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Zeit für einen Wendepunkt

Zeit für einen Wendepunkt

Biblische Lehre: 80 Jahre nach der Shoa
Gottfried Bühler, 1. Vorsitzender der ICEJ - Deutscher Zweig
eine weißes Logo auf blauem Hintergrund: ICEJ Internationale Christliche Botschaft Jerusalem

80 Jahre nach Kriegsende. 80 Jahre nach dem Holocaust, der größten Katastrophe der Menschheit. Die Zahl 80 steht im Hebräischen für einen Wendepunkt. Ein Blick auf unsere politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage bestätigt: Es liegt ein äußerst bedeutungsvolles Jahr vor uns.

Richtungswechsel

In der hebräischen Sprache spielen Zahlen eine bedeutende Rolle. 80 gilt als Zeitfenster für einen Neubeginn. Ein Richtungswechsel ist möglich. Wir stehen an einer Wegkreuzung und haben es in der Hand, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.

Im Gegensatz zum deutschen Alphabet hat das hebräische Alphabet sehr viel mit Zahlen zu tun. Alle 22 hebräischen Buchstaben haben einen festgelegten Zahlenwert. In der Heiligen Schrift wird mit Zahlen eine Botschaft vermittelt, oft mit prophetischer Bedeutung. In der Bibel finden wir eine reichhaltige und komplexe Numerologie, die nicht nur den Text organisiert, sondern auch tiefgreifende spirituelle Wahrheiten vermittelt. Gerade die Zahl 80 hat in diesem Kontext eine enorm wichtige Bedeutung.

Wendepunkt 1945

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1948 stand ganz Europa an einem großen Wendepunkt. Deutschland erhielt die unglaubliche Chance auf einen Neuanfang – das Volk, das die Shoa zu verantworten hatte, die geplante Ermordung von elf Millionen Juden in Europa, der sechs Millionen Juden zum Opfer fielen. Der Neuanfang führte 1949 zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Aus Diktatur wurde Demokratie. Es folgte ein beispielloses Wirtschaftswunder und eine Zeit des Friedens mit allen Nachbarländern. Dafür sind wir Gott – dem Gott Israels! – sehr dankbar. Was für eine Gnade hat ER uns erwiesen.

80 Jahre später

80 Jahre nach Kriegsende ist Antisemitismus, der sich heute vor allem gegenüber dem Staat Israel manifestiert, salonfähig wie nie zuvor. Vor allem seit dem grausamen Massaker an Juden am 7. Oktober 2023 in Israel. 80 Jahre nach der Shoa muss jüdisches Leben in unserem Land hinter Sicherheitstüren und Panzerglas stattfinden. Viele Juden denken daran, Deutschland zu verlassen.

Kein Wegsehen möglich

Niemand wird einmal sagen können, er hätte nichts vom neuen Unrecht bemerkt, das den Juden in unserer Mitte angetan wird. 1939 mahnte der mutige Theologe Karl Barth: „...wenn die christliche Gemeinschaft weiter schweigt und wenn sie den Verlauf der Ereignisse als einfache Zuschauerin beobachtet, verliert sie ihr Existenzrecht.“ Das christliche Bekenntnis zu unseren jüdischen Glaubenswurzeln sollte heute wieder belebt werden. Dietrich Bonhoeffer drückte dies 1935 treffend aus: „Nur wer für Juden schreit darf gregorianisch singen.“

Wir müssen verstehen, dass der Judenhass nicht erst 1933 begonnen hat. Schon vor 1900 Jahren hat sich der christliche Glaube immer mehr aus der Verankerung seiner jüdischen Herkunft herausgelöst.

Falsche Fährte

1931 wurden südlich von Kairo alte Schriften gefunden, darunter die älteste erhaltene Osterpredigt aus dem Jahr ca. 150 n. Chr.  von Melito Bischof von Sardes. In dem folgenschweren Werk stigmatisierte dieser Bischof die Juden als Gottesmörder. Diese Predigt verbreitete sich rasch in vielen Gemeinden und ist bis heute die älteste erhaltene Osterpredigt überhaupt.

In griechisch-christlicher Rhetorik wurde das jüdische Volk durch diese Predigt degradiert: „Das Volk Israel war wertvoll, bevor die Kirche erstand, und das Volk Israel wurde durch das Erstehen der Kirche entwertet.“ Damit war eine Herabsetzung des Judentums verbunden und diese unbiblische „Enterbungslehre“ wurde zum Nährboden für einen entsetzlichen Hass auf Juden. In den kommenden Kirchenkonzilen verschärfte sich die Hetze gegen Juden – und zog sich danach wie ein roter Faden durch die Geschichte bis in die Gaskammern von Auschwitz. Es gab leider wenig Ausnahmen.

Könnte es sein, dass durch die Loslösung von dem jüdischen Glaubensfundament der Kontakt zum jüdischen Volk auf folgenschwere Weise verloren ging und somit eine Herabwürdigung und Entwertung des jüdischen Lebens möglich wurden?

Mut zur Überprüfung

In dem bedeutenden Jahr 2025 ermutigt uns die Jahreslosung, alles zu prüfen und das Gute weiterzuentwickeln (1.Thess. 5:21). Auch der Apostel Johannes ermutigt uns in seinen Briefen, die Geister zu prüfen. Er lässt uns auch wissen, worauf wir bei dieser Prüfung achten müssen: „Jeder Geist, der Jesus Christus, im Fleisch gekommen, bekennt, ist aus Gott.“ (1. Joh. 4,2). Jesus, im Fleisch gekommen, ist Jude durch und durch. Er wurde in eine lupenreine jüdische Familie hineingeboren. Diese jüdische Abstammung ist Gott so wichtig, dass sie gleich zu Beginn der Evangelien genannt wird. Als Jude wurde Jesus gemäß der Tora nach acht Tagen beschnitten (Lukas 2,21). Sein gesamtes Wirken spielte sich in Israel ab. Er feierte alle jüdischen Feste. Er wurde in Jerusalem gekreuzigt, er starb als „König der Juden“ (Matthäus 27,37). Er ist in Jerusalem auferstanden und in Betanien zum Himmel aufgefahren. Sogar in der Offenbarung bezieht sich Jesus weiterhin auf seine jüdische Abstammung als der Nachkomme Davids (Offb.22:16)

Identität

Jesus ist bekennender Jude! Diese jüdische Identität ist ihm wichtig. Uns auch? Als Christen sollten wir auch nicht vergessen: Unser Gott hat sich einen Namen gegeben, von dem er selbst sagt, dass dies sein Name und er in diesem Namen auf ewig angerufen werden wird (2. Mose 3,15): „Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“ Unser Gott verknüpft seinen Namen mit dem Namen der jüdischen Erzväter. Das ist ein mehr als deutliches Bekenntnis des Himmels zum Jüdischen Volk und zu Israel.

Segenspotential

Einer der bedeutendsten Könige in Juda war Josia. Er stellte sich gegen den damaligen Zeitgeist, der in Form der Götzenverehrung ganz Juda und das Nordreich verführte. Seine Hinwendung zum Wort Gottes und seine daraus abgeleiteten Reformen führten zu einer klaren Umkehr zu dem lebendigen Gott Israels und seinen Weisungen. Die Bibel berichtet uns von einer einmaligen Erweckung und Umkehr des gesamten Volkes (siehe 2. Könige 23:3ff). Ich bin überzeugt, das Jahr 2025 kann für unser Land ein Zeitfenster sein, das Segenspotential unserer Glaubenswurzeln neu zu entdecken. Ein Zeitfenster der Umkehr. Wir würden gut daran tun, uns auf unsere jüdischen Glaubensgrundlagen zurückzubesinnen und die jüdische Identität Jesu neu und bewusst anzuerkennen. Wir brauchen ein Bewusstsein für all das Gute, das wir dem Judentum verdanken. Die Bibel, von Juden geschrieben, hat uns die ethischen Werte gebracht, die Europa bis heute prägen (auch wenn es eine starke Bewegung gibt, diese Werte zu entfernen). Dazu kommen zahlreiche lebensrettende Fortschritte in Technik und Medizin, die das moderne Israel der Welt geschenkt hat.

Komfortzone ade

Jeder ist gerufen ein Licht sein. „Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäus 5,14). Oft entzünden kleine Lichter ein riesiges Feuer.  Es waren Schüler, die auf die ICEJ zukamen mit der Bitte, einen Zeitzeugen an ihre Schule zu schicken. Daraus sind mit den Zeitzeugen Irene Shashar und Eitan Halley vier grosse Schulveranstaltungen entstanden und die junge Generation lernte zwei sympathische Juden kennen, deren Überlebensgeschichten die Herzen der Schüler nachhaltig berührten. Mit Bildung gegen Antisemitismus!

Solidarität ist nicht nur ein Wort. Lassen Sie sich von den beiliegenden Reiseangeboten inspirieren und zeigen Sie Solidarität mit Israel mit Wort und Tat - organisieren Sie einen Shabbatabend und laden Sie Freunde zu einem leckeren israelischen Essen ein, oder laden Sie ihren Hauskreis zu einem gemeinsamen israelischen Kochabend ein - kaufen Sie israelische Produkte - organisieren Sie Mahnwachen - initiieren Sie einen Israel-Gebetsabend - tauchen Sie in die hebräische Sprache ein - machen Sie einen Solidaritätsbesuch in einer Synagoge - werden Sie Pate eines Holocaust-Überlebenden – seien Sie bei unseren Zoom Gebeten dabei . . .

Jeder ist wichtig

Wir dienen einem kreativen Gott. Lassen wir uns von ihm inspirieren. An der Seite Israels zu stehen ist keine Pflicht, es ist ein Vorrecht! Jeder ist wichtig, jeder wird gebraucht! Möge der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs uns allen helfen, Licht und Segen in dieser besonderen Zeit zu sein, damit sein Name geheiligt wird!

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