmteam der ICEJ ist angereist, um den Menschen in Israel eine Stimme zu geben, um zu dokumentieren und Zuschauer zu informieren – damit die ungeheure Grausamkeit der Hamas und das Leid der Terroropfer nicht vergessen wird. Denn schon wenige Tage nach dem brutalen Massaker meldeten sich in der Politik und Medienwelt die ersten Relativierer und „Versteher“ der Terrorangriffe zu Wort. Gottfried Bühler, ICEJ-Vorsitzender und Moderator der Fernsehserie Faszination Israel, war bereits während des Terrorangriffs der Hamas vor Ort in Israel. Kaum zurück, packte er erneut die Koffer – diesmal zusammen mit ICEJ-Medienleiter Christoph Stang und Kameramann Jürgen Würzinger.
„Seid ihr verrückt, jetzt nach Israel zu fliegen?“, bekam das Filmteam vor dem Abflug in Deutschland von vielen Bekannten zu hören. Vom Gazastreifen aus wurde der jüdische Staat weiterhin mit Raketen beschossen. Auch aus dem Libanon erfolgten vereinzelte Angriffe, in Syrien wartete die Hisbollah auf den Angriffsbefehl aus Teheran und die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen hatte Israel den Krieg erklärt. Als das Filmteam in Tel Aviv landet, droht ein Krieg an mehreren Fronten. Nur die israelische Fluggesellschaft El Al war in diesen Tagen noch bereit, Israel anzufliegen.
Vor Ort trifft sich das Filmteam mit einflussreichen Politikern, interviewt Armeesprecher und Holocaustüberlebende. Sie begleiten die Arbeit des ICEJ-Hilfsteams, filmen beim Verpacken und Verteilen von Lebensmittelpaketen, lassen Terroropfer zu Wort kommen und sammeln die Berichte und Erlebnisse der Überlebenden.
Auch mitten im Terrorgebiet. Ein gepanzerter Bus fährt das Team zu den Orten des Massakers. Eine Handvoll Journalisten aus aller Welt sind dabei, Diplomaten verschiedener Länder, fünf Knesset-Abgeordnete. Alle tragen kugelsichere Westen und Helme.
Israelische Soldaten haben die Häuser mit Buchstaben und Zahlen markiert. Ein „C“ steht für „cleared“ – gesäubert von Terroristen. Dahinter das Datum. Die Zahlen zeigen, dass manche Häuser erst vier oder fünf Tage nach dem Terrorangriff befreit werden konnten. Es ist bis heute nicht klar, wie viele Terroristen sich vielleicht noch irgendwo in der Region versteckt halten – bereit, erneut zuzuschlagen.
Das Kibbuz Jad Mordechai ist zum Armeelager geworden. 500 Meter vom Gazastreifen entfernt. Maschinengewehrfeuer ringsum. Alle Bewohner des Kibbuz wurden evakuiert. Nur ein Dutzend Männer sind geblieben, um die 800 Kühe zu versorgen. Mit Maschinenpistole um die Schultern verrichten sie die Stallarbeit. Abends schlafen sie neben ihren Waffen.
Im Kibbuz Be’eri, ehemals 1.000 Einwohner. Es ist drückend heiß. Die Temperatur steigt auf 32 Grad und es riecht nach Tod. Überall Hausruinen. Zertrümmerte Fenster und Türen. Durchbrochene Wände. „Die Terroristen hatten Panzerfäuste dabei“, berichtet Gottfried Bühler. Das Kamerateam begeht eines der vielen ausgebrannten Einfamilienhäuser. Hier gab es keine Überlebenden, erfahren die Journalisten. Die Eltern und ihre drei Kinder wurden ermordet. An der Wand im Esszimmer hängen noch selbstgemalte Bilder der Kinder, daneben Einschusslöcher. Einschusslöcher auch im Laufstall und im Kinderwagen. Nach dem Mord wurde das Haus geplündert. Dann angezündet.
„Es war das Schlimmste, was ich je im Leben gesehen habe“, erinnert sich Gottfried Bühler an den Besuch in der Terrorzone. „Es waren brutale Szene. Aber es ist wichtig, das zu zeigen.“ Denn was am 7. Oktober geschehen sei, müsse auf der ganzen Welt als Weckruf verstanden werden. „Da hatte sich die Hölle aufgetan“.
In vielen Häusern zeugen blutige Schleifspuren auf dem Fußboden vom Horror, der sich hier zugetragen hat. Blutgetränkte Matratzen, Blutspuren an den Wänden. Blut überall. Die Menschen wurden nicht nur ermordet, sondern zuvor oft erst noch bestialisch gequält. Kinder wurden vor den Augen der Eltern gefoltert und Eltern vor den Augen der Kinder, Menschen bei lebendigem Leib verbrannt.
Auch die Plünderungswut erschüttert das Filmteam. Denn den Hamas-Terroristen folgte ein ziviler Mob aus dem Gazastreifen, darunter Mütter mit Kindern, manche mit Handwagen, die neben den verstümmelten Leichen die Schränke und Schubladen aufrissen, alles durchwühlten und stahlen, was sie davonschleppen konnten. Unser Filmteam sieht die Bilder der Überwachungskameras. „Es kamen Tausende aus dem Gazastreifen, um zu zerstören und zu plündern“, stellt Gottfried Bühler klar.
Eine Staubschicht bedeckt rund tausend Autos, die niemand mehr abgeholt hat auf einem improvisierten Parkplatz in der Nähe des Kibbuz Re‘im. Sie gehörten den über 4.000 Besuchern des Musikfestivals, bei dem die Hamas über 360 unbewaffnete junge Menschen ermordete und Frauen vergewaltigte.
„Natürlich ist Israel traumatisiert und deprimiert. Aber man spürt Hoffnung – und der Zusammenhalt ist enorm“, berichtet Gottfried Bühler. Unternehmen schicken ihre verbliebenen Mitarbeiter stunden- oder tageweise als ehrenamtliche Helfer zu Hilfsorganisationen. Und jeden Morgen rollt ein Bus vor das Hotel, in dem auch das Filmteam untergebracht ist, um die Kinder der Flüchtlingsfamilien kostenlos zu Parks und Spielplätzen zu fahren. Abends geben Musiker Gratiskonzerte im Hotel, um den Vertriebenen eine Freude zu bereiten. Die Musiker sind betagt, ihre Söhne und Töchter kämpfen an der Front.
Zu den ermutigenden Momenten gehört auch die Einheit im Gebet, die das Team mit der Kamera bei Gemeinden in Jerusalem einfangen kann. „Wir haben einen starken Gebetsgeist erlebt“, schließt Gottfried Bühler seinen Bericht.
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