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Ausgerechnet an diesem Wochenende herrscht sportlicher Ausnahmezustand: Großer Preis der Niederlande. Formel-1-Fans drängen sich in alle Busse und Bahnen im Raum Amsterdam. Eine Reisegruppe junger Erwachsener von ICEJ Arise mittendrin. Doch während sich alle Augen auf die Rennstrecke richten, fokussieren wir uns auf ein unscheinbares Haus in Haarlem: das Haus, in dem Corrie ten Boom und ihre Familie zwischen 1942 und 1944 fast 1000 Juden das Leben retteten.
Wenn du das Wort „Krypto“ hörst, denkst du wahrscheinlich an Kryptowährungen wie Bitcoin. Wahrscheinlich denkst du nicht an Kryptojuden. Beide Begriffe teilen sich die griechische Wurzel kryptós, was Verschlüsselung oder Geheimhaltung bedeutet. Historiker benutzen den Begriff Kryptojuden für diejenigen, die ihren jüdischen Glauben über Jahrhunderte hinweg geheim praktizierten. Hintergrund dafür waren die Zwangskonversionen, Vertreibung und Vernichtung von Juden während der spanischen und portugiesischen Inquisition.
Was hat das alles mit Amsterdam und Corrie ten Boom zu tun? Flüchtende Kryptojuden gründeten im 17. Jahrhundert die jüdische Gemeinde Amsterdams. Als die Judenverfolgung in Europa tobte, bot Amsterdam relative Freiheit. Keine Judenghettos, kein gelber Fleck, kein Judenhut. Für Generationen von Juden war Amsterdam ein Zufluchtsort mit dem Spitznamen „Jerusalem des Westens". In Amsterdams portugiesischer Synagoge lernte die Reisegruppe über diese Blütezeit.
Doch Amsterdam bewährte sich nicht immer als Zufluchtsort. 1933 floh Anne Franks jüdische Familie aus Frankfurt nach Amsterdam. Für ein paar Jahre waren die Franks sicher. Aber 1940 zertrümmerte die nationalsozialistische Besatzung jüdisches Leben. Von den rund 140.000 Juden in den Niederlanden wurden zwischen 1940 und 1945 über 100.000 systematisch ermordet. Darunter auch die 15-jährige Anne Frank. Ihr Schicksal erfuhren die Arise-Teilnehmer im Anne-Frank-Haus. Am Nationalen Holocaustmahnmal gedachten wir der niederländischen Opfer.

Das Monument besteht aus über 100.000 Ziegeln. Jeder Ziegel repräsentiert eine Person, die aus den Niederlanden deportiert und ermordet wurde.
1939 etablierte die niederländische Regierung das zentrale Flüchtlingslager Westerbork für jüdische Geflohene aus Deutschland. Es diente als Schutzraum, um Geflüchtete zu versorgen. Nach Einmarsch der Deutschen übernahm die SS das Westerbork-Lager. Aus einem Zufluchtsort wurde ein „Judendurchgangslager“. Von Westerbork wurden über 100.000 Menschen in Vernichtungslager wie Auschwitz deportiert. Zeigt das nicht auf abscheuliche Art und Weise, wie der Teufel Gutes zum Bösen wendet?
Historisch gesehen waren sogenannte Christen der schlimmste Albtraum der Juden. Aber zugleich waren bekennende Christen die aufopferndsten Unterstützer der Juden. Die Geschichte Corrie ten Booms und ihrer nicht-jüdischen Familie bezeugt das. Sie retteten Hunderten Juden das Leben – versteckt im Uhrmacherhaus der Familie ten Boom in Haarlem – und bezahlten dafür mit ihrem eigenen Leben. Durch einen hinterlistigen Verrat und die anschließende Verhaftung der ten Booms starben vier Familienmitglieder, darunter Corries Vater und Corries Schwester. Diese selbstlose Hilfe war keine spontane Gutmensch-Aktion. Ihr Mut, während des Holocausts eine Zuflucht für Juden zu schaffen, war die Frucht von jahrzehntelangem, generationenübergreifendem Gebet. Bereits 1844 starteten ten Boom Vorfahren einen wöchentlichen Gebetskreis für Israel – inspiriert von Psalm 122,6: „Betet für den Frieden Jerusalems“.

Mit Hilfe eines Architekten bauten die ten Booms eine perfekt verputzte und farblich angepasste Wand. Durch den Schrank gelangten Juden in einen versteckten Raum. Da das Haus verwinkelt war, fiel nichts auf. Obwohl die ten Boom Familie verraten wurde, fanden die Nazis dieses Versteck nie.
Corrie rettete nicht nur Hunderten Menschen das Leben, sondern hinterließ in den darauffolgenden Jahren ein geistliches Erbe für Millionen Menschen weltweit. Nach ihrer Freilassung aus dem KZ Ravensbrück bereiste Corrie über 60 Länder, verkündete das Evangelium und die übernatürliche Vergebung und Liebe, die wir durch Jesus Christus in die Welt tragen dürfen. Wir haben einen Vater im Himmel, der Böses zum Guten wendet!
Als nach Corries ereignisreichem Formel-1-Lebensrennen die schwarz-weiß karierte Zielflagge wehte, ließ sie diese drei Wörter auf ihren Grabstein gravieren: „Jesus ist Sieger!”
Schon die Bibel berichtet von Nichtjuden wie Rahab oder den ägyptischen Hebammen, die Juden versteckten. Esther aus der Bibel verbarg ihre jüdische Herkunft. Europäische Kryptojuden im Mittelalter verheimlichten ihre Identität. Europäische Juden im 20. Jahrhundert mussten es auch. Und europäische Juden im 21. Jahrhundert müssen es zunehmend auch. Beim Abendessen warf ein Teilnehmer angesichts des steigenden Antisemitismus die besorgte Frage auf: „Müssen wir eines Tages auch wieder Juden verstecken?“
Liebe Leserin, lieber Leser, wäre Dein Haus eine Zuflucht für Juden?
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