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Bereschit - Im Anfang

Schätze des Hebräischen Denkens
Katja Bühler
Seite 22 Hebräische Wurzlen älteste Bibel

Die ersten Worte der Bibel lauten:

תֹהוּ וָבֹהוּ הָיְתָה וְהָאָרֶץ  אֱלֹהִים בָּרָא אֵת הַשָּׁמַיִם וְאֵת הָאָֽרֶץבְּרֵאשִׁית  

Bereschit bara Elohim et haschamajim ve et ha’arez ve ha‘arez hajtah tohu vawohu. „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde und die Erde war wüst und leer.“ (1. Mose 1,1-2, ELB) Es ist Gott, der die Weltgeschichte beginnt. Das 1. Buch Mose, auch Genesis genannt, heißt auf Hebräisch Bereschit.

Foto: Unsplash, Symbolbild

Das erste Wort der Bibel

Das 1. Buch Mose beginnt mit dem Wort בְּרֵאשִׁיתbereschit. Es setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: בְּ be = im undרֵאשִׁית  reschit = Anfang. Zusammengenommen kann bereschit also mit „im Anfang“ übersetzt werden. Manche Bibelübersetzungen beginnen das 1. Buch Mose auch mit den Worten: „Am Anfang“. Diese Wortwahl fixiert einen bestimmten Zeitpunkt. Die wörtliche Übersetzung „im Anfang“ ist hier jedoch passender, denn sie bedeutet, dass Gott bereits in der Vergangenheit existierte – und zwar schon ehe der bestehende Kosmos ins Leben gerufen wurde.

Das Wort reschit wird von dem hebräischen Wort רֹאשׁ rosch = Haupt, Kopf, Anfang abgeleitet. Der jüdische Neujahrsbeginn heißt deshalb  רֹאשׁ הַשָׁנָה rosch haschana, d. h. Anfang oder Beginn des Jahres. Viele meinen, dass das Wort „Rutsch“ von dem hebräischen Wort rosch herkommt. Wenn wir uns einen „Guten Rutsch!“ zu Jahresbeginn wünschen, bedeutet das nicht wörtlich, dass wir rutschen sollen, sondern wir drücken damit den Wunsch für einen guten Jahresanfang aus.

Vom Ursprung der Schöpfung

Das Buch Bereschit offenbart uns den Ursprung von Himmel und Erde, aller Lebewesen, der Pflanzen, von Tag und Nacht, den Planeten – der gesamten Schöpfung. Das nächste Wort im ersten Vers der Bibel, בָּרָא bara, hat ebenfalls eine ganz besondere Bedeutung. Bara heißt erschaffen, etwas absolut Neues kreieren. Es wird nur in Bezug auf Gott verwendet! Nur er kann aus dem Nichts etwas noch nie Dagewesenes ins Sichtbare bringen. Gott erschuf die Himmel und die Erde. Das war ein gewaltiger Schöpfungsakt! In der Bibel gibt es diverse Möglichkeiten auszudrücken, dass etwas erschaffen wird. So gibt es das Verb יָצַר jazar, was formen oder bilden heißt. Zum Beispiel werden Adam und Eva geformt. In 1. Mose 2,7 wird dafür das Wort jazar verwendet: „Da bildete (jazar)Gott den Menschen aus Staub vom Erdboden.“ Dann gibt es das Verb  עָשָֹהasah. Es bedeutet machen oder herstellen. Zum Beispiel machte Gott Adam und Eva Leibröcke aus Fell (1. Mose 3,21).

Beim ersten Schöpfungswerk von Himmel und Erde muss noch erwähnt werden, dass das Wort Himmel im Plural steht:   שָּׁמַיִם Schamajim = Himmel. Die Endung -im deutet im Hebräischen immer auf einen Plural hin. Gott hat nicht nur den sichtbaren blauen Himmel geschaffen, den wir von der Erde aus sehen, sondern er hat mindestens noch einen weiteren Himmel geschaffen, den wir Menschen nicht sehen. In Matthäus 6,9 steht bestätigend: „Unser Vater, der du bist in den Himmeln.“ (ELB) Auch steht das Wort für Gott =אֱלֹהִים  Elohim im Plural. Das kann entweder ein Hinweis auf Gottes Dreieinigkeit sein oder es zeigt einfach die unvorstellbare Größe und Allmacht Gottes auf.

Tohuwabohu

Die nächste Aussage ist nicht sehr idyllisch. Es steht geschrieben: „Die Erde war wüst und leer.“ (1. Mose 1,2). Im Hebräischen stehen hier die Worte תֹהוּ וָבֹהוּtohu vawohu: tohu = Öde, Wüste, Leere / va = und / wohu = ungeordnet sein. (Der Buchstabe ב bet kann je nach Punktation als  בּb oder als ב w ausgesprochen werden.) Daraus entstand im Deutschen das Wort Tohuwabohu. Ein Tohuwabohu ist der Inbegriff eines unschönen Zustandes, einer großen Leere oder einer Unordnung, eines Durcheinanders.

Das kraftvolle Wort Gottes

Doch Gott setzt dem Tohuwabohu etwas Kraftvolles entgegen. Dabei benutzt er eine weitere Variante des Erschaffens, indem er spricht (אָמַר amar) und nicht wie in Vers 1 etwas Neues kreiert. In 1. Mose 1,3 lesen wir: „Gott sprach: ‚Es werde Licht!‘ Und es wurde Licht.“ Das ist sehr interessant und lässt aufhorchen. Dieses besondere Licht muss schon irgendwo in der Ewigkeit präsent gewesen sein. Gott rief dieses Licht herbei, um es der herrschenden Dunkelheit entgegenzusetzen. Was für ein herrlicher und unbeschreiblicher Moment muss es gewesen sein, als plötzlich das göttliche Licht hell in der Finsternis erstrahlte!

Dieses Licht hat nichts mit dem uns bekannten natürlichen Licht zu tun, denn die Himmelskörper, Sonne und Mond, werden erst am 4. Tag der Schöpfung erschaffen (vgl. 1. Mose 1,14-19). Vielmehr wird es als das Licht des Messias gedeutet (siehe den Artikel „Das Licht des Messias“). Der Messias Jesus Christus bezeichnet sich später selbst als Licht der Welt! „Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)

Gottes Licht wirkt

Auch wir befinden uns heute persönlich wie auch weltweit in einem ungewissen Zustand, in einem Tohuwabohu. Sicherheiten und Gewohnheiten sind gewaltig am Wanken. Große Ratlosigkeit herrscht in Politik, Wirtschaft, Kultur ... Viele Menschen fühlen sich wie gelähmt. Doch wir dürfen sicher sein: Gottes helles Licht wird in unsere Schwierigkeiten, Nöte und Probleme hineinwirken! Er möchte Licht in das Tohuwabohu bringen! Er möchte Lösungen erschaffen, formen, bilden, herstellen ... auf welche Weise auch immer, er hat unbegrenzte Möglichkeiten. Er ist der Schöpfergott!

Wir dürfen mit großer Zuversicht, Hoffnung und Freude Gottes Wirken erwarten und dafür beten. Er, der das Weltgeschehen in 1. Mose 1, mit dem Buch Bereschit, begonnen hat, wird auch heute weiter schöpferisch wirken – bis zum Zeitpunkt der Vollendung der Weltgeschichte.

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