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Auch nach zweieinhalb Jahren des Arabischen Frühlings (oder Arabischen Winters, wie manche ihn nennen), wird das Feuer der regionalen Unruhen immer weiter angefacht. Während Israel eine Insel des Friedens und der wirtschaftlichen Stabilität zu sein scheint, wird der Rest des Nahen Osten immer chaotischer; niemand kann vorhersehen, was die nahe Zukunft bringen wird. Alles nahm seinen Anfang im Dezember 2010 mit einem Volksaufstand in Tunesien, der sich schnell ausbreitete und auf Ägypten, Libyen und andere Teile der arabischen Welt übergriff. Im Falle Ägyptens zerschlugen sich die anfänglichen Hoffnungen auf wahre politische Freiheiten recht schnell mit der Wahl der islamistischen Regierung, angeführt von den Muslimbrüdern.
Es dauerte nicht lange, bis die Demonstranten auf die Straßen zurückkehrten. Einige waren enttäuscht, weil ihre Hoffnungen auf Freiheit und Demokratie durch das Aufzwingen strengerer Scharia-Gesetze verloren schienen. Andere waren sehr besorgt über die Unfähigkeit der Muslimbrüder, die ohnehin schon schwächelnde Wirtschaft zu retten. Vor kurzem griff das Militär ein, um erneut die Kontrolle über das Land zu übernehmen, doch die Zeichen stehen auf Bürgerkrieg. Mehrere Dutzend Zivilisten sind bereits bei den Unruhen ums Leben gekommen.
In Syrien hat der Arabische Frühling zu einem brutalen Bürgerkrieg geführt, der in den letzten zwei Jahren mehr Menschenleben gefordert hat, als alle arabisch-israelischen Kriege zusammen. Mehr als 100 000 Menschen wurden getötet in diesem Kampf zwischen Regierungstruppen des Assad Regimes und den Rebellen; und verschiedenen Rebellengruppen bekämpfen sich sogar gegenseitig.
Diesen steigenden Todeszahlen geht ein Jahrzehnt des Krieges und des Blutvergießens im Irak voraus. Obwohl amerikanische Truppen die Frontlinien im Irak bereits 2011 verlassen haben, sind weitere 5000 Menschen seitdem ums Leben gekommen in Zusammenstößen zwischen verschiedenen islamischen Milizen.
Die westliche Welt scheint planlos zu sein, wie sie dieser Gewalt und diesem Abschlachten begegnen soll. Eine weitere Invasion wie im Irak oder in Libyen ist gefährlich. Die Lage in Ägypten ist ziemlich komplex. Militärputsche werden von westlichen Demokratien grundsätzlich abgelehnt, doch in den letzten Wochen waren die Wächter der Demokratie im Westen erstaunlich schweigsam, da sie hofften, dass das Militär eine liberalere Regierung einsetzen würde.
Westliche Regierungen befinden sich in der Syrienfrage in einem ähnlichen Dilemma. Sie sind bereit, einen repressiven Diktator loszuwerden und machen sich gleichzeitig Sorgen um radikal-islamische Elemente in der Opposition.
Trotz aller dieser aktuellen Entwicklungen glaube ich ganz fest, dass es eine positive biblische Perspektive gibt. Ein Blick zurück in die Geschichte kann uns dabei helfen, einen neuen und hoffnungsvollen Blick auf die Ereignisse zu gewinnen.
Von der Antike bis heute hat Ägypten schon immer eine zentrale Rolle im Nahen Osten gespielt. Abgesehen von Israel ist Ägypten das Land, das in der Bibel am häufigsten erwähnt wird, nämlich zirka 700 Mal. Die hebräischen Patriarchen verbrachten Zeit in Ägypten – Abraham (siehe 1. Mose 12,10) und Jakob (siehe 1. Mose 46, 3-6). Alle zwölf Söhne Jakobs, nach denen die Stämme Israels benannt wurden, starben in Ägypten. Sehr bekannt und wichtig ist in der Bibel natürlich auch der große Auszug der Israeliten aus Ägypten.
Und schließlich führte die Beziehung Abrahams mit der ägyptischen Frau Hagar zur Geburt Ismaels, von dem die arabischen Völker abstammen.
Durch die Bibel hindurch wird über Ägypten allgemein in negativen Worten gesprochen, oft wird auf Sklaverei und Sünde Bezug genommen (beispielsw. Offenbarung 11,8). Doch es gibt noch eine andere Seite der ägyptischen Geschichte, die sich über die Jahrhunderte entwickelt hat.
König Salomo beispielsweise ging einen Freundschaftsvertrag mit Ägypten ein, als er die Tochter des Pharao heiratete; er baute ihr sogar einen Palast in Jerusalem. Zwar wurde diese Frau zu einer Quelle des Götzendienstes in Israel, doch stand sie am Anfang einer politischen und wirtschaftlichen Allianz, die eine lange Zeit anhielt, wenn auch mit einigen sehr gewalttätigen Unterbrechungen. Doch diese Allianz war nie ganz vertrauenswürdig– tatsächlich warnte Gott Israel davor, sich auf Ägypten zu verlassen (2. Könige 18,21).
Die größte Veränderung trat jedoch zur Zeit des babylonischen Exils ein. Damals floh eine beachtliche Zahl der Juden nach Ägypten, wo sie eine große jüdische Gemeinde gründeten (2. Könige 25,26). Nach Angaben des jüdischen Historikers Josephus Flavius wuchs diese Diaspora-Gemeinschaft im zweiten Jahrhundert vor Christus auf mehr als eine Million Menschen an. Ihr Zentrum war die Hafenstadt Alexandria an der Mittelmeerküste. Diese Stadt wurde in der Antike weltberühmt und brachte so prominente jüdische Denker wie den Philosophen Philo von Alexandria hervor.
Josephus berichtet, dass im zweiten Jahrhundert vor Christus sogar eine Nachbildung des Jerusalemer Tempels in Ägypten gebaut wurde, der von Onia, einem Sohn des Hohepriesters in Jerusalem, beaufsichtigt wurde.
Dort in Ägypten wurde der Tanach (das Alte Testament) zuerst in eine Fremdsprache übersetzt. Diese griechische Übersetzung der hebräischen Bibel wurde Septuaginta (LXX) genannt, wobei sich der Name auf die 70 Priester und Gelehrten bezog, welche die Schrift für die berühmte Bibliothek von Alexandria übersetzten.
Der Apostel Paulus zitierte oft aus der Septuaginta, wenn er sich auf Bibelverse aus dem Alten Testament in seinen neutestamentlichen Briefen bezog. So wurde die Septuaginta zu einem wichtigen Werkzeug, um das Evangelium unter den griechisch sprachigen nichtjüdischen Nationen zu verbreiten.
Nach dem Matthäusevangelium verbrachte Jesus einen Teil seiner Kindheit in Ägypten, weil seine Eltern dort Zuflucht vor Herodes eifersüchtigem Wahn suchten (Matthäus 2, 13-15, dort wird Hosea 11,1 zitiert).
Dort in Ägypten erlebte der neue Glaube an Jesus Christus in den Anfangsjahren das stärkste Wachstum, berichtet uns die Kirchengeschichte. Christliche Gemeinden wurden im ganzen Land gegründet. Mitglieder der ägyptischen Kopten behaupten noch heute, die Nachkommen dieser Kirche des ersten Jahrhunderts zu sein, was sie zu den ältesten der historischen Kirchen machen würde, die heute noch bestehen. Einige der aktuellen Erweckungsgottesdienste, über die aus Ägypten berichtet wird, werden von wiedergeborenen, geisterfüllten koptischen Priestern geleitet. Gemeinsam mit dem Libanon ist Ägypten immer noch die Heimat einer der größten christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten. Die Kopten machen zirka zehn Prozent der insgesamt 80 Millionen ägyptischer Bürger aus.
Wenn wir Ägypten heute betrachten, sollten wir alle sehr ermutigt sein, für diese Nation zu beten. Während viele Prophezeiungen dem Land Gericht verkünden, verspricht die Bibel Ägypten auch eine herrliche Zukunft.
Der Prophet Jesaja spricht in Kapitel 19 sehr klar über Gottes Erlösungsplan für Ägypten. Er sieht eine nationale Erweckung in Ägypten voraus, die einem Wunder gleichkommt (Jesaja 19, 18-25).
Ägypten wird einen zentralen Ort der Anbetung haben – einen „Altar für den Herrn“ (V.19).
„Und der HERR wird sich den Ägyptern zu erkennen geben, und die Ägypter werden an jenem Tag den HERRN erkennen“ (V.21).
Alles läuft auf eine Friedenszeit für die gesamte Region hinaus, die Ägypten, Assyrien und Israel einschließen wird: „An jenem Tag wird es eine Straße von Ägypten nach Assur geben….An jenem Tag wird Israel der Dritte sein mit Ägypten und mit Assur, ein Segen inmitten der Erde“ (Jesaja 19, 23-24).
Was für eine wunderbare Hoffnung! Das Ziel, das alle politischen Initiativen der letzten Jahrzehnte nicht erreicht haben, wird Wirklichkeit werden. Es ist bemerkenswert, dass Jesaja Frieden und Wiederherstellung für beide großen Reiche der damaligen Zeit sehen konnte – für Assyrien und Ägypten, die beide Israel bedrohten, als diese Prophezeiung ausgesprochen wurde.
Während Jesaja einerseits gegen „den geknickten Rohrstab“ Ägyptens predigte (Jesaja 36,6) und gegen Assur („Wehe, Assur, Rute meines Zorns!“ Jesaja 10,5), konnte der Prophet ebenfalls sehen, dass sich Gottes Plan der Errettung schlussendlich auch für diese Heidenvölker erfüllen würde, die Israel feindselig gegenüberstanden.
Wenn wir dieses bemerkenswerte Kapitel 19 im Zusammenhang lesen, erkennen wir, dass es mit großen Nöten für Ägypten beginnt. Der Prophet sieht politischen Aufruhr vorher, in dem „Ägypten gegen Ägypten“ vorgehen wird (Jesaja 19,2). Er spricht über einen „harten Herrn”, der das Land eine Zeit lang regieren wird (Jesaja 19,4) und über große Naturkatastrophen und wirtschaftliche Schwierigkeiten (V. 5-10).
Die Menschen werden nach Rat suchen, aber niemanden finden, der ihnen Einsicht vermitteln kann. Der Prophet fordert die Weisen heraus, Orientierung zu geben, dass sie „verkünden und erkennen, was der HERR der Heerscharen über Ägypten beschlossen hat“ (V.12). Doch niemand ist dazu in der Lage – genau wie heute. Doch in dieser Zeit großen Unheils wird es geschehen: „Wenn sie zum HERRN schreien werden wegen der Unterdrücker, dann wird er ihnen einen Retter senden; der wird den Streit führen und sie retten“ (V.20).
Assyrien war das zweite große Weltreich zur Zeit des Jesaja. Seine Grenzen umfassten der Großteil der heutigen Staaten Syrien und Irak. Wenn wir die aktuelle Lage betrachten, sehen wir nicht nur Ägypten sondern auch Syrien und den Irak in Chaos und Bürgerkrieg, so wie in Jesaja 19,1-15 darüber geschrieben wird.
Die Zeit wird zeigen, ob wir in unseren Tagen die Erfüllung von Jesaja 19 erleben werden, doch wir müssen eingestehen, dass die aktuelle Lage in Vielem mit diesem Textabschnitt übereinstimmt. Ich glaube nicht, dass es je eine Zeit gab, in der die aktuellen Entwicklungen so sehr mit dem prophetischen Wort übereinstimmen wie heute.
Viele Theologen erkennen heute an, dass wir mit der Wiederentstehung des Staates Israel und der Rückkehr der Juden aus dem Exil in eine neue Phase der prophetischen Erfüllung eingetreten sind. Wie die Propheten vorhergesagt haben, sind die Juden von den Enden der Erde zurückgekehrt. Die Wüste grünt und blüht, und Israel selbst hat sich etabliert als erfolgreiche und sichere Nation, selbst in Zeiten des Konflikts. Deshalb dürfen wir mit der Erwartung in die Zukunft schauen, dass sich auch andere erstaunliche Prophezeiungen erfüllen werden.
Wie auch immer Ihre Sicht der Endzeit aussieht, Jesaja 19 sollte uns eindrücklich an die wunderbaren Pläne Gottes mit Israel und seinen Nachbarn erinnern. Es ist sehr leicht, sich nur auf die negativen Schlagzeilen zu konzentrieren, dass nämlich die Islamisten nach der Macht greifen und Gericht vor uns liegt. Doch wir alle müssen auch verstehen, dass der Gott Israels Pläne des Friedens und der Versöhnung für die gesamte Region hat (siehe beispielsweise Jeremia 48,47; 49,6, 39).
Jesaja 19 beginnt mit der Proklamation, dass Gott alles unter seiner Kontrolle hat: „Siehe, der HERR fährt auf einer schnellen Wolke und kommt nach Ägypten. Da beben die Götzen Ägyptens vor ihm, und das Herz Ägyptens zerschmilzt in seinem Innern.“. Ein schneller Blick auf die Lage könnte jetzt nur Chaos und Unsicherheit suggerieren. Ganz sicher werden die Weisen in ihrer Weisheit versagen. Doch der Plan Gottes für Ägypten steht und wird schließlich zu seiner nationalen Errettung führen, an der Seite Israels.
Es ist wichtig, einen Blick für die Region zu entwickeln, der über die täglichen Schlagzeilen hinaussieht. Während vordergründig ein Zusammenprall von Religionen und Ideologien stattfindet und die Region in die Hände radikaler Islamisten abzugleiten droht, sollten wir niemals aufhören, unsere Hoffnung auf den zu setzen, der sagt: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden“ (Matthäus 28,18). Jesus ist der Herr aller Nationen, und das nächste große Erntefeld scheint in der muslimischen Welt zu liegen.
In der Bibel stellen wir immer wieder ein Muster fest. Schwierigkeiten und Nöte kommen über Israel, um sein Volk näher zu Gott zu ziehen. Das Buch der Richter hat viel zu sagen über diesen Kreislauf eines Israels in Not, das Buße tut und dann Frieden erfährt. Doch wenn es sich von Gott wieder abwendet, kehren auch die Nöte zurück. Der Hebräerbrief ermutigt uns, dass Zeiten der Disziplinierung und Korrektur ein Zeichen dafür sind, dass Gott an denen arbeitet, die er liebt (Hebräer 12,3-11).
Gott möchte diese aufgewühlte Region schlussendlich dahin bringen, dass er sie „Ägypten, mein Volk, und Assur, meiner Hände Werk“ nennen kann. Manchmal kommt Gott mit „Dunkel unter seinen Füßen“ (Psalm 18,10). Wir haben das in den letzten Jahrzehnten in anderen Nationen beobachten können. Vor nur zwei Generationen wurde China von einem radikalkommunistischen Regime übernommen – doch heute erlebt es eine der größten Erweckungen überhaupt. Der Iran wurde von apokalyptischen Ajatollahs eingenommen, und doch verzeichnet das Land gerade die höchste Gemeindewachstumsrate auf der ganzen Welt.
Lassen Sie uns nicht vergessen, dass Gott einen wunderbaren Plan für jede einzelne Nation der Erde hat. Paulus sagt es in Apostelgeschichte 17,26-27, dass der Herr die Zeiten und Grenzen der Nationen bestimmt (und sogar ihre jeweiligen Herrscher), „dass sie Gott suchen“.
Es gibt einen Plan Gottes für jede einzelne Nation des Nahen Ostens, und es ist letztendlich ein Plan der Rettung und Erlösung. Lassen Sie uns wie niemals zuvor für diese Lände beten. Der Herr möchte, dass Menschen aus Ägypten, Syrien, dem Irak und dem gesamten Nahen Osten eines Tages mit ihm im Himmel sind. Und Gott will der Region und der ganzen Welt seinen Frieden bringen; das sollte auch unser Ziel und Gebet sein.
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