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„Willst du dich, Israel, bekehren, spricht der HERR, so kehre dich zu mir! Und wenn du deine gräulichen Götzen von meinem Angesicht wegtust, so brauchst du nicht mehr umherzuschweifen“ (Jeremia 4,1)
im hebräischen Monat Av gedenken wir einer der dunkelsten Zeiten in der Geschichte Israels. An Tisha B‘Av, dem neunten Tag des Monats Av, gedenkt das jüdische Volk der Zerstörung Jerusalems und des Tempels – zunächst durch die Babylonier unter Nebukadnezar und Jahrhunderte später durch die Römer unter Titus. Diese beiden Ereignisse, die im jüdischen Kalender auf denselben Tag fallen, sind ernste Mahnungen, die auf Gottes gerechtes Gericht hinweisen.
Der Prophet Jeremia erklärt, dass der Fall Jerusalems die Folge jahrhunderte-langer Rebellion war. Trotz Gottes geduldiger Aufrufe zur Umkehr durch Seine Propheten verharrte das Volk in Stolz und weltlichen Wegen, verlor sein Gespür für Sünde und folgte falschen Friedensversprechen.
Schließlich kam die Zeit, in der das Gericht nicht länger aufgeschoben werden konnte. Der Herr erklärte: „Selbst wenn Mose und Samuel vor mein Angesicht träten, würde ich mich diesem Volk nicht mehr zuwenden.“ (Jeremia 15,1) Selbst Israels größte Fürsprecher konnten das, was zu einem unumstößlichen Gericht geworden war, nicht mehr rückgängig machen. Jeremia bezeichnet Nebukadnezar sogar als „meinen Knecht“ (Jeremia 25,9) – als Gottes Werkzeug der Züchtigung – und erinnert uns damit daran, dass Er sogar heidnische Herrscher gebrauchen kann, um Seine souveränen Absichten zu verwirklichen.
Es gibt ein altes Sprichwort: „Gottes Mühlen mahlen langsam.“ Gott ist außerordentlich geduldig und gibt Menschen und Völkern reichlich Gelegenheit zur Umkehr. Doch Seine Geduld ist nicht unendlich. Jeremias Warnung findet ihren Widerhall im Neuen Testament, wo uns Offenbarung 13,10 daran erinnert, dass eine Zeit kommen wird, in der Gott Gericht halten wird, zuerst über die Gemeinde und dann – wie das Buch der Offenbarung deutlich macht – über die ganze Welt. In dieser Stunde werden Gläubige vor allem zwei Eigenschaften brauchen, um Überwinder zu sein: Glauben und Ausdauer.
Auch dies war Teil der Evangeliumsbotschaft der Apostel. Petrus verkündete, dass Jeschua der von Gott Bestimmte ist, „Richter der Lebenden und der Toten zu sein“ (Apostelgeschichte 10,42). Paulus rief ebenfalls alle dazu auf, vor Gott
Buße zu tun, „… denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er die Welt in Gerechtigkeit richten wird“ durch den auferstandenen Messias (Apostelgeschichte 17,31).
Der Monat Av ist daher für die Gemeinde nach wie vor von großer Bedeutung. Er erinnert uns daran, dass Gottes Gericht real ist, aber ebenso real ist seine Barmherzigkeit. Jeremia verweist wiederholt auf eine Hoffnung – die Umkehr, auf Hebräisch „Teschuwa“ (Umkehr). „Willst du dich, Israel, bekehren (umkehren), spricht der HERR, so kehre dich zu mir! Und wenn du deine gräulichen Götzen von meinem Angesicht wegtust, so brauchst du nicht mehr umherzuschweifen“ (Jeremia 4,1).
Während wir in dieser Zeit in uns gehen, laden wir den Heiligen Geist ein, unsere Herzen zu erforschen, jede verborgene Sünde aufzudecken und uns wieder neu zur Hingabe an den Herrn zurückzuführen.
Keiner von uns weiß, wie nahe wir der Erfüllung dieser prophetischen Ereignisse vielleicht schon sind, aber wir wissen, dass Gott sein Volk dazu aufruft, im Glauben, in Heiligkeit und in Erwartung zu leben. Wir müssen stets bereit sein, das ganze Evangelium treu zu verkünden, fest in der Wahrheit zu stehen und als Zeugen für den Herrn zu leuchten, bis Er wiederkommt.
Gottes Segen in Christus!
Dr. Jürgen Bühler
Präsident der ICEJ, Jerusalem
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