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ICEJ-Solidaritätsanlass 125 Jahre Zionistenkongress Basel

ICEJ-Solidaritätsanlass 125 Jahre Zionistenkongress Basel

Gabriela Hess und Ester Heinzmann
ein mit Stuck und Kronleuchter ausgestatteter und in blau ausgeleuchteter Saal voll mit Menschen, die auf Stühlen sitzen. Auf der Bühene ist ein Banner mit der Aufschrift: 125 Jahre Zionistenkongress in Basel

Rund 450 Gäste aus dem In- und Ausland sind am 28. August 2022 in Basel zusammengekommen, um den 125. Jahrestag des Ersten Zionistenkongresses von 1897 zu begehen. Im Stadtcasino Basel, dem Originalschauplatz des Kongresses unter dem Vorsitz des jüdischen Visionärs Theodor Herzl, begrüßten René Emmenegger, Leiter der ICEJ-Schweiz, ICEJ-Präsident Dr. Jürgen Bühler (Jerusalem) sowie Hansjörg Bischof, Ehrenpräsident der ICEJ-Schweiz, die christlichen und jüdischen Teilnehmer und Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft. Es war eine besondere Ehre, dass die israelische Botschafterin in der Schweiz, Ifat Reshef,

Dr. Shimon Samuels vom Simon Wiesenthal Center, Christina Bumbacher Berli, Leiterin Israelwerke Schweiz, Erich von Siebenthal, Nationalrat SVP Bern, sowie Dr. Ralph Lewin, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes SIG, ihre Grussworte überbrachten. Timotheus Bruderer moderierte die Veranstaltung.

Israels Entwicklung zur Start-Up-Nation

„Genau 51 Jahre nach diesem Kongress, der in dieser Halle stattfand, wurde der Staat Israel geboren und das Wunder dieses Basler Kongresses nahm seinen Lauf“, sagte Dr. Jürgen Bühler in seiner Eröffnungsansprache. „Ich glaube, die Gründungsväter von damals hätten sich nie vorstellen können, was heute in Eretz Israel geschieht. Israel wurde zur ‚Start-up-Nation‘ und nimmt weltweit eine führende Rolle in Forschung und Entwicklung ein. Heute sind wir hier, um Gottes Wirken am jüdischen Volk zu feiern und um zu bekräftigen, dass wir das jüdische Volk auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten unterstützen werden.“

Souveränität und Legitimität des Staates Israel

Dr. Cynthia D. Wallace rief in Erinnerung, dass die drei wichtigsten internationalen Rechtsinstrumente (Satzung des Völkerbunds, Resolution von San Remo und das Mandat des Völkerbundes für Palästina) das historische Recht eines vereinten Volkes Israel auf einen Ort anerkannt haben, an den es „nach Hause“ zurückkehren kann – nach etwa zweitausend Jahren Staatenlosigkeit und Trennung vom Land seiner Vorfahren. „Diese Rechtsinstrumente haben für das Volk Israel das alleinige Recht festgelegt, das Gebiet zu regieren, in dem es vor mehr als 3000 Jahren das einheimische Volk war“, so Wallace.

Vielfalt im Zionismus

Dr. Uri Kaufmann sprach über die geschichtlichen Hintergründe des Zionismus vor der Zeit des ersten Zionistenkongresses bis zur Staatsgründung. Auf dem ersten Zionistenkongress in Basel 1897 wurde die Zionistische Weltorganisation (WZO) gegründet und das ’Basler Programm‘ verkündet. „Die Zionistische Bewegung war bis 1948 eine private Initiative modern eingestellter europäischer und amerikanischer Juden. … Sie wies eine große innere Vielfalt auf, vom diplomatischen Zionismus war man zum praktischen gekommen, es gab eine gros-se sozialdemokratische, eine linkere sozialistische, eine modern-orthodoxe und eine rechts-nationalistische Strömung“, so Kaufmann.

Basel und der erste Zionistenkongress

In seinen Ausführungen über die Durchführung des ersten Zionistenkongresses in Basel schilderte der Journalist und Nahostexperte Pierre Heumann Herzls damalige Situation. Die weltweite zionistische Bewegung war sich uneins über den Durchführungsort. In Basel hatte Herzl offene Türen, dies auch dank einer aktiven jüdischen und christlichen Gemeinde. „In Basel lebten damals viele Christen, die aus eschatologischen Gründen auf eine Rückkehr der Juden ins Gelobte Land hofften. Ein großer Teil der Elite war tief protestantisch und bibelgläubig. Kurz: Die Zionisten waren in Basel willkommen.“

Schweiz – Wiege des jüdischen Staats

Pfr. Dr. Thomas Bänziger sprach in seinem sehr persönlichen Referat anlässlich des 12. Geburtstags seiner Tochter, die nach jüdischem Verständnis ihre Bar Mitzwa (religiöse Mündigkeit) erlangte, zur nächsten Generation. Die Verbundenheit von Juden und Christen, die Gefahr von wachsendem Antisemitismus und das historische Bewusstsein der Verbundenheit zwischen den Nationen Schweiz und Israel dürfe nicht verloren gehen oder vergessen werden. „Als Christen in der Schweiz haben wir einen Auftrag an Israel, Geschichte verpflichtet“, so Bänziger in seinem liebevollen Appell.

Beziehungen zwischen Christen und Juden

„In Fortführung der auf dem Seelisberg begonnenen Arbeit können wir als Kirchen nur eines sagen: Wir wenden uns in aller Entschiedenheit gegen jegliche Form von Vernichtungsfantasien gegen jüdische Menschen im Allgemeinen und gegen den Staat Israel im Besonderen“, erklärte Kirchenratspräsident Pfr. Prof. Dr. Lukas Kundert in seinem Referat, in dem er unter anderem die jüdisch-christlichen Beziehungen beleuchtete.

eine Frau mit langen braunen Haaren hält mit der rechten Hand eine Mikrofon an ihren Mund. Die linke Hand hat sie auf den Brustkorb abgelegt
Vesna Bühler bereichert die Jubiläumsveranstaltung musikalisch

Thesen von Seelisberg ergänzt

1947, kurz nach der Schoa, hatten christliche und jüdische Leiter auf einer Konferenz in Seelisberg zehn Thesen formuliert, um Christen für einen entschiedeneren Einsatz im Kampf gegen Antisemitismus zu gewinnen. Nach jahrhundertelanger Judenfeindlichkeit stellte dieses Treffen einen Wendepunkt in den jüdisch-christlichen Beziehungen dar. Die ICEJ bekräftigte anlässlich der Jubiläumsveranstaltung mit sechs Zusatzpunkten, darunter die zentrale Bedeutung des Landes Israel im Judentum, das unbestreitbare Existenzrecht Israels und der Status Jerusalems als ewige und ungeteilte Hauptstadt Israels, den Auftrag von Christen weltweit, an der Seite Israels zu stehen und entschieden gegen jegliche Versuche, den jüdischen Staat zu delegitimieren, einzutreten.

Aufruf, Antisemitismus entgegenzutreten

Die Zuhörer wurden ermutigt, in die Fußstapfen der christlichen Zionisten von damals zu treten, sich aktiv an die Seite Israels zu stellen und dem wachsenden Antisemitismus entgegenzutreten. „Der Antisemitismus ist leider nicht verschwunden, er tritt heute unter dem Deckmantel der Israelkritik auf“, sagte Mojmir Kallus, ICEJ-Vizepräsident für internationale Angelegenheiten. Er verwies auf die mögliche Verurteilung Israels als „Apartheid-Staat“ während der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Karlsruhe. „So wie sich damals Christen in Seelisberg mutig gegen die jahrhundertelange antijüdische Tradition der Kirche gestellt haben, rufen wir heute zum mutigen Widerstand gegen diese neue Form der Judenfeindlichkeit auf.“

Am Schluss des langen Festakts dankte René Emmenegger den Gästen für ihr Kommen, allen Beteiligten für die interessanten Ansprachen sowie die schönen und passenden Musikdarbietungen und würdigte den großartigen Einsatz der Mitarbeiter. „Dass der Anlass überhaupt stattfinden konnte, war ein von Gott gegebenes Zeitfenster. Ihm allein gebührt die Ehre.“ Die Resolution sowie die Ansprachen der Hauptreferenten anlässlich des ICEJ-Solidaritätsanlasses „125 Jahre Zionistenkongress Basel“ sind nachzulesen auf: www.icej.ch

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