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Ruth Michel im Gespräch mit Lehrer- und Schülerschaft

Ruth Michel im Gespräch mit Lehrer- und Schülerschaft

eine ältere Dame sitzt an einem Tisch mit Mikrofon. Sie hält Blätter in der Hand

Wie reagieren die Menschen in Ihrem Umfeld auf Ihre Geschichte?

Es spricht mich niemand darauf an. Keiner sagt: „Erzähl‘ doch mal.“ Nichts. Ist es Feigheit? Desinteresse? Ich weiß es nicht.

Halten Sie es für denkbar, dass deutsche Bürger von den Verbrechen der Nazis während des Holocaust nichts mitbekommen haben?

Die Deutschen haben nicht gefragt: „Wo sind eigentlich meine Nachbarn geblieben?“ Niemand hat sich darum gekümmert. Stattdessen hat man ihre Güter geklaut und ihre Wohnungen besetzt. Jeder hat es gewusst.

Können Sie mittlerweile gegenüber der deutschen Gesellschaft öffnen und über alles sprechen?

Ich habe gelernt, immer Vorsicht walten zu lassen. Nur bei Schulvorträgen oder Veranstaltungen wie dem Marsch des Lebens in Tübingen spreche ich offen.

Studien zufolge hegen heutzutage rund 25% der deutschen Bevölkerung klare antisemitischen Ressentiments. Was können wir als Gesellschaft tun, um dem entgegenzuwirken?

Antisemitismus war hierzulande nie versiegt, sondern kann immer wieder geweckt werden. Allein hat man wenig Macht, dagegen vorzugehen. Wichtig ist, jeden Vorfall zur Anzeige zu bringen.

Was erwarten Sie von Menschen in unserem Land, die Verantwortung für die nächste Generation haben?

Dass Sie Leute wie mich einladen und die Thematik in Ihrem Schulunterricht platzieren.