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Freude und Dankbarkeit im Haifa-Heim

Hilfe für Holocaustüberlebende
Yudit Setz
Gruppe von Menschen unterschiedlichen Alters posieren und lächeln in die Kamera

Überschwängliche Freude erlebten die Bewohner unseres Haifa-Heims für Holocaustüberlebende zum Laubhüttenfest. Besucher aus aller Welt brachten ihnen wunderschöne Geschenke, wobei es immer wieder zu herzlichen Begegnungen kam. 

Unerwarteter Besuch

Martin und Yulia Herbert aus der Slowakei besuchten das Haifa-Heim kurz vor Beginn des Laubhüttenfestes, begleitet von ihrer Tochter. Sie brachten Geschenke und Grüße aus dem einzigen slowakisch-jüdischen Altersheim für Holocaustüberlebende mit. „Wir haben von euch gehört und möchten euch ein paar Kleinigkeiten aus unserer Kreativwerk-statt schenken. Wir hoffen, sie machen euch Freude“, war auf einer wunderschön gestalteten Karte zu lesen. Sie war von den Bewohnern und Mitarbeitern des Heims „Ohel David“ in Bratislava unterzeichnet.

Voller Freude bewunderten unsere Haifa-Heim-Senioren die Mitbringsel aus Bratislava, darunter schön bemalte Taschen und andere kunstvoll gestaltete Gegenstände, die ihre Altersgenossen, viele von ihnen über 90 Jahre alt, hergestellt hatten. Fanny S., die täglich in unserem Kunstraum in Haifa aktiv ist, ging sofort in ihre Wohnung, um den Besuchern selbstgestrickte Socken zu schenken und ihnen alle ihre anderen Kunstwerke zu zeigen.

Sukkot – Ein Fest der Freude

Eine schön dekorierte Laubhütte wurde vor dem Haifa-Heim aufgestellt, in der die Bewohner gerne saßen und die Gemeinschaft genossen. Dabei erfüllten sie das Gebot aus 3. Mose 23,42-43, während des Festes sieben Tage in Laubhütten zu „wohnen“.

Besucher vom ICEJ-Laubhüttenfest

Nachdem wir lange keine Gruppen und Besucher im Haifa-Heim willkommen heißen durften, hatten wir das Vorrecht, eine deutsche Gruppe begrüßen zu können, die am ICEJ-Laubhüttenfest teilnahm. Zusätzlich besuchten uns auch verschiedene Spender, die gerade in Israel waren und das Heim mit eigenen Augen sehen wollten. Nach ihrem Besuch schrieb uns Ann aus Großbritannien: „Vielen Dank, dass ich das Haifa-Heim gestern sehen durfte. Danke, dass ihr uns so viel Zeit gewidmet habt.

Es war wirklich besonders und hat mich tief bewegt. Möge der Herr euch weiterhin segnen und stärken in eurem Dienst an diesen wunderbaren Menschen, die ihm so sehr am Herzen liegen.“

Projekt „Baum des Lebens“

Unsere ICEJ-Krankenschwester Christine hatte eine brillante Idee: Sie führte ein Projekt mit den Bewohnern durch, das sich auf Dankbarkeit und die guten Zeiten konzentrierte, die unsere Bewohner erlebt haben. „Freude kommt aus einem fröhlichen Herzen. Doch wie können ein zerbrochenes Herz und eine verbitterte Seele wieder fröhlich werden?“, fragte sich Christine. „Ein Weg ist, sich an das Gute im Leben zu erinnern. Dankbarkeit kann das Herz wieder zum Lächeln bringen.“ Es ging darum, den Überlebenden zu helfen, sich an ihren Mut, ihre Hoffnung und ihre Stärke zu erinnern, die sie an den Tag gelegt hatten, um den Neuanfang zu wagen – nach all dem Leid, das sie erlebt hatten.

„Das Projekt hat mir geholfen, unsere Bewohner besser zu verstehen und tiefe Beziehungen aufzubauen. Ich habe aus ihren Geschichten viel über Mut, Liebe und Stärke gelernt. Sie sind für mich Menschen, die darum gekämpft haben, nach all der Not den Weg zurück ins Leben zu finden“, berichtet Christine. Naomi, die am „Baum des Lebens“-Projekt teilgenommen hat, war zu Tränen gerührt, als sie über die Auswirkungen des Projektes auf ihr Leben sprach. Voller Stolz hat sie begonnen, jedem Besucher die Geschichte von ihrem „Baum des Lebens“ zu erzählen, wobei sie alle Dinge aufzählt, für die sie dankbar ist.

Neue Bewohner

Sechzehn neue Bewohner aus der Ukraine haben ihren Weg ins Haifa-Heim gefunden. Zwei unserer Neuankömmlinge sind Alexander und Irina aus Mariupol. Alexander wurde in Mariupol geboren und musste 1941 mit seiner Familie fliehen, als Nazi-Deutschland die Ukraine überfiel. Sie landeten schließlich in Armenien, wo sie Angst, Hunger und Not erlebten. Von 1941 bis 1944 ermordeten die Nazis zirka 1,5 Millionen ukrainische Juden. Über 800.000 wurden in den Osten deportiert. Schließlich kehrte die Familie nach Mariupol zurück, wo Alexander Ingenieur wurde und die Kinderärztin Irina heiratete. Sie haben eine Tochter. Trotz ihres Alters waren sie noch sehr aktiv, als Russland in die Ukraine einmarschierte. Sie lebten neben dem jetzt berühmten Asow-Stahlwerk und bald wurde ihr Alltag zu einem Albtraum aus Bombenangriffen, Hunger und Mangel. Sie erlebten viel Bewahrung, da Raketen oft in ihrer Nähe einschlugen, die Fenster und andere Teile ihrer Wohnung beschädigten.

Eines Tages sagte man ihnen, sie sollten sich bereitmachen, da sie in 15 Minuten abgeholt würden, um aus der Stadt zu fliehen. Irina fällt es immer noch sehr schwer, über all das zu sprechen, was sie durchgemacht haben. „Das ist das einzige Kleid, das ich mitbringen konnte“, sagt Irina und zeigte auf ihren Dress. Das Paar kam im Juni dieses Jahres mit ihrer Tochter nach Israel. Im September zogen sie ins Haifa-Heim. „Die Menschen hier waren sehr nett zu uns“, erklärt Alexander lächelnd. „Wir haben alles bekommen, was wir brauchen. Was mich am meisten an Israel überrascht ist, dass sie überall bauen. Das Land blüht und gedeiht… Ich freue mich darauf, Neues zu lernen und hoffen, dass wir noch ein paar gute Jahre hier in Israel verbringen dürfen.“

(Foto: Die deutsche Gruppe im Haifa-Heim, ganz links Birte Scholz)