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Neue ukrainische Bewohner und Abschied im Haifa-Heim

Neue ukrainische Bewohner und Abschied im Haifa-Heim

Hilfe für Holocaustüberlebende
Yudit Setz
eine ältere Dame hält in ihrer rechten Hand eine israel-Fahne, in der linken ein schwarze Mappe mit einer Menora eingeprägt

Im Heim der ICEJ für bedürftige Holocaustüberlebende in Haifa haben wir in den letzten Monaten 15 Überlebende, die aus der Ukraine fliehen mussten, aufgenommen und uns über neue Mitarbeiter gefreut. Der Abschied von unseren jungen deutschen Helferinnen Kathlin und Steffi fiel uns dagegen schwer, sie fehlen uns sehr.

Einzug ins neue Gebäude

Nach langen bürokratischen Verzögerungen ist nun endlich der Fahrstuhl in das neue Gebäude, das vom Deutschen Zweig der ICEJ gekauft wurde, eingebaut worden. Einige unserer neuen ukrainischen Bewohner sind bereits eingezogen. Maja und Anatoli wollten ihr Heim in der Ukraine eigentlich nicht verlassen. Aber als die Kämpfe näherkamen und Schützengräben rings um ihr Grundstück ausgehoben wurden, wussten sie: Es ist Zeit zu gehen. Über Nacht packten sie ihr Leben zusammen und waren am nächsten Morgen für die Abreise bereit. Sie mussten viele Straßensperren passieren. über Charkiw ging es mit dem Bus in die Republik Moldau, wo ihre Dokumente bearbeitet wurden, bevor sie nach Israel flogen. Anfangs nahm sie ihr Sohn, der bereits in Haifa lebt, auf, doch kurze Zeit später waren sie die ersten Bewohner unseres neuen Gebäudes im Haifa-Heim. „Wir fühlen uns so willkommen und geliebt“, wiederholte Maja immer wieder. „Hier kümmern sie sich wunderbar um uns, wir sind sehr glücklich, hier zu sein.“

Erneut Kriegsflüchtlinge

Natalias Familie musste bereits im Zweiten Weltkrieg aus Odessa fliehen, als die Nazis einmarschierten. Sie erinnert sich noch deutlich an die beständige Angst. Die Familie kehrte nach Kriegsende in die Stadt zurück. Sie heiratete, doch ihr Mann ist inzwischen gestorben. Als Russland im Februar die Ukraine angriff, galt der Hafen von Odessa als ein Hauptziel. „Aber ich konnte mir nicht vorstellen, die Stadt zu verlassen“, sagte Natalia. Doch der Krieg stürzte sie in ständige Angst, zudem gab es nur wenige Luftschutzbunker für Zivilisten. So beschloss sie, nach Israel zu fliehen. „Ich habe das Gefühl, mein Vater hätte mir dabei geholfen“, weinte sie. „Obwohl er ein schweres Leben hatte, schaffte er es immer, die Familie zu beruhigen.“ Natalia ist sehr dankbar für die Fürsorge im Haifa-Heim, aber in ihrem Alter ist es nicht leicht, neu anzufangen. „Alle meine Freunde, mein ganzes Leben ist in der Ukraine“, vertraute sie uns an. „Ich bin nicht sicher, ob Israel mein neues Zuhause sein kann, das wird die Zeit zeigen.“

Zeit der Eingewöhnung

Unsere neuen Bewohner, die zugleich betagte Neueinwanderer sind, brauchen viel Zeit, um sich einzuleben und an ihr neues Umfeld zu gewöhnen. Das Trauma der plötzlichen Entwurzelung aus ihrem Heimatland, in dem sie so viele Jahre gelebt und sich ein Leben aufgebaut hatten, ist noch sehr frisch. Sie mussten fast alles zurücklassen. Der andauernde Krieg in der Ukraine, der Tod und Zerstörung bringt, lässt sie oft in Tränen ausbrechen. Unsere Mitarbeiter kümmern sich liebevoll um sie und helfen ihnen. Sie kaufen beispielsweise mit ihnen Kleidung und Schuhe oder nehmen sie in ein Möbelhaus mit, um eine bequeme Matratze auszusuchen. Durch die Fürsorge, Besorgungen und Ausflüge gewöhnen sich die ukrainischen Bewohner langsam ein.

Neue Mitarbeiterinnen

Wir sind sehr froh, dass Tanja seit einiger Zeit im Haifa-Heim arbeitet. Sie ist 1999 aus der Ukraine eingewandert und spricht die Sprache fließend. Außerdem kennt sie die Herausforderungen eines Umzugs nach Israel. Tanja hilft den neuen Bewohnern bei der Erledigung aller Einwanderungsformalitäten und begleitet sie zu Ärzten. „Ich helfe ihnen bei wichtigen und kleinen Dingen”, erklärte Tanja. „Dazu gehört auch, bei ihnen zu sitzen und zuzuhören, damit sie sich nicht allein fühlen. Ich möchte ihnen das Gefühl geben, dass sie zu Hause sind und eine neue Familie haben, die sich um sie kümmert.“ Außerdem haben wir gerade Ella in unser christliches Helferteam aufgenommen. Mit Russisch und Rumänisch ist sie zweisprachig aufgewachsen. Weil sie in den letzten Jahren in Israel studierte, hat sie auch Hebräisch gelernt. Als Hilfskrankenschwester für unsere russischsprachigen Bewohner ist Ella eine perfekte Ergänzung und Gebetserhörung!

Abschied von Kathlin und Steffi

zwei junge Frauen haben eine älterem Dame in ihrer Mitte stehen. Alle lächeln fröhlich

Die herzliche, tränenreiche Verabschiedung von Kathlin und Steffi, den jüngsten Mitgliedern unseres christlichen Helferteams im Haifa-Heim, fand während unseres wöchentlichen Tanzabends statt. Neun Monate lang kümmerten sich die beiden 19-Jährigen aus Deutschland liebevoll um unsere Holocaustüberlebenden. Ihr Lächeln und ihr jugendlicher Schwung brachten Leben in ihren Alltag und machten den Bewohnern viel Freude. Kathlin und Steffi besuchten sie jeden Tag und halfen ihnen beim Putzen, bei Besorgungen, Arztbesuchen und vielem mehr. „Wir werden euch sehr vermissen“, sagte Sofie. „Ihr seid Teil unserer Familie geworden!“ Für die beiden jungen Frauen war die Zeit im Haifa-Heim eine wertvolle Erfahrung. „Als junge Leute sind wir oft mit unseren Handys und Social Media beschäftigt“, erklärte Kathlin. „Hier habe ich gelernt, wie wunderbar es ist, sich Zeit zu nehmen, um Beziehungen aufzubauen, zuzuhören und von älteren Menschen zu lernen.“ Steffi sagte mit Tränen in den Augen: „Ihr wurdet für uns zu Omas und Opas. Ich werde euch vermissen!“

(Foto: Natalia erhält ihren israelischen Ausweis)

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