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Jesaja-62-Gebetsbrief März 2025

Jesaja-62-Gebetsbrief März 2025

Dr. Mojmir Kallus, Vizepräsident der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem
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„Ich jagte meinen Feinden nach und holte sie ein; ich kehrte erst um, als auch der Letzte von ihnen gefallen war.“ (Psalm 18,38)

Liebe Freunde und Gebetspartner,

ganz Israel beschäftigt derzeit die Frage, ob die Freilassung der Geiseln im Gazastreifen einen zu hohen Preis hat – die Freilassung hunderter palästinensischer Verbrecher, von denen viele Blut an den Händen haben und wieder töten wollen. Es wurden viele Argumente für und gegen das Abkommen vorgebracht. Diese Debatte wird in den jüdischen Gemeinden schon seit Jahrhunderten geführt. Tatsächlich wurde das Gebot, Gefangene auszulösen, in der halachischen Literatur ausgiebig erörtert – ein Zeichen dafür, dass solche Entführungen in der jüdischen Geschichte immer wieder stattfanden.

Der wichtigste Standpunkt wurde von Maimonides formuliert, dem sephardischen Gelehrten des 12. Jahrhunderts. Er sagte: „Es gibt kein größeres Gebot als das der Befreiung von Gefangenen.“ Er erklärte, dass „die Befreiung von Gefangenen Vorrang vor der Speisung und Bekleidung der Armen hat, da die Gefangenen zu den Hungrigen, Durstigen und Nackten gehören, die in Gefahr sind, ihr Leben zu verlieren. Und wer seine Augen davon abwendet, sie zu erlösen, verstößt gegen die Gebote `so sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten` (5. Mose 15,7) und `du sollst nicht tatenlos zusehen, wie das Blut deines Nächsten vergossen wird` ... und setzt das Gebot `Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst` (3. Mose 19,18) und viele ähnliche Gebote außer Kraft."

Es gibt jedoch eine wichtige Ausnahme, die im Talmud erläutert wird. Man zahlt kein Lösegeld für Gefangene, das ihren Wert übersteigt, wegen Tikkun Olam (für die gute Ordnung in der Welt), so heißt es dort. Denn andernfalls würden die Entführer ermutigt, weiterhin Menschen zu entführen, weil es sich lohnt.

Die Debatte in der jüdischen Tradition dreht sich um die Abwägung dieser beiden widersprüchlichen Grundsätze. Wann zahlt man mehr als den angemessenen Wert? Wie üblich gibt der jüdische Denkansatz keine eindeutige Antwort. Er zeigt lediglich das Für und Wider auf und jeder muss für sich selbst entscheiden.

In der Bibel gibt es viele Geschichten über die Rettung von Geiseln. In 1. Mose 14 rettete Abram Lot vor seinen Entführern. In 1. Samuel 30 rettete David seine Frauen und sein ganzes Lager vor den Amalekitern. Und beim Auszug aus Ägypten befreite Gott auf wundersame Weise das ganze Volk aus der Sklaverei.

Die jetzige Vereinbarung ist kein militärischer Sieg, und die Freilassung der palästinensischen Gefangenen birgt enorme Risiken, da hartgesottene Terroristen freikommen, die wahrscheinlich wieder Anschläge verüben werden. Diese Debatte betrifft also die gesamte Gesellschaft. Aber hier geht es nicht darum, den Wert von ein oder zwei Personen gegen die Risiken für die Gemeinschaft abzuwägen. Auch die Geiseln sind in ernster Gefahr und sie aufzugeben wäre für die gesamte Gemeinschaft ein unerträglicher Schmerz.

Für Christen klingt der Rat von Maimonides ähnlich wie die Worte Jesu in Matthäus 25,35ff. Jesus betrachtet jeden „Gefangenen“ als seinen Bruder oder seine Schwester, und diejenigen, die um das Schicksal der Gefangenen ringen, tun es für ihn.

Lasst uns für die israelische Gesellschaft beten, die mit diesem schweren Dilemma konfrontiert ist. Bitten Sie darum, dass alle Geiseln sicher nach Hause kommen, während der Herr das Volk Israel vor weiterem Schaden durch die skrupellosen Feinde bewahrt.

Gottes Segen aus Jerusalem!

Dr. Mojmir Kallus
Vizepräsident der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem

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