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Die Ernte ist überreif. Aber es gibt nur wenige Arbeiter. Unsere ICEJ-Mitarbeiter meldeten sich deshalb als freiwillige Erntehelfer bei den vom Hamas-Terror betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben im westlichen Negev.
Es ist ein ausgezeichnetes Obstjahr. Die Bäume sind übervoll, schwer hängen die Äste unter dem Gewicht der großen Früchte, sonnengereift unter einem strahlend blauen Himmel.
Doch das Obst sollte längst geerntet sein. Die ersten Früchte verderben bereits an den Zweigen. Und das friedliche Blau des Himmels wird immer wieder von Raketen durchzogen. Der Gazastreifen beginnt vier Kilometer hinter der Plantage. Dutzende ausländische Erntehelfer wurden am 7. Oktober von Hamas-Terroristen grausam umgebracht oder entführt. Die Überlebenden sind in ihre Heimatländer geflüchtet.
Als das ICEJ-Team zum Ernteeinsatz im Kibbuz Yad Mordechai eintrifft, ist der Terrorüberfall der Hamas fast 50 Tage her. Alle Ortschaften nahe der Gazagrenze wurden evakuiert – die Überlebenden des Massakers sind schwer traumatisiert und trauern um ermordete Familienangehörige und Nachbarn. Nur wenige Bewohner sind geblieben, um einen Notbetrieb aufrechtzuerhalten. Viele Felder und Obstplantagen sind seither unbewirtschaftet. In manchen Ställen konnten die Kühe tagelang nicht gemolken werden. Es fehlt nicht nur an Arbeitern. Auch der noch immer häufige Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen macht es schwer, die Höfe zu versorgen und die Ernte einzufahren.
Vor jenem verhängnisvollen Schabbat beschäftigten viele landwirtschaftliche Betriebe im westlichen Negev auch Feldarbeiter aus dem Gazastreifen. Der Umgang miteinander war freundschaftlich, der Lohn sehr gut – ein Vielfaches dessen, was im Gazastreifen zu verdienen ist. Viele Kibbuzim-Mitglieder engagierten sich sehr für die Interessen der Palästinenser. Doch wie man inzwischen herausfand, waren es Mitarbeiter aus dem Gazastreifen, von denen die Hamas wertvolle Informationen über die Infrastruktur und Zugangsmöglichkeiten zu den israelischen Gemeinden erhielt. Die Terroristen verfügten sogar über detailgetreue Skizzen der Häuser, die sie überfielen, inklusive Informationen zu den Hausbewohnern. Die palästinensischen Kollegen, denen man die Türen geöffnet hatte, mit denen man Seite an Seite gearbeitet hatte, hatten das Massaker erst ermöglicht. Der Verrat schmerzt.
Die Früchte waren bereits im Oktober erntereif. Unser Freiwilligenteam pflückte zunächst Pomelos, eine süße Zitrusfrucht. Da es eine späte Ernte ist, können die Früchte nur noch zu Saft verarbeitet werden. Die Bäume sind hoch, die ICEJ-Mitarbeiter müssen auf Leitern klettern, um alle Früchte zu erreichen.
Eine Clementinen-Plantage ist der nächste Einsatzort unseres Teams. Jeder Baum hängt voller überreifer Mandarinen. Sie können nicht mehr vermarktet werden. Aber lässt man sie einfach an den Bäumen, werden Fliegen angelockt und Krankheiten begünstigt. Außerdem signalisieren ungeerntete Früchte dem Baum, in der nächsten Saison weniger Früchte hervorzubringen. Unser Team erhält den Auftrag, die Clementinen zu pflücken und auf die Wege zwischen den Baumreihen zu werfen. Die Früchte werden später zerkleinert und als Dünger verwendet. Die vielen weggeworfenen Früchte auf dem Boden bieten ein trauriges Bild.
Die Nähe zum Gazastreifen birgt Risiken. Es wird befürchtet, dass sich noch immer Terroristen in der Region versteckt halten, um erneut zuzuschlagen. Außerdem wird Israel weiterhin aus dem Gazastreifen mit Raketen beschossen. Der Leiter der Plantage trägt eine Maschinenpistole bei sich zum Schutz des Teams. In der Nähe hört man Panzerlärm und immer wieder Schüsse und Detonationen. Aber man versichert den freiwilligen Helfern, dass es sich nicht um feindliches Feuer handelt.
Trotz der Gefahr ist die Stimmung gut. Nebenbei ergeben sich interessante Gespräche mit Israelis, die ebenfalls freiwillig bei der Ernte helfen. Zu ihnen gehört Yigal, ein Universitätsprofessor aus Kiryat Ono. Auch er ist für einen Tag zum Erntehelfer geworden. „Ich bin hier, weil unsere Hände gebraucht werden und wir die Menschen in Yad Mordechai und in allen Ortschaften in der Nähe des Gazastreifens moralisch unterstützen müssen", erklärte Yigal.
Wie überall bei unseren Einsätzen wird das ICEJ-Team von den Israelis bestaunt und herzlich aufgenommen. Die Israelis sind sehr dankbar für die Hilfe der Christen. Unser ICEJ-Hilfsteam repräsentiert viele verschiedene Nationen – und die Israelis freuen sich sehr, wenn sie erfahren, dass Christen in aller Welt in diesen schwierigen Zeiten fest an ihrer Seite stehen.
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