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Stellungnahme der Evangelischen Allianz zu 80 Jahre Kriegsende

Stellungnahme der Evangelischen Allianz zu 80 Jahre Kriegsende

ein Stein auf dem steht: Nie wieder. Im Hintergrund ist Stacheldraht, eine Hand hält eine weiße Rose auf die Steintafel

Die Evangelische Allianz in Deutschland gedenkt anlässlich des 80. Jahrestages des
Endes des Zweiten Weltkriegs und des Sieges über den Nationalsozialismus der Opfer
und betont die Notwendigkeit, die Erinnerung zu bewahren und Verantwortung zu tragen.

Wir führen uns vor Augen: Endlich schwiegen am 8. Mai vor 80 Jahren die Waffen in Europa. Die erschütternde und schier unvorstellbare Zahl von etwa 60 Millionen Toten im 2. Weltkrieg war zu beklagen. Und nicht nur Deutschland lag in Schutt und Asche - viele Teile Europas, um nur von unserem Kontinent zu sprechen, waren verwüstet.

Der 2. Weltkrieg wurde ausgelöst durch einen brutalen Angriffskrieg Deutschlands zur Eroberung von "Lebensraum im Osten". Es war ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg, der u.a. die Vernichtung des "jüdischen Lebens" zum Ziel hatte. Hinter den unfassbaren Verbrechen von Ausschwitz, Treblinka, Buchenwald und so vielen weiteren Orten grausamster Unmenschlichkeit sowie hinter all den anderen Kriegsgräuel im Namen einer „Herrenrasse“ steht die erschütternde Erkenntnis, die nicht verdrängt werden darf: Wir Deutsche sind zu Tätern, Mitwissern oder Duldern eines Vernichtungskrieges geworden, durch den Millionen und Abermillionen Menschen ums Leben gekommen sind. In den Wochen und Monaten vor Kriegsende waren zahlreiche Konzentrationslager befreit worden. Den Befreiern bot sich ein Bild des Grauens. Die von den Nazis errichteten Konzentrationslager dienten seit 1941 der Vernichtung von Millionen Menschen. Insbesondere Auschwitz ist zum Synonym für den Massenmord der Nazis an Juden und anderen Verfolgten geworden.

Die Evangelische Allianz versteht sich als ein Bund von Christusgläubigen, die verschiedenen christlichen Kirchen, Gemeinden und Gruppen angehören. Sie hat sich 1846 als weltweiter Verbund in London konstituiert, war also in der Nazizeit in Deutschland eine etablierte Größe.

Insgesamt ist leider zu sagen: Wir nennen uns Christen, aber wir haben in der damaligen Situation versagt und Gottes auserwähltes Volk, die Juden, im Stich gelassen. Als Evangelische Allianz in Deutschland wollten wir die Wahrheit des Wortes Gottes bezeugen, haben aber die Ermahnung des Apostel Paulus im Römerbrief missachtet:
Nicht wir sind die Wurzel, sondern wir sind als „wilder Zweig in den edlen Ölbaum“
eingepfropft worden (Römer 11:17 ff). Dabei wissen und bekennen wir: Das Vergessen und Ausblenden der biblischen Wahrheit kosten Leben.

Leider geht die theologisch begründete Judenfeindschaft bis in die früheste Kirchengeschichte zurück, und hat eine lange und verhängnisvolle Wirkungsgeschichte entfaltet. Diese Prägung verhinderte eine angemessene Einschätzung der Situation. Wir sind als Evangelische Allianz unseren jüdischen Mitbürgern die notwendige Hilfe schuldig geblieben. Sicher hat es individuell Hilfen durch Einzelpersonen gegeben, aber in den offiziellen Verlautbarungen der Evangelischen Allianz gab es kein deutliches und lautes Aufbegehren gegen den wachsenden Judenhass.

Angesichts der Kriegstreiberei und des zunehmenden Terrors gegen Juden in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts - bis hin zur Ermordung von 6 Mio. Juden, davon 1,5 Mio. Kinder - kann man heute nur mit Erschütterung zur Kenntnis nehmen, wie wenig geistliches und auch politisches Gespür für diese Zusammenhänge auch in den Reihen der Bewegung der Evangelischen Allianz damals vorhanden war.

Als Evangelische Allianz und auch als Christen in Deutschland erkennen wir in unserer Geschichte eine besondere Schuld, mit der eine besondere Verpflichtung für die Gegenwart und Zukunft einhergeht. Wir treten entschieden gegen die Abwertung des Judentums auf und wir treten für ein versöhntes Miteinander ein.

Als Christen stehen wir an der Seite der Juden und achten sie mit Respekt als Gottes erwähltes Volk. Ohne Einschränkung erkennen wir die bleibende Erwählung Israels an. Christen und Juden sind auf einzigartige und unlösbare Weise verbunden: Wir teilen den Glauben an den einen Gott, der sich in der Bibel als Schöpfer und liebender Vater offenbart. Als Christen wissen wir uns in den Bund Gottes mit Israel mit hineingenommen. Durch Abraham sind auch wir gesegnet. Uns verbindet die Erwartung auf den kommenden - und endgültig Frieden schaffenden - Messias. Wir teilen die Verantwortung für diese Welt, für die Bewahrung der Schöpfung und den
Einsatz für gerechte Lebensverhältnisse.

Es ist verstörend, dass sich Juden in Deutschland bedroht fühlen und deshalb ihr Jüdischsein verbergen und vermeiden, jüdische Symbole wie Kippa und Davidstern offen zu tragen. Der Aussage: „Nie wieder ist JETZT!“ müssen Taten folgen. Wir wollen sprachfähig und handlungsfähig gegen Antisemitismus sein. Wir wollen, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlen und sich frei zu erkennen geben können, ohne Angst haben zu müssen, denunziert oder angegriffen zu werden. Wir distanzieren uns von allen Formen des Antisemitismus aus allen Richtungen: rechts, links, christlich, muslimisch oder durch Verschwörungsmythen.

Als Evangelische Allianz in Deutschland ziehen wir keinen Schlussstrich unter unsere Geschichte. Vielmehr werden wir die Erinnerung bewahren, unsere Verantwortung tragen und dem Antisemitismus entgegentreten.

Bad Blankenburg, 10. Mai 2025

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