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Nicht nur die Sonne erwärmte ihre Herzen: Jüdische Einwanderer aus der Ukraine und anderen Ländern erfuhren kurz nach dem Laubhüttenfest liebevolle Zuwendung und praktische Unterstützung – von für sie völlig fremden Menschen. Manche rührte das so sehr, dass sie in Tränen ausbrachen.
Die niederländischen ICEJ-Direktoren Jacob und Hennie Keegstra begleiteten Nicole Yoder, ICEJ-Vizepräsidentin für Hilfeleistungen und Alijah, und deren Assistentin Jannie Tolhoek in die israelische Stadt Yokneam, südlich von Haifa. Sie hatten liebevoll vorbereitete Carepakete und Geschenkgutscheine für 40 Einwandererfamilien im Gepäck. Jacob und Hennie überreichten auch besondere Grußkarten mit Segenswünschen holländischer Christen. Diese persönliche Note ließ bei vielen die Tränen fließen.
Der stellvertretende Bürgermeister von Yokneam, Roman Peres, begrüßte das ICEJ-Team herzlich und berichtete, dass seine Stadt seit dem Kriegsausbruch im Februar 250 Einwandererfamilien aufgenommen hätte. Obwohl die Stadt schon immer Einwanderer empfangen hat, ist es für sie eine neue Herausforderung, geflüchtete Neubürger willkommen zu heißen, die unvorbereitet auf die Flucht gehen und alles hinter sich lassen mussten. Ältere Menschen und Kinder kamen mit Müttern nach Israel, die ihre Ehemänner und andere Angehörige zurücklassen mussten.
Peres erzählte, wie sein Büro in den Anfangstagen des Krieges Bitten um Hilfe für Einwanderer auf der Flucht erhielt, die auf dem Weg nach Israel waren. Als erstes kam ein Hilfsgesuch von einer alleinerziehenden Mutter, die mit ihrem Kind und zwei Taschen nach Budapest geflohen war. Sie kaufte ein Flugticket nach Israel, wurde jedoch aufgehalten, weil sie nicht rechtzeitig ein PCR-Testergebnis vorlegen konnte. Peres konnte mit den zuständigen Behörden sprechen und innerhalb von Minuten saß diese Mutter im Flieger. Dann rief eine weitere Frau weinend bei ihm an, da sie nicht die erforderliche tierärztliche Bescheinigung für ihre Katze vorweisen konnte, um das Flugzeug zu besteigen. Viele Hindernisse mussten in diesen ersten chaotischen Tagen überwunden werden, damit die Menschen mit dem Wenigen, was sie besaßen, so schnell und reibungslos wie möglich einreisen konnten.
Auch heute gibt es noch Herausforderungen, allerdings anderer Art. Arbeitsplätze und Unterkünfte werden benötigt, zusätzlich zur Grundausstattung für ein neues Zuhause. Auch viele Traumata müssen überwunden werden. Zahlreiche Familien brauchen psychologische Betreuung, insbesondere für Kinder und Menschen mit Behinderungen. Manche Kinder erfuhren kurz nach ihrer Landung in Israel, dass ihre alte Schule zerstört und Freunde umgekommen waren.
Wenn Neueinwanderer nach Israel kommen, werden viele anfangs in Hotels untergebracht. Die Stadt Yokneam schickte ein Team in die Hotels, um die Neuankömmlinge in ihre Stadt einzuladen. Dann setzten die Stadtvertreter alles daran, dass sich die ukrainischen Juden willkommen fühlten und halfen ihnen, heimisch zu werden.

Als das ICEJ-Team begann, die Carepakete an die Neuankömmlinge zu verteilen, stellte es bewegt fest, dass sich unter den Älteren mehrere Holocaustüberlebende befanden, die schon einmal während des Zweiten Weltkriegs aus der Ukraine geflohen waren.
Georgi (89) wurde in der Ukraine geboren und überlebte den Holocaust. Als die Nazis einmarschierten, floh er mit seiner Mutter und seinen Brüdern in Richtung Osten. Dabei ließen sie seinen Vater zurück, der Soldat war. Während des Krieges wurde ihre Heimatstadt zerstört. Nach dem Krieg kehrten sie zurück und fingen wieder von vorne an. Georgi arbeitete 40 Jahre lang als bekannter Arzt und Dozent in der Ukraine.
Leider scheint sich die Geschichte für Georgi in seinem hohen Alter zu wiederholen: Wieder musste er fliehen, zunächst nach Kiew und von dort nach Israel. Doch dieses Mal ging er allein auf die Flucht, da seine Frau bereits verstorben war.
Bürgermeister Peres begegnete Georgi zum ersten Mal in einem Hotel für Neu-einwanderer in Tel Aviv. Er beschrieb ihn als einen Mann im Anzug mit nur einer kleinen Tasche – und einem unendlich traurigen Gesicht. Schon bevor der Einbürgerungsprozess abgeschlossen war, bot die Stadt Yokneam an, sich um Georgi zu kümmern. Sie gab ihm eine Wohnung und half ihm, sich einzuleben. Georgi bedankte sich von Herzen für die Unterstützung der Christen aus den Niederlanden und der ganzen Welt. Er war so dankbar für das Carepaket, dass er Nicole Yoder mehrfach umarmte, da ihm die Worte fehlten.
Wir trafen auch Olga, eine heimkehrende Israelin, die ihre betagten Eltern, beide Holocaustüberlebende, in Sicher-heit gebracht hatte. Ihr Vater (90) und ihre Mutter (86) haben eine ähnliche Geschichte wie Georgi. „Von Anfang an hat uns Israel mit allem geholfen. Auch an der Grenze, dort gab es medizinisches Personal. Sie waren sehr hilfreich. Es ist gut, hier zu sein“, sagte Olga.
Meira, die vor nur 20 Tagen aus der Ukraine gekommen war, erzählte von ihren traumatischen Fluchterfahrungen, während ihr die Tränen über die Wangen liefen. Zunächst blieb sie in Charkiw. Doch da die Angriffe und Explosionen sehr nah stattfanden und sie nur einen Tisch hatte, unter dem sie Schutz suchen konnte, wurde ihr bewusst, dass sie in eine andere Stadt fliehen musste. Eine Fahrt von normalerweise sechs Stunden dauerte drei Tage. Trotz des herzlichen und liebevollen Empfangs dort wusste sie, dass ihr eigentlicher Bestimmungsort Israel ist. „Eines Tages begriff ich, dass Israel auf mich wartet“, sagte Meira. „Ich fühlte mich, als hätte ich Flügel – ich musste nach Israel. Daher wandte ich mich an die Jewish Agency und reiste weiter nach Polen, wo ich endlich einen Flug nach Israel bekam. Hier möchte ich für den Rest meines Lebens bleiben.“
Als Nicole von den Christen auf der ganzen Welt berichtete, die Israel lieben und ihre Fürsorge und Unterstützung für das jüdische Volk ganz praktisch zeigen wollen, fing Meira an zu weinen und schickte Nicole kleine Herzgesten von der anderen Seite des Raumes. „Ich erzählte den Menschen, wer wir sind, warum wir gekommen sind und wie leid es uns tut, was sie in den letzten Monaten durchmachen mussten“, sagte Nicole später. „Zusätzlich zu dem Beitrag, den wir zu den Flug-, Evakuierungs- und Hotelkosten leisten konnten, sollen sie wissen, dass wir an sie denken und ihnen mit diesem Geschenk helfen wollen, hier im Land heimisch zu werden. Wir haben sie willkommen geheißen und gesegnet, damit sie ein gutes Leben in Israel beginnen können.“
„Die meisten von ihnen erzählten uns, dass sie nicht geplant hatten, Alijah zu machen“, fügte Nicole hinzu. „Doch manche hatten zu einem früheren Zeit-punkt davon geträumt oder es in Erwägung gezogen, allerdings damit nicht ernst gemacht – bis es zu dieser unerwarteten Wendung kam.“ „Eines Tages wachen wir auf und es ist Krieg – und eine geopolitische Situation ist entstanden, die wir nicht vorhergesehen haben. Hier sind wir nun, in einem globalen Dorf. Plötzlich verändern sich die Prioritäten und alles andere – über Nacht“, erklärte Peres. „Ohne Partner hätten wir das nicht bewältigen können. Vielen Dank, dass die ICEJ ein solcher Partner ist.“