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Welche besondere Rolle schlichtes Brot im Judentum spielt – und was ein unscheinbarer Verkaufstisch auf dem Mahane Yehuda Markt in Jerusalem damit zu tun hat.
Es duftet bereits nach gemahlenem Kaffee und ofenfrischem Brot, nach Kräutern und Gewürzen. Der Mahane Yehuda Markt in Jerusalem erwacht zum Leben. Zu dieser frühen Stunde sind nur wenige Kunden unterwegs. Trotzdem hat der Bäcker seine Waren bereits ausgebreitet. Auf dem breiten Verkaufstisch stapeln sich Zopfbrote, süße Backwaren, Kekse, Baguette und Mohnbrot.
„Iss nicht das Brot des Geizigen!“, warnt die Bibel (Sprüche 23,6). Für jüdisch-orthodoxe Bäcker sind das keine leeren Worte. Auch der Bäcker auf dem Mahane Yehuda Markt nimmt die Mahnung ernst. Wie bei vielen jüdischen Bäckereien in Israel üblich, gibt es deshalb an seinem Stand einen besonderen Verkaufstisch, etwas versteckt im Schutz einer Mauer, abgeschirmt vor den Blicken der Verkäufer und anderer Kunden. Auch hier türmen sich die leckeren Backwaren. Die Brote und süßen Köstlichkeiten liegen auf diesem Tisch allerdings bereits in Tüten verpackt, damit man sie schnell und unauffällig im Vorbeigehen mitnehmen kann.
Denn an diesem Teil der Verkaufstheke darf man sich bedienen, ohne zu bezahlen. Diese Brote sind für Bedürftige vorgesehen. Wer sich kein Brot leisten kann, soll nicht darum betteln oder sich rechtfertigen müssen. Es gibt kein Hinweisschild, das auf die Besonderheit dieser Auslagen hinweist, denn man will die „Kunden“, die hier zugreifen, nicht beschämen, aber jeder Einheimische weiß, was es mit den Broten auf diesem Tisch auf sich hat.
Manche Tüten sind prall gefüllt, in anderen liegen nur einzelne Backwaren, je nach Größe der Familie, die versorgt werden muss. Eine junge orthodoxe Mutter mit Kinderwagen packt im Vorbeigehen gleich zwei große Tüten ein. Die umstehenden Marktbesucher schauen betont in eine andere Richtung.
Brot genießt einen sehr hohen Stellenwert im Judentum. Es gilt als wichtigstes Nahrungsmittel – eine Mahlzeit ist nur dann vollwertig, wenn Brot dazu gereicht wird.
„Brich dem Hungrigen dein Brot“, heißt es in Jesaja 58,7. Daraus leiten gläubige Juden ab, dass ein Armer nicht „von oben herab“ versorgt werden soll, sondern als gleichwertiger Teil der eigenen Gemeinschaft. Der Talmud berichtet, dass Rabbi Huna (ca. 211 n. Chr.) vor jeder Mahlzeit, zu der Brot serviert wurde, die Türen öffnete und jeden zum Mitessen einlud, der hungrig war. Sein Handeln ist bis heute ein Vorbild für viele orthodoxe Juden.
Jesus greift die besondere Rolle auf, die Brot im Judentum einnimmt. Er bezeichnet sich selbst als lebendiges Brot. „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit“ (Johannes 6,51). Käme man in unserem westlichen Kulturkreis auf die Idee, sich selbst mit Brot zu vergleichen? Die Bibel berichtet, dass Jesus in Betlehem (Beth Lechem) geboren wurde. „Beth“ bedeutet „Haus“, „Lechem“ ist das hebräische Wort für „Brot“. Jesus wurde also im „Haus des Brotes“ geboren – wie übrigens zuvor König David.
Praktizierende Juden essen Brot nicht einfach nebenbei. Ehe Brot gegessen wird, schüttet man sich Wasser über die Hände, dreimal über jede Hand. Denn Brot ist ein Symbol für das kostbare Leben, das Gott geschenkt hat. Wobei Gott nie versprochen hat, dass dieses Leben einfach sein wird: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ (1. Mose 3,19).
Brot darf nicht verfälscht oder „vermischt“ werden. Ein Hefezopf, dem Zucker zugegeben wird, gilt orthodoxen Juden nicht mehr als Brot. Auch ein Brotteig, dem beispielsweise Kürbiskerne oder Walnussmehl beigemengt wurde oder der mit Käse überbacken wird, darf zwar gegessen werden, doch diese Backware wird ebenfalls nicht mehr als Brot betrachtet.
Zu Schabbat-Beginn liegen stets zwei Hefezöpfe, Challot, auf dem gedeckten Tisch. Diese „doppelte Portion Brot“ erinnert daran, dass Gott seinem Volk während der Wüstenwanderung am Tag vor Schabbat stets die doppelte Portion Manna zukommen ließ, damit sich an Schabbat niemand um Nahrung sorgen musste.
Es gibt einen speziellen Segen, der nur über Brot gesprochen wird und daran erinnert, dass es Gott ist, der das Korn wachsen lässt:
„Baruch ata Adonai, Eloheinu Melech Ha Olam, bore lechem min Haaretz.“ „Gesegnet bist du Adonai, unser Gott, König der Welt, der das Brot aus der Erde gemacht hat.“
Dieser Brotsegen beinhaltet zugleich alle anderen Lebensmittel und Getränke, die auf dem Tisch stehen – außer an Schabbat. Denn an Schabbat wird vor dem Brot der Wein gesegnet. Damit diese „falsche“ Rangordnung nicht den Wert des Brotes beleidigt, decken orthodoxe Juden die Challot mit einem Tuch ab. Erst wenn der Wein gesegnet und der erste Schluck aus dem Becher getrunken wurde, entfernt man die Brotdecke. Nun werden die Challot gesegnet.
Wird Brot gegessen, steht in orthodoxen Haushalten stets Salz auf dem Tisch. Denn der Esstisch soll den Altar symbolisieren, der einst im Tempel stand, und das Salz erinnert daran, dass die Opfer auf dem Altar einst mit Salz dargebracht wurden, wie es im 3. Buch Mose 2,13 heißt: „Jede deiner Opfergaben sollst du mit Salz darbringen.“
Außerdem bezeichnet diese Bibelstelle (und weitere) das Salz als Zeichen des Bundes, den Gott mit seinem Volk geschlossen hat: „… du sollst das Salz des Bundes deines Gottes nicht fehlen lassen.“ Dieses Bild greift Jesus auf, als er seine ursprünglich ausschließlich jüdischen Jünger daran erinnert, dass sie das Salz der Welt sind.
Nach dem Genuss von Brot sprechen orthodoxe Juden ein (sehr langes) Dankgebet. Denn anders als in vielen christlichen Haushalten üblich, findet das eigentliche Tischgebet im Judentum nicht vor, sondern nach dem Essen statt, weil es im 5. Buch Mose heißt: „Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.“
Diesen Auftrag, Gott im Tischgebet für das verheißene Land zu loben, haben Juden zwei Jahrtausende lang in der Diaspora bei jeder Mahlzeit erfüllt, bis heute. Das traditionelle Tischgebet, das schon sehr früh aus diesem Gebot entstand, trug mit dazu bei, die Verbindung und Sehnsucht des jüdischen Volks zum biblischen Heimatland zu erhalten.
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