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Rund 100 Juden und Christen gedachten am diesjährigen Internationalen Holocaustgedenktag bei einem von der ICEJ initiierten Gedenkgottesdienst in Stuttgart der sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust. Die beiden Zeitzeuginnen Ruth Michel-Rosenstock (Stuttgart) und Eva Erben (Israel) erzählten ihre Überlebensgeschichten.
„Gedenken muss etwas verändern“, sagte Hanna Veiler, Vizepräsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland. Für sie als Jüdin in Deutschland sei jeder Tag ein Gedenktag. Es reiche jedoch nicht, dass immer nur gedacht werde. Gemeinsam mit Carina Rieger, Jugendreferentin und Bildungsbeauftragte der ICEJ-Deutschland, legte sie im Beisein einer Delegation der Max- Eyth-Schule Stuttgart am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus einen Kranz nieder. Kantor Nathan Goldman betete das jüdische Gebet „El male rachamim“ („Gott voller Erbarmen“), das mit ergreifenden Worten an die sechs Millionen in der Schoa ermordeten Juden erinnert. Beim anschließenden Gedenkgottesdienst im Weißen Saal im Neuen Schloss Stuttgart las Stephan Lehnert, Geschäftsführer der ICEJ-Deutschland, den Bibeltext aus Joel 1,2-3 vor: „Hört dies, ihr Ältesten, und merkt auf, alle Bewohner des Landes, ob solches geschehen sei zu euren Zeiten oder zu eurer Väter Zeiten! Sagt euren Kindern davon, und lasst’s eure Kinder ihren Kindern sagen und diese wiederum ihren Nachkommen.“
Gottfried Bühler, Erster Vorsitzender der ICEJ-Deutschland, erinnerte an die Wannsee-Konferenz vor 80 Jahren, auf der „gebildete, teils christlich-religiös erzogene Menschen“ den Massenmord an den europäischen Juden planten. „Wie konnte dies in dem Land, in dem der Buchdruck erfunden und das erste Buch der Welt – die Bibel – gedruckt wurde, geschehen?“, fragte Bühler. Der Judenhass sei nicht erstmals 1933 aufgetreten, sondern habe vor 1900 Jahren seinen Anfang genommen, als sich der christliche Glaube aus der Verankerung seiner jüdischen Wurzel herauslöste. So habe Melito, Bischof von Sardes, ca. 160 n. Chr. den ersten Teil der Bibel mit der Bezeichnung „Altes Testament“ für überholt erklärt, das jüdische Volk des „Gottesmordes“ bezichtigt und als „entwertet“ abgetan. „Damit war eine absolute Abwendung vom Judentum verbunden“, erklärte Bühler. Jahrhunderte des Judenhasses bereiteten den Nährboden für den Holocaust.

Die Zeitzeugin Ruth Michel-Rosenstock (93) berichtete, wie sie im Dorf Mykulytschyn (heute Ukraine) den Holocaust überlebte. Ihre Familie war 1935 aus ihrer Heimatstadt Königsberg dorthin geflohen. Nach dem Einmarsch der Deutschen 1941 erlitt die jüdische Bevölkerung von Mykulytschyn unbeschreibliche Repressalien und Entrechtung. Wenige Monate später wurden alle Juden im Dorf, insgesamt 205 Männer, Frauen und Kinder, verhaftet, zu einem frisch ausgehobenen Massengrab transportiert und per Genickschuss ermordet. Auch Michel-Rosenstocks Vater war eines der Opfer. Der damals 13-Jährigen gelang mit ihrer Mutter und jüngeren Schwester die Flucht. Mehrmals entgingen sie nur knapp der Verhaftung durch die Nazis. Immer wieder ereilte sie „aus dem Nichts heraus plötzlich eine so große, völlig unerwartete Hilfe“ seitens fremder Menschen. Nach einem halben Jahr Flucht kehrten sie nach Königsberg zurück, wo sie bei Michel-Rosenstocks christlicher Großmutter das Kriegsende erlebten.
Die 91-jährige Auschwitz-Überlebende Eva Erben grüßte die Gottesdienstteilnehmer in einer vorab aufgezeichneten Videobotschaft. Die ursprünglich aus Prag stammende Erben überlebte die deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager Theresienstadt, Auschwitz und Groß-Rosen sowie einen Todesmarsch. Als Einzige ihrer Familie überlebte sie das Grauen der Nazi-Zeit. Nach Kriegsende wanderte sie nach Israel aus, wo sie sich ein neues Leben aufbaute. Jeden Tag erinnere sie sich an die Schoa, beschrieb Erben. „Ich lebe mit ihr, seit Jahren. Die Schoa ist ein Teil von mir.“


Maren Steege, Repräsentantin in Baden-Württemberg, Generalkonsulat des Staates Israel für Süddeutschland, erinnerte angesichts der sechs Millionen ausgelöschten Leben an „das Potenzial, das sich hätte entfalten können, die Leben, die hätten gelebt werden können, und die Geschichten, die hätten erzählt werden können.“ Dennoch hätten Israel und Deutschland sich die Hand gereicht und gestalteten nun gemeinsam eine Vision für die Zukunft. Daniel Schönberger, Repräsentant der Reuth-Kliniken in Israel, überbrachte ein Grußwort. Es wurden auch ein Brief von Michael Kashi, IRGW-Vorstandsmitglied, sowie die bewegende Überlebensgeschichte der Stuttgarter Jüdin Hannelore Marx (geb. Kahn) vorgelesen. Für die musikalische Umrahmung sorgten der Pianist Michael Schlierf und der Sänger Stevenson Pierre.

Nach dem Gottesdienst berichtete der 12-jährige Lukas: „Ich fand es sehr spannend, zu hören, was Ruth Michel-Rosenstock in ihrer Kindheit erlebt hat.“ Noah (9) war besonders vom Gebet des Kantors berührt. „Man spürte wirklich die Gefühle, die er in das Gebet reingesetzt hat. Und Eva Erben hat so viel Schreckliches erlebt und ist trotz allem ein so fröhlicher und humorvoller Mensch.“
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