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Gottes Beziehung zu Israel ist eine Liebesgeschichte mit Licht- und Schattenseiten. Und es gibt viel, was wir als Christen daraus lernen können. Das Konzil von Nicäa.
WICHTIGSTES KONZIL
Das Konzil von Nicäa fand im Jahr 325 n. Chr. statt. Es gilt laut Kirchenhistorikern wie Philip Schaff als „das wichtigste und berühmteste aller Konzilien der Christenheit“ (1) – gleich neben dem Apostelkonzil in Jerusalem. Nicäa war das zweite Konzil seit den Tagen der Apostel. Beim ersten Kirchenkonzil, dem Apostelkonzil in Jerusalem, wurde über den Umgang mit Heiden diskutiert, die sich der bis dahin überwiegend jüdischen Glaubensgemeinschaft anschließen wollten – nachzulesen in Apostelgeschichte 15. Bei dieser Versammlung in Jerusalem öffneten die (jüdischen) Apostel die Tür weit für heidnische Gläubige, die sich der jungen Kirche anschließen wollten.
VERSCHLOSSENE TÜREN
Nicäa beeinflusste die Kirche auf ähnlich einschneidende Weise. Doch anders als beim Konzil von Jerusalem waren inzwischen längst die „Heidenchristen“ in der Mehrheit, und sie verschlossen nun die Türen der Kirche – für das jüdische Volk! Die Nabelschnur zwischen Kirche und Israel wurde durchtrennt. Dabei war es doch das jüdische Volk, aus dem die Kirche hervorgegangen war. Diese Verachtung der jüdischen Wurzeln ebnete den Weg für wachsende antijüdische Tendenzen unter den Christen in den folgenden Jahrhunderten. Die Abkehr vom Volk Israel beruhte allerdings nicht auf apostolischer Autorität oder biblischen Erkenntnissen, sondern auf kaiserlicher Intervention: Verantwortlich dafür war der römische Kaiser Konstantin.
KAISER KONSTANTIN, der von 306 bis 337 n. Chr. regierte, war zum Christentum konvertiert. Dies bedeutete eine enorme Erleichterung für die frühe Kirche, die wenige Jahre zuvor eine der schlimmsten Verfolgungswellen durchlitten hatte. Konstantin milderte nicht nur die Ängste der Kirche, sondern beschloss auch, seinen neuen Glauben zur offiziellen Religion des Römischen Reiches zu machen.
Doch das Christentum war keine einheitliche, harmonische Gemeinschaft, musste Konstantin bald feststellen. Im ganzen Reich gab es viele unterschiedliche Fraktionen und theologische Ansichten – vor allem zur Person Jesu Christi. Besonders zur Frage: War Jesus vollständig göttlich oder nur ein Mensch?
GOTT ODER MENSCH? Einer der Hauptgegner der göttlichen Natur Christi war Arius, ein Priester aus Alexandria. Er lehrte, Christus sei ein geschaffenes Wesen, nicht vollständig göttlich und habe nicht dieselbe Substanz wie Gott. Obwohl er aus der Kirche exkommuniziert wurde, verbreitete sich seine Lehre. Vor allem im Osten sorgte sie für erhebliche Uneinigkeit, später „arianischer Streit“ genannt. Auch andere wichtige Fragen kamen auf, etwa ob Rückfällige, die ihren Glauben in einer Zeit der Verfolgung aufgegeben hatten, wieder in die Kirche aufgenommen werden sollten. Konstantin störte auch das Fehlen eines einheitlichen Feiertagskalenders. (2) Zu dieser Zeit gab es viele verschiedene Traditionen, wann der Tod und die Auferstehung Christi gefeiert wurden. Konstantin wollte einen einheitlichen christlichen Kalender für sein gesamtes Reich.
DREIFALTIGKEIT GOTTES
Für eine neue Staatsreligion fand Konstantin das alles zu verwirrend. Deshalb berief Konstantin das weltweite Konzil ein. In Nicäa (oder Nicäa, dem heutigen Iznik, südlich von Istanbul) wollte er diese Fragen ein für alle Mal klären.
Nach monatelangen Beratungen wurde die göttliche Natur Jesu – die Dreifaltigkeit Gottes – bekräftigt. Dieses so genannte Glaubensbekenntnis von Nicäa dient den meisten Kirchen auf der ganzen Welt auch heute noch als zentrales Glaubensbekenntnis und wurde in den letzten 1.700 Jahren zu einer wichtigen, verbindenden Basis für den christlichen Glauben. Diese Frucht von Nicäa darf nicht heruntergespielt werden! Darüber hinaus wurden Gläubige, die in Zeiten der Verfolgung ihren Glauben verleugnet hatten, wieder in die Kirche aufgenommen. Es war kein einfacher Prozess. Fast 300 Bischöfe diskutierten vom 20. Mai bis zum 24. August über diese Fragen.
NEUE ZEITRECHNUNG
Das Konzil befasste sich auch mit dem Fehlen des einheitlichen Kirchenkalenders. Das Ergebnis: Ostern sollte fortan immer auf einen Sonntag fallen, auf die Tagundnachtgleiche im Frühling folgen und niemals zur gleichen Zeit wie das Fest der Juden (Pessach) gefeiert werden. (3) Nach dem Ende des Konzils informierte der Kaiser per Brief die großen Gemeinden über die Ergebnisse und den gemeinsamen Kirchenkalender. In seiner Zusammenfassung wird jedoch deutlich, dass Konstantin mit der neuen Festlegung des Osterdatums vor allem eines erreichen wollte: Die Christen sollten bei der Feier nicht mehr auf jüdische Vorgaben bzw. den jüdischen Kalender angewiesen sein. Nach Nicäa wurde jede Verbindung zum biblischen Pessachfest untersagt. Die zahlreichen Parallelen zwischen den letzten Tagen Jesu Christi und dem biblischen Pessachfest sowie die Tatsache, dass Paulus Jesus unser Passalamm nannte (1. Korinther 5,7), wurden ignoriert. Vollständig.
„PÖBEL DER JUDEN“
Konstantin schrieb an die Kirchen: „[...] es erschien jedem eine äußerst unwürdige Tatsache, dass wir in diesem äußerst heiligen Fest den Gewohnheiten [Anm. der Berechnung] der Juden folgen sollten, welche […] ihre Hände befleckt haben mit einem ruchlosen Verbrechen, es ist nur gerecht, dass sie in ihrem Sinn erblindet sind.“ Im selben Brief nennt er es als Ziel, sich von „dieser abscheulichen Gemeinschaft“ zu trennen und „nichts gemeinsam“ zu haben „mit dem äußerst feindlichen Pöbel der Juden“. (4) Das Glaubensbekenntnis und die zwanzig Kanones, die aus Nicäa hervorgingen, waren frei von antijüdischer Rhetorik. Doch die offiziellen Briefe von Kaiser Konstantin offenbarten eine kritische und herablassende Haltung gegenüber den Juden. Nicäa wurde damit zum Maßstab für künftige Konzile und gab den Ton an für die kommenden Jahrhunderte. Nur wenige Jahrzehnte nach Nicäa hetzte einer der am meisten verehrten Kirchenväter, Johannes Chrysostomus, gegen die Juden: Die Juden taugen „nur noch für den Schlächter“ schrieb er in seinen „Acht Reden gegen die Juden“. Und fügte hinzu, dass es für sie durch die Tötung Jesu „keine Besserung mehr, keine Verzeihung und auch keine Entschuldigung“ gäbe. (5)
WAS PAULUS LEHRTE
Das Verhalten der Kirche ist erstaunlich, denn Apostel Paulus hätte in seinen Lehren über die einzigartige, bleibende Berufung Israels nicht deutlicher sein können: „Sie sind Israeliten, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und die Bundesschlüsse und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, denen auch die Väter gehören und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch. Gott, der da ist über allem, sei gelobt in Ewigkeit“ (Römer 9,4‑5). Paulus erkannte, dass die meisten Juden Jeschua zwar nicht als ihren Messias angenommen hatten, aber dennoch „Geliebte um der Väter willen“ sind (Römer 11,28). Paulus betrachtete ihre Ablehnung Jesu nur als einen vorübergehenden Zustand, den die hebräischen Propheten vorausgesagt hatten (z. B. Jesaja 6). Er glaubte auch an eine Zeit, in der „ganz Israel gerettet wird“ (Römer 11,26).
WARNUNG VOR HOCHMUT
So warnte er die nichtjüdischen Gläubigen vor Hochmut gegenüber den Juden (Römer 11,18ff). Sie sollten sich auf ihre eigene Herkunft besinnen, dass sie „zu jener Zeit ohne Christus“ waren, „ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und den Bundesschlüssen der Verheißung fremd“ und ohne „Hoffnung und […] ohne Gott in der Welt“ (Epheser 2,12). Nur durch den Glauben an den (jüdischen) Messias sind sie durch die Gnade Gottes in die Nähe des Volkes Israel gerückt und haben Anteil an den Verheißungen Gottes für Israel. Das war nicht nur Theologie, sondern hatte zu Paulus’ Zeiten auch ganz praktische Konsequenzen für die Kirche. An die Gemeinde in Korinth schrieb Paulus, dass jede Woche etwas als Opfergabe für die Heiligen in Jerusalem beiseitegelegt werden solle (1. Korinther 16,1‑4; 2. Korinther 9). Wo immer Paulus hinging, wies er die Gemeinden an, die jüdischen Gläubigen in Jerusalem zu unterstützen. Der Grund dafür war ganz einfach: „Denn wenn die Heiden an ihren [Anm. der Juden] geistlichen Gütern Anteil bekommen haben, ist es recht und billig, dass sie ihnen auch mit irdischen Gütern dienen“ (Römer 15,27).
SONNTAG STATT SCHABBAT
Mit der Abnabelung vom Judentum wurde auch ein neuer wöchentlicher Feiertag eingeführt: Der Sonntag. Zuvor war der Sonntag nicht als heiliger Tag begangen worden, es gab nur vereinzelt Christen, die am Sonntagmorgen vor der Arbeit beteten und in der Schrift lasen, um daran zu erinnern, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Konstantins Ziel war es aber, die Kirche vollständig von allen jüdischen Bräuchen zu trennen. Damit die Christen den Schabbat nicht feierten, wie bis dahin vielfach üblich, ernannte er den Sonntag zum neuen heiligen Tag. Das Konzil von Laodicea bekräftigte diese Entscheidung. Christen, die weiterhin den jüdischen Schabbat hielten, wurden als „Judaisten“ abgetan und verfolgt.
MÖRDER STATT GELIEBTE
Die Frage des Paulus, „Was haben dann die Juden für einen Vorzug?“, wurde nicht mehr mit „Viel in jeder Weise!“ (Römer 3,1‑2) beantwortet, sondern mit einem Geist der Ablehnung. Die Juden wurden nicht mehr als „Geliebte um der Väter willen“ betrachtet (Römer 11,28), sondern als „Mörder Christi“. In verschiedenen Konzil-Protokollen werden Juden in „Listen der Verdammten“ neben Ketzern und Heiden genannt. (6) Nach Nicäa forderten Bischöfe jüdische Christen auf, ihre jüdischen Namen aufzugeben und „christliche Namen“ anzunehmen. (7) Paulus hatten von den Heiden geschrieben, die ohne Gott und ohne Hoffnung waren (Epheser 2,12), aber nun galt dies für die Juden – eine Lehre, die dem Neuen Testament zuwiderläuft.
VERACHTUNG UND VERBOTE
All dies führte zu strengen Gesetzen, die jeden freundschaftlichen Umgang mit Juden untersagten. Nicäa und die nachfolgenden Konzilien lehrten, dass Christen nichts mit Juden zu tun haben sollten. Amtsträger, die Synagogen besuchten und dort beteten, sollten ihres Amtes enthoben werden und einfache Christen, die dies taten, sollten ausgestoßen werden. (8) Die Synode von Trullo verbot die Teilnahme an jüdischen Festen und untersagte die Verwendung von ungesäuertem Brot während des Pessachfestes. Christen dürfen sich nicht einmal von einem jüdischen Arzt behandeln lassen, entschied eine Synode. Jüdische Feste zu feiern und den Schabbat zu halten, käme einer „Verhöhnung Christi“ gleich, entschieden die Bischöfe. (9)
DAS GIFT VON NICÄA
Dieser neue Geist der Judenverachtung führte zu einer Kluft zwischen der Kirche und dem jüdischen Volk, die immer größer und extremer wurde. Nicäa bahnte den Weg für die Gräueltaten der Kreuzzüge, bei denen die Tötung von Juden als gottgefällig angesehen wurde, für grausame Inquisitionen, Vertreibungen und Pogrome. Und letztlich auch für den Holocaust und Hitler, der den deutschen Reformator Luther zitieren konnte, um seinen Hass auf Juden zu rechtfertigen.
„Judensau“ am Regensburger Dom: Nicäa bahnte den Weg für Judenhass in Kirche und Gesellschaft.
FASTENAUFRUF
Nicäa war erst das zweite große Kirchenkonzil. Während die von Juden gegründete Kirche in Apostelgeschichte 15 bereit war, gläubige Heiden aufzunehmen und zu akzeptieren, schloss die heidnische Kirche nach Nicäa die Juden schamlos aus dem gesamten kirchlichen Leben aus – und fachte damit den christlichen Antisemitismus für die kommenden Generationen an. 1.700 Jahre nach Nicäa rufen wir deshalb Gläubige in der ganzen Welt dazu auf, gemeinsam zu beten und zu fasten. Das Konzil dauerte von Mai bis August. Wir bitten Sie deshalb, sich während der nächsten Wochen bis zum 24. August an einer besonderen Gebets- und Fastenaktion zu beteiligen.
FASTENKETTE
Während dieser Zeit laden wir Sie ein, für die guten Früchte des Konzils zu danken, aber auch für die Heilung der großen Wunden zu beten, die das Konzil beim jüdischen Volk verursacht hat. In Nicäa entstand unser Glaubensbekenntnis. Nicäa schädigte aber auch die christlich-jüdische Beziehung erheblich. Wir wollen uns in unseren Gebeten deshalb mit den Themen Reue, Erinnerung, Versöhnung und Wiederherstellung befassen und darauf vertrauen, dass Gott neue Erweckung und Heilung bringen wird. Es geht nicht darum, während der gesamten Zeit zu fasten, aber bitte wählen Sie einige Tage aus, an denen Sie fasten und sich so unserer weltweiten Gebets- und Fastenkette anschließen – gerne auch per Zoom-Gebet.
GEBETSTREFFEN
Es gibt jeden Montag um 15 Uhr von Jerusalem aus eine internationale Zoom-Gebetsgemeinschaft der ICEJ speziell für das Nicäa-Gebet (Englisch). Zugang: on.icej.org/ICEJ GlobalPrayer (Rückfragen dazu unter prayer@icej.org).
AUFRUF ZUM GEBET
JESAJA 62 GEBET Vor-Ort-Gebetstreffen finden außerdem monatlich in Deutschland, Österreich und in der Schweiz statt. Mehr Infos dazu auf den jeweiligen Webseiten. Außerdem laden wir immer montags, mittwochs und freitags um 19.30 Uhr zum Zoom-Gebet ein. Zugänge unter https://de.icej.org/jesaja-62-initiative-der-icej Beten Sie mit uns für Israel und die Welt!
Nähere Infos: www.icej.de
Gebetsanliegen zu Nicäa
Reue: Wie Daniel wollen auch wir für die Sünden unserer Vorfahren im Glauben Buße tun. Wir wollen um Vergebung bitten, weil die Kirche versagt und gegen das Volk gesündigt hat, das uns den Messias und das Wort Gottes gab.
Erinnerung: Jede Woche lernen wir mehr über Nicäa, um diesen Wendepunkt der Kirchengeschichte zu verstehen und zu erkennen, welchen Segen und welche Flüche dieser Konzil uns brachte.
Versöhnung: Wir beten, dass Gott weiterhin Versöhnung zwischen Christen und Juden schenkt, wie er es in den letzten 100 Jahren getan hat, und dass immer mehr Christen Israel aktiv unterstützen.
Wiederherstellung: Wir beten, dass unser Gott nach Maleachi 3,24 die Herzen der Väter (des jüdischen Volkes) zu den Kindern (der heidnischen Kirche) und die Herzen der Kinder (der heidnischen Kirche) zu den Vätern (des jüdischen Volkes) bekehrt.
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