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„Da sprach der HERR zu Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag bedarf, dass ich’s prüfe, ob es in meinem Gesetz wandle oder nicht." (2. Mose 16,4)
Liebe Gebetspartner,
im hebräischen Monat Ijar gibt es zwar kein markantes biblisches Fest wie Pessach oder Schawuot. Aber dieser Monat ist voller Ereignisse, die lange Übergangsprozesse einleiteten: den Bau des Tempels, langwierige Wanderungen durch die Wüste – und die Wiedergeburt des modernen Israels. Viele dieser Ereignisse sind nicht spektakulär, sondern administrativer Natur, wie zum Beispiel die Volkszählung. Sie erforderten eher Ausdauer als Begeisterung.
Die erste Manna-Gabe veranschaulicht diese Wahrheit. Zunächst war Manna etwas Außergewöhnliches, eine übernatürliche Versorgung, die täglich vom Himmel regnete. Doch mit der Zeit wurde das Wunder zur Routine. Das Aufregende wurde eintönig. Was einst mit Dankbarkeit empfangen wurde, stellte schließlich die Geduld Israels auf die Probe und offenbarte ihre wahren Herzen.
Von Anfang an machte Gott deutlich, dass er Israel „prüfen“ wollte, ob es nach seinen Gesetzen leben würde (2. Mose 16,4). Das Manna war nicht nur Versorgung, sondern auch eine Prüfung.
4. Mose 11,4-6 berichtet vom Wendepunkt: „Da fingen auch die Israeliten wieder an zu weinen und sprachen: Wer wird uns Fleisch zu essen geben? Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, und an die Kürbisse, die Melonen, den Lauch, die Zwiebeln und den Knoblauch. Nun aber ist unsere Seele matt, denn unsere Augen sehen nichts als das Manna.“
Mose erklärte später Gottes Absicht hinter dieser täglichen Versorgung. „Und gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.“ (5. Mose 8,2-3)
Das Manna versorgte eine große Menschenmenge mit körperlicher Nahrung, damit sie die Wüste überleben konnte. Aber in geistlicher Hinsicht sollte die festgelegte Routine den Charakter formen. Vor Sonnenaufgang aufzustehen, um es zu sammeln, 40 Jahre lang jeden Tag dasselbe zu essen und auf Gottes tägliche Versorgung zu vertrauen, zwang Israel, sich mit Fragen des Vertrauens, der Dankbarkeit, der Ausdauer und des Gehorsams auseinanderzusetzen. Viele bestanden die Prüfung nicht. Sie murrten und lehnten sich gegen Gott und seinen Führer auf.
4. Mose 11,7 vergleicht das Manna mit Koriandersamen, anzusehen wie Bedolachharz. Raschi vergleicht es mit einer Perle, die entsteht, wenn ein Fremdkörper in eine Auster eindringt. Mit der Zeit umhüllt die Auster den Gegenstand Schicht für Schicht, bis etwas Schönes entsteht. Das tägliche Manna war wie dieses Sandkorn. Es rieb an Israels Verlangen nach Neuem, Kontrolle und Überfluss. Doch wenn es im Glauben empfangen wurde, brachte es kostbare Demut, Geduld und Vertrauen auf Gott hervor.
Der Monat Ijar spricht somit eindringlich von Zeiten des Übergangs, in denen Gott bereits etwas begonnen hat, die Erfüllung aber noch vor uns liegt. Treue findet sich nicht nur in Momenten geistlicher Begeisterung oder außergewöhnlicher Begegnungen. Sie zeigt sich im Gehorsam ohne Beifall, in der täglichen Disziplin im Wort Gottes und im täglichen Vertrauen auf Gott. Wie Charles Spurgeon einmal sagte: „Wir sind undichte Gefäße und müssen jeden Tag neu gefüllt werden.“
In einer Welt, die von ständiger Stimulation und sofortiger Befriedigung durchdrungen ist, ruft uns Ijar zurück zur stillen Treue der täglichen Abhängigkeit. Es ist dieser routinemäßige Gehorsam und die beständige Aufnahme des himmlischen Brotes, die Perlen göttlichen Charakters formen.
Lasst uns diesen Monat treu das Manna sammeln.
Gottes Segen aus Jerusalem,
Dr. Jürgen Bühler
Präsident der ICEJ
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