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Als Gott Abraham berief, erteilte er ihm einen höchst wagemutigen Auftrag: Alle Völkerfamilien dieser Erde zu beeinflussen, jeden Stamm, jede ethnische Gruppe und Gemeinschaft auf unserem Planeten – einfach alle! Ein umfassenderes Mandat gibt es nicht! Nur sehr wenige Menschen würden eine solche Mission überhaupt annehmen.
Die Bibel berichtet, dass Abraham zirka 1000 Jahre nach der Erschaffung Adams, des ersten Menschen, geboren wurde. Er gehörte zur zehnten Generation nach der Flut zur Zeit Noahs. Die Völkerfamilien der Erde befanden sich damals in einer Krise. Im ersten Buch Mose Kapitel 10 heißt es, dass Noah und seine drei Söhne, Sem, Ham und Jafet mit ihren Frauen die einzigen Überlebenden der Flut waren. Nachdem sie die Arche verlassen hatten, gründeten sie ihre Familien und bevölkerten erneut die Erde (1. Mose 10,32).
Laut dem biblischen Bericht waren Noah und Sem noch am Leben, als Abraham geboren wurde. Noah starb, als Abraham 58 Jahre alt war (1. Mose 9,28), Sem überlebte ihn sogar (1. Mose 11,11). Abraham war als der älteste Sohn seines Vaters der Hauptpatriarch der Sippe Sems. Möglicherweise hatte er die Berichte seine Urahns Sem von diesem persönlich gehört, vielleicht sogar von Noah. Geschichten über die Rebellion der Menschheit gegen Gott und die vernichtende Flut, weniger als 300 Jahre vor seiner Geburt.
Sowohl Noah als auch Sem waren Zeitzeugen des Lebens vor der Sintflut. Vor diesem Gericht Gottes lebten die Menschen viel länger (fast 1000 Jahre). Die allerersten Menschen, Adam und Eva, standen in persönlichem und regelmäßigem Kontakt mit ihrem Schöpfer – ein Privileg, das zu Lebzeiten Abrahams schon längst verlorengegangen war. Es war eine perfekte Welt: Ein kristallklarer Strom floss aus dem Garten Eden, in dessen Mitte sich zwei geheimnisvolle Bäume befanden: der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Der Mann und die Frau durften nicht von diesen beiden Bäumen essen, doch die Früchte aller anderen konnten sie genießen, so viel sie wollten.
Diese perfekte Welt veränderte sich, als eine böse Macht den Garten betrat. Satan täuschte die Frau und sowohl sie als auch ihr Mann aßen vom Baum der Erkenntnis. Als Folge ihres Ungehorsams verloren sie den direkten Draht zu Gott und wurden für immer aus dem Garten Eden vertrieben. Ein dunkler Schatten bedeckte die Erde. Er beeinflusste alles, und der zerstörerische Einfluss Satans machte sich sehr eindrücklich in der ersten Familie auf Erden bemerkbar.
Adam und Eva wurden bald zur ersten dysfunktionalen Familie, als ihr ältester Sohn, Kain, seinen jüngeren Bruder, Abel, erschlug. Kurz darauf verließen die „Söhne Gottes“ (gefallene Engel) ihre Himmelswelt und gründeten pervertierte Familien mit den „Töchtern der Menschen“. Sie brachten eine neue Form von „Supermenschen“ hervor, die die Bibel die „Riesen der Vorzeit“ nennt (1. Mose 6,4). Ohne eine direkte Beziehung zu ihrem Schöpfergott wurde die Menschheit immer tiefer in einen zerstörerischen Lebensstil hineingezogen. Gott bereute es, dass er die Menschen geschaffen hatte und wollte sie zerstören (1. Mose 6,7). Doch Gott fand Noah, einen gerechten Mann, der „mit Gott lebte“. So fanden er und seine Familie Gnade in den Augen Gottes und wurden verschont.
Dennoch wusste Abraham, dass selbst die Nachkommen der drei überlebenden Sippen nicht aus ihrer Geschichte gelernt hatten, sondern bald darauf den Turmbau zu Babel begannen. Eine jüdische Überlieferung besagt, dass Abraham sogar persönlich miterlebte, wie seine Zeitgenossen ihre Unabhängigkeit von Gott etablieren wollten und versuchten, einen neuen Garten Eden zu erschaffen. Getrieben von Selbstsucht versuchten sie, ihr eigenes Reich aufzubauen, so dass Gott die Sippen und Familien schließlich über die ganze Welt zerstreute. Einige von Abrahams Vorfahren verloren den Kontakt mit ihren verwandten Sippen, weil die Kommunikation gestört wurde. Aus diesem göttlichen Eingreifen heraus entstanden die verschiedenen Sprachen der Erde.
Als Abrahams Geschichte begann, hatten die Sippen und Familien der Erde keine Hoffnung und keine Zukunft. Abraham wusste, dass er von sündigen und zerbrochenen Familien abstammte, die den Kontakt zu Gott verloren hatten und sogar in offener Rebellion gegen ihn lebten. Als Gott in Abrahams Leben eingriff, veränderte sich alles. Gott beschloss, mit Abraham eine neue Sippe, eine neue Familie zu schaffen, ihr ein Land zum Leben zu geben und sie auf besondere Art und Weise zu beschützen. „Wenn Menschen dich in deinem Umfeld segnen, werde auch ich sie segnen“, sagte Gott. „Und wenn sie dich angreifen, haben sie mich zum Feind.“ Und dann kam diese großartige Zusage: „Abraham, in dir und deinen Nachkommen sollen alle Völkerfamilien der Erde gesegnet werden.“
Es war in jeder Hinsicht ein radikaler Wendepunkt in der Menschheitsgeschichte. Der Apostel Paulus betrachtet diese Aussage als erste Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi: „Die Schrift aber, voraussehend, dass Gott die Nationen aus Glauben rechtfertigen werde, verkündigte dem Abraham die gute Botschaft voraus: ‚In dir werden gesegnet werden alle Nationen‘“ (Galater 3,8). Mit der Berufung Abrahams sprach Gott die ewige Berufung des jüdischen Volkes aus. Doch die Hauptnutznießer dieser Berufung waren nicht die Juden selbst. Ganz im Gegenteil, diese Berufung bedeutete Feindschaft und Verfolgung durch die gesamte Geschichte hindurch. Der Hauptfokus des Segens waren „alle Völkerfamilien der Erde.“ Abraham und seine Nachkommen wurden zu Gottes Werkzeug, durch das er sein Licht in eine Welt zurückbrachte, die immer dunkler geworden war.
Von Anfang an war Israel ein Leitkanal der Erlösung für die gesamte Menschheit und ein Licht für die Nationen. Statt einer weiteren Flut, die die Erde mit Gericht überziehen würde, stellte Gott sich eine Flut der Erlösung vor, die so stark sein würde, dass die Erde erfüllt werde „von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn, gleichwie die Wasser den Meeresgrund bedecken“ (Habakuk 2,14). Der frühere ICEJ-Direktor Malcolm Hedding formulierte es ganz wunderbar in seinem Buch „The Covenants of God“ (Gottes Bundesschlüsse): „Der Bund mit Abraham ist der Bund der Entscheidung Gottes, die Welt zu retten. Daher ist er der grundlegendste aller Bundesschlüsse.“
Dieser Bund hat einen Prozess in Gang gesetzt, der bis heute andauert. Die Nachkommen Abrahams haben uns die Bibel geschenkt (Röm 3,1) und den größten Segen aller Zeiten: Gottes einzigen Sohn, den Erlöser der Welt, der für die Sünden der Welt starb. Aus diesem Grunde beginnt Matthäus sein Evangelium mit dem „Geschlechtsregister Jesu Christi … des Sohnes Abrahams“ (Matthäus 1,1). Das Land, das Abraham verheißen wurde, und Jerusalem als Stadt wurden zu dem Zentrum, in dem alle Segnungen des Bundes mit Abraham freigesetzt wurden. Hier wurde unser Erlöser Jesus Christus gekreuzigt, hier ist er auferstanden und in den Himmel gefahren. Hier hat er seinen Heiligen Geist ausgegossen. Von Jerusalem schickte er seine Jünger los, um alle Völkerfamilien der Erde zu segnen. Und nach Jerusalem wird Christus eines Tages zurückkehren.
Die finale Umsetzung der Berufung Abrahams besteht darin, die gefallene Menschheit in die Gegenwart Gottes zurückzubringen, ihnen wieder den Zugang zum Paradies zu verschaffen. Genau wie Adam werden wir eines Tages wieder in einer Gartenstadt Jerusalem leben. Genau wie im Garten Eden wird ein Strom aus der Stadt hinausfließen, mit dem Baum des Lebens in der Mitte. Die Früchte der Bäume werden die Nationen und die zerbrochenen Völkerfamilien der Erde heilen, und Gott selbst wird dort immer präsent sein (Offenbarung 22). Interessanterweise war es genau diese Vision des himmlischen Jerusalems, die Abraham durchhalten ließ und ihm zu einer Quelle ständiger Kraft wurde: „Denn er wartete auf die Stadt, die feste Fundamente hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.“ (Hebräer 11,10)
Abrahams Blickwinkel seiner eigenen Berufung war unglaublich weit. Obwohl im sehr bewusst war, dass das Paradies für die Völkerfamilien der Erde verloren war, sah er eine Vision dieser wiederhergestellten Familien, genauso wie Johannes 2000 Jahre später: „Nach diesem sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Kleidern, und Palmzweige waren in ihren Händen. Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen: Das Heil ist bei unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm!“ (Offenbarung 7,9-10)
Diese große Berufung für „alle Völkerfamilien auf Erden“ betrifft das Schicksal jedes einzelnen Menschen. Sie und Ihre Familienmitglieder sind perfekte Kandidaten für die Segnungen Gottes, unabhängig von Ihrer Vergangenheit! Der Preis dafür, zu Gott zurückkehren zu können, wurde vom größten Sohn Abrahams, von Jesus Christus bezahlt. Nehmen Sie es im Glauben an.
„Alle Völkerfamilien der Erde“ erinnern uns auch in alle Ewigkeit daran, dass es die physischen Nachkommen Abrahams, das Volk Israel war, das uns diese Segnungen gebracht hat. Sie wurden dafür wie keine andere Nation verfolgt und gehasst. Daher bezeichnet uns Paulus als Schuldner der Juden und beauftragt uns, sie nun ihrerseits zu segnen.
Das Laubhüttenfest in Jerusalem weist uns auf faszinierende Art und Weise auf unsere gegenwärtige und künftige Erlösung hin. Das Motto dieses Jahres „Alle Völkerfamilien der Erde“ ist eine zeitgemäße Erinnerung an die Segnungen Abrahams. Der Prophet Sacharja sah voraus, dass alle Völker der Erde nach Jerusalem kommen würden, um das Laubhüttenfest zu feiern (siehe Sacharja 14,16ff). Unzählige Male haben mir Teilnehmer des ICEJ-Laubhüttenfestes hinterher erzählt: „Es war wie ein Vorgeschmack auf den Himmel!“ Nach Jerusalem zu kommen bedeutet nach Hause zu kommen. Jerusalem verbindet uns alle wie kein anderer Ort auf dieser Welt, sowohl mit unserer Geschichte als auch, noch viel wichtiger, mit unserer Zukunft.
Mögen Sie mit dem Segen Abrahams gesegnet werden! Ich freue mich schon darauf, Sie beim Laubhüttenfest begrüßen zu dürfen, zu dem alle Völkerfamilien der Erde nach Jerusalem eingeladen sind, um dort ihren Schöpfer zu feiern.
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