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Rosch Chodesch wird in der Bibel häufig zusammen mit Festen wie Pessach, Pfingsten oder dem Laubhüttenfest erwähnt. Diese werden Moedim genannt – ein Begriff, der sich als „festgesetzte Zeiten“ übersetzen lässt: Gott verabredet sich mit seinem Volk. Er sagt, dass er zuhören wird; dass er unsere Gebete annehmen wird. Es ist eine Zeit, sich Gott zu nähern. Ein ähnliches Konzept finden wir im Griechischen des Neuen Testaments im Wort Kairos.
Als Christen wissen wir natürlich, dass Gott jederzeit zuhört. Jesus sagte, dass dort, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, er mitten unter ihnen sei (Matthäus 18,20). Jakobus fordert uns heraus, uns Gott zu nahen. Dann werde Er sich uns nahen (Jakobus 4,8). Paulus sagt, wir sollen ohne Unterlass beten (1. Thessalonicher 5,17). Wir sind an keinen bestimmten Ort und keine bestimmte Zeit gebunden, denn der Geist ist immer gegenwärtig: Er bleibt bei uns und ist in uns (Johannes 14,17). Wir dürfen niemals aus dem Blick verlieren, dass Jesus durch sein Blut einen neuen und lebendigen Weg geöffnet hat, damit wir in das Allerheiligste eintreten können (Hebräer 10,19–20). Dennoch können wir aus dem biblischen Konzept der festgesetzten Zeiten lernen. Wenn wir verstehen, was Gott damit beabsichtigte, können wir diese Einsicht nutzen, um unser geistliches Leben zu vertiefen.
Beginnen wir mit der Definition von Rosch Chodesch, wie wir sie im Tanach² finden:
„Aber an euren Freudentagen, es sei an euren Festen oder an euren Neumonden, sollt ihr in die Trompeten stoßen bei euren Brandopfern und euren Friedensopfern, damit an euch gedacht wird vor eurem Gott; ich, der HERR, bin euer Gott.“ (4. Mose 10,10)
Hier wird der Neumond ein „Freudentag“ genannt und zusammen mit den Festen erwähnt. Beide richten sich nach dem Mondkalender: dem Neumond und dem Vollmond. Kennzeichnend sind Freude, das Blasen der Schofars und Opfer. Das sogenannte Friedensopfer oder auch Heilsopfer ist im Grunde eine Feier im Namen des Herrn: Die Menschen brachten ein Tier dar und aßen und tranken in geordneter Weise.
In der Antike hatte öffentliches Essen fast immer eine religiöse Bedeutung. Speisen wurden einer Gottheit geweiht. Einen Hinweis darauf finden wir auch im Neuen Testament, wenn Paulus den Korinthern erklärt, ob sie Fleisch essen dürfen, das Götzen geopfert wurde. Die Bibel legt deshalb im Zusammenhang mit den Friedensopfern fest, wie die Israeliten Fleisch in angemessener Weise essen und dabei den Herrn anerkennen konnten. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Gefahr des Götzendienstes bestand, wenn Israeliten die Praktiken der umliegenden Völker übernahmen. Mit anderen Worten: Wir dürfen essen und trinken – aber wir sollen es in der richtigen Weise tun.
Ein Beispiel für eine solche Neumondfeier finden wir in 1. Samuel 20. Dort wird die Geschichte von David und Jonathan erzählt. König Saul wollte David töten, der damals sein Heerführer war, weil er dessen Beliebtheit beim Volk fürchtete. Wie man in diesem Kapitel lesen kann, stand ein Neumondfest bevor, und der König veranstaltete ein Festmahl. David blieb fern unter dem Vorwand, er gehe nach Hause, um mit seiner Familie zu feiern – ebenfalls ein Fest im Zusammenhang mit Opfern. Jonathan gab ihm dann ein Zeichen, indem er Pfeile abschoss, und David wusste, dass er fliehen musste.
Das Beispiel zeigt, wie ein solcher Freudentag aussah: Man aß und trank gemeinsam. Das galt sowohl für den Neumond als auch die Feste. Oft werden zu solchen Anlässen besondere Mahlzeiten mit symbolischer Bedeutung gegessen: das ungesäuerte Brot, die symbolischen Speisen oder die vier Becher Wein beim Pessach-Seder; Milchprodukte zu Schawuot oder Äpfel in Honig getaucht an Rosch HaSchana. Auch in jüdischen Familien werden jeden Freitagabend Brot und Wein gereicht, um den Schabbat zu begrüßen.
In einer Stelle bei Hesekiel wird neben Rosch Chodesch noch ein weiterer Festtag erwähnt:
„Das Tor des inneren Vorhofs, das gegen Osten sieht, soll während der sechs Werktage geschlossen bleiben; aber am Sabbattag und am Tag des Neumonds soll es geöffnet werden.“ (Hesekiel 46,1)
Schabbat und Neumond stehen hier auf einer Ebene. Auch an vielen anderen Stellen der Schrift werden der Schabbat, die Feste und Rosch Chodesch gemeinsam erwähnt.
Mojmir Kallus ist in der Tschechoslowakei in einer säkularen Familie geboren und aufgewachsen. Während seines Mathematikstudiums an der Karls-Universität in Prag fand er zum Glauben. Nach seinem Abschluss arbeitete er als Übersetzer und Dolmetscher. Mehr als 30 Jahre lehrte und predigte er in Kirchen, besonders über die biblische Bedeutung Israels und Beziehungen zwischen Christen und Juden.
1995 gründete er den tschechischen Zweig der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ).
Heute ist er als Vizepräsident für internationale Angelegenheiten bei der ICEJ in Jerusalem tätig.
Leseauszug aus dem Buch „Rosh Chodesh - Biblische Einblicke in den jüdischen Kalender für Christen“ von Mojmir Kallus
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