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Die dunklen Seiten von Nizäa

1700. Jahrestag des Konzils von Nizäa
Dr. Jürgen Bühler, ICEJ-Präsident
Ein Holzkreuz mit geschnitzter Jesus-Figur. Am Kreuz wurden ein paar kurze Weidenkätzchenzweige festgemacht.

Diesen Sommer jährt sich ein entscheidender Moment der Kirchengeschichte: Der 1700. Jahrestag des Konzils von Nizäa. Ein Ereignis, bei dem grundlegende Wahrheiten wie die göttliche Natur Christi festgehalten wurden, aber auch ein schmerzhafter Bruch zwischen Kirche und dem jüdischen Volk entstand.

Im Gegensatz zum ersten apostolischen Konzil in Apostelgeschichte 15, bei dem die jüdischen Gläubigen den Heiden die Türen zum Glauben öffneten, begann die Kirche mit Nizäa sich von ihren jüdischen Wurzeln zu trennen. Diese Veränderung beruhte nicht auf apostolischer Autorität, sondern auf kaiserlicher Intervention. Kaiser Konstantin strebte durch einen Bruch mit jüdischen Bräuchen und jüdischem Einfluss politische Einheit in seinem Reich an. Es wurde ein neuer Kirchenkalender eingeführt, der bewusst die Verbindung zu Pessach und anderen wichtigen biblischen Festen trennte.

Das Vermächtnis von Nizäa legte den Grundstein für eine jahrhundertelange antijüdische Haltung im Christentum. In einem Brief an die Kirchen schrieb Konstantin, es sei eine Pflicht der Kirche, sich „von der abscheulichen Gemeinschaft“ zu trennen und „nichts gemeinsam“ zu haben „mit dem äußerst feindlichen Pöbel der Juden“

Diese und weitere Schriften führten zu einer theologischen Voreingenommenheit, welche durch die Jahrhunderte hindurch nachhallen sollte. Spätere Konzile, Schriften und Urteile, welche die jüdisch-christliche Gemeinschaft verboten, vertieften die Kluft weiter. Der Antisemitismus gipfelte schließlich in den Tragödien der Kreuzzüge und dem Holocaust.

Im Gegensatz zu Paulus klarer Lehre, das Juden „Geliebte um der Väter willen“ sind (Römer 11,28), nahm die Kirche einen Geist der Ablehnung und Verachtung gegenüber Juden an – obwohl wir ihnen sowohl unseren Messias als auch unsere Heilige Schrift verdanken.

Deshalb rufen wir Gläubige in der ganzen Welt dazu auf, gemeinsam mit uns 100 Tage lang zu beten und zu fasten: Vom 18. Mai bis zum 24. August, dem ungefähren Zeitraum des Konzils von Nizäa.

Während dieser Zeit laden wir Sie ein, für die guten Früchte des Konzils zu danken, aber auch für die Heilung der historischen Wunden zu beten, die das Konzil beim jüdischen Volk verursacht hat.

Es geht nicht darum, während der gesamten 100 Tage zu fasten, aber bitte wählen sie einige Tage aus, an denen Sie fasten und sich so unserer weltweiten Gebets- und Fastenkette anschließen.

Schließen Sie sich dem täglichen, internationalen Gebet (Englisch) an: on.icej.org/ICEJGlobalPrayer oder dem nationalen Gebet unseres deutschen Zweigs. Immer am Montag, Mittwoch und Freitag um 19.30 Uhr.

Wir werden uns mit den Themen Reue, Erinnerung, Versöhnung und Wiederherstellung befassen und darauf vertrauen, dass Gott neue Erweckung und Heilung bringen wird.

Lasst uns, wie einst Daniel, für die Sünden unserer Vorfahren im Glauben Buße tun. Erinnern wir uns sowohl an die Segen, wie auch den Fluch von Nizäa. Lasst uns in der Fürbitte für eine tiefere Versöhnung zwischen Christen und Juden eintreten. Und lasst uns beten für die Bekehrung der Herzen zwischen den Vätern und den Kindern, wie es in Maleachi 3,24 verheißen ist. Möge dieser Aufruf zum Gebet eine erneuerte Liebe zu Israel, ein klareres Verständnis unseres gemeinsamen geistlichen Erbes und eine Kirche hervorbringen, die ihre jüdischen Wurzeln voll und ganz annimmt und gleichzeitig fest in der Wahrheit Christi steht.

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