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„Was wir dem jüdischen Volk angetan haben, wird niemals in Worte zu fassen sein.“ Damit begrüßte ICEJ-Mitarbeiterin Elisabeth Stephan-Brämer, die Tochter des verstorbenen Gründers des deutschen Zweiges der ICEJ, Christian Stephan, die Teilnehmer des Holocaustgedenkens in der kleinen Synagoge Michelstadts im Odenwald. Über 500 Gäste waren gekommen.
Wegen der zahlreichen Anmeldungen wurde die Veranstaltung in die nahe gelegene evangelische Kirche übertragen. Anschließend gab es einen Empfang im Rathaus. „Dass wir damals unsere jüdischen Mitmenschen aus dem Leben gerissen haben, das werden wir unserem Land nie wieder zurückgeben können“, sagte Elisabeth Stephan-Brämer in ihrer Rede. Und: „Als Christen sind wir heute hier, um Israel unsere volle Solidarität zuzusichern. Israel ist für uns wie ein großer älterer Bruder.“
„Die Geschichte können wir nicht mehr verändern, aber die Zukunft gestalten“ mahnte der Michelstädter Bürgermeister Dr. Robischon. Er verwies auf die 60 Stolpersteine in seiner Stadt, die vor dem 2.Weltkrieg die größte jüdische Gemeinde des Odenwalds beheimatete.
„Haben wir aus der Geschichte gelernt und was bedeutet eigentlich „Nie wieder ist jetzt“?“, fragte Prof. Jacoby, Architekt und Vorstand des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen. „Für Menschen einzustehen, deren Religionszugehörigkeit wieder ihre Wohnungs-tür markiert? Und deren Existenz und Grundbedürfnis nach Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist?“
Uwe Becker, Beauftragter für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus in Hessen, fand klare Worte für den eigentlichen Sinn des Holocaustgedenktags. Im Erinnern müsse der Auftrag stecken, aufzustehen: „Wo sind die Zehntausende, die wegen der Situation von Juden in Deutschland auf den Straßen Solidarität zeigen?" Die Verbreitung von Hass, Hetze und Judenfeindlichkeit treibe Menschen unserer Gesellschaft nicht wirklich um. „Aber es geht um Angriffe auf jüdisches Leben – verbal oder tatsächlich.“ Becker machte deutlich, dass den Menschen hier erst langsam bewusstwerde, dass es beim Skandieren auf den Straßen „from the river to the sea“ nicht um den Ruf nach einem freiheitlichen Staat in Koexistenz zu Israel gehe, sondern um einen juden-freien Staat.
Ahmad Mansour, deutsch-israelischer Psychologe arabisch-palästinensischer Herkunft, brachte diesen Satz zu Anfang seiner Ausführungen. Sein Studium in Tel Aviv, die Begegnung mit jüdischen Menschen, änderte seine in der Moschee erworbene religiöse Dimension seines Hasses auf Israel. Aber die Geschichte Israels und der Juden habe er erst in Deutschland kennengelernt. Das habe ihm klargemacht, warum militärische Stärke für Israel so wichtig ist, warum die Politik so handele. „Terror darf sich nicht lohnen. Damit das so bleibt, muss Israel reagieren. Was mich aber seit dem 7. Oktober am meisten erschreckt ist nicht, dass wir Antisemiten in Deutschland haben. Sondern das Selbstbewusstsein, mit dem Menschen ihren Antisemitismus auf die Straße tragen – und dabei das Gefühl haben, im Recht zu sein,“ so der Psychologe. Unter anderem wegen dieser Haltung muss er von Personenschützern begleitet werden.
Das jüdische Totengebet, gesprochen vom Betreuer der jüdischen Gemeinden in Hessen und die Nationalhymne des Staates Israel beendeten die bewegende Veranstaltung. Beim anschließenden Empfang mit israelischen Weinen am ältesten Rathaus Europas von 1484 gab es einen historischen Moment, als der Marktplatz vor dem Rathaus mit israelischen Fahnen übersät war.
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