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Chanukka und das Geheimnis der Gesetzlosigkeit

Chanukka und das Geheimnis der Gesetzlosigkeit

Jedes Jahr, im November oder Dezember, feiern die Juden Chanukka. Dieses achttägige Fest beginnt am 24. Tag des Monats Kislew und erinnert an Ereignisse im Jahr 167 v. Chr., zu einer Zeit, in der Israel sich unter syrisch-griechischer Herrschaft befand und das jüdische Volk schwere politische und religiöse Verfolgung erlitt.
Dr. Jürgen Bühler, Präsident der ICEJ
Fünf Kerzen am Leuchter brennen zu Chanukka. In der Mitte des Leuchter ist ein Davidstern.

Der griechische Herrscher Antiochus IV. Epiphanes (Griechisch: „der erscheinende Gott“) versuchte, das Volk Israel von ihren biblisch-jüdischen Überlieferungen abzubringen. Das Studium der Thora (die fünf Bücher Moses) und viele biblische Traditionen, wie z.B. die Beschneidung und das Feiern biblischer Feste, wurden verboten. Antiochus entweihte auch den Tempel in Jerusalem, indem er dort dem griechischen Gott Zeus Schweine opferte. Diese Zeit gilt heute noch als eine der dunkelsten Stunden des jüdischen Volkes.

Chanukka – ein biblisches Fest

Schließlich wurde Israel durch einen kühnen Anführer befreit: Judas Makkabäus, der einer Priesterfamilie entstammte. Die Geschichte des großartigen Wunders, das heute während Chanukka gefeiert wird, besagt, dass ein winzig kleiner Überrest des Öls, das für die Menora im Tempel vorgesehen war, auf wundersame Weise acht Tage lang brannte – so lange, bis neues, rituell reines Öl hergestellt werden konnte.

Chanukka ist keines der „Feste des Herrn“, die von Gott ausdrücklich in der Heiligen Schrift eingesetzt wurden, denn diese Ereignisse fanden rund 300 Jahre nach der Niederschrift des letzten Buchs des Tanach, des Alten Testaments, statt. Dennoch kann man es als biblisches Fest bezeichnen, denn die Ereignisse, die zu diesem Fest führten, wurden vom Propheten Daniel genauestens vorhergesagt – rund 400 Jahre, bevor sie stattfanden (vgl. Daniel 8 und 11). Wir lesen auch, dass Jesus sich zu Chanukka, dem „Fest der Tempelweihe“, in Jerusalem aufhielt (Johannes 10,22).

Chanukka und der Antichrist

Obwohl die meisten Christen dieses jüdische Fest nicht feiern, hat Chanukka eine wichtige Bedeutung für die Kirche, denn es lehrt uns etwas über das Prophetische. Chanukka stellt den syrisch-griechischen König, Antiochus IV. Epiphanes, als einen Prototyp des Antichristen dar. Das Buch Daniel, Kapitel 11, beschreibt zunächst die Abfolge der Ereignisse, die Chanukka vorausgingen und geht dann nahtlos über in eine die ferne Zukunft betreffende Prophetie, die von einem künftig Bösewicht – dem Antichrist – spricht. Obwohl heutzutage kaum über den Antichristen gepredigt wird, spricht die Bibel immer wieder von ihm (Daniel Kapitel 7, 8, 11 und 12; 2. Thessalonicher Kapitel 2; 1. Johannes Kapitel 2 und 4; Offenbarung Kapitel 13 und 17).

Die Bibel beschreibt ihn als den größten Widersacher von Gottes Volk (d.h. sowohl von Israel als auch von der Kirche) in den Jahren unmittelbar vor der Wiederkunft Christi. Für Gott selbst stellt der Antichrist weder eine Herausforderung noch eine Bedrohung dar. Jesus wird ihn bei seiner Rückkehr mit „dem Hauch seines Mundes“ ein Ende machen (2. Thessalonicher 2,8). Aber für das Volk Gottes wird er eine enore Herausforderung darstellen, denn er wird „gegen die Heiligen Krieg führen“. (Daniel 7,21)

Die Bibel hat verschiedene Namen für ihn. Paulus nennt ihn den „Mensch des Frevels“, den „Sohn des Verderbens“ und den „Widersacher“ (2. Thessalonicher 2,1ff). Jesus spricht von „einem anderen, der kommen wird“ und Johannes bezeichnet ihn als den „Antichristen“ (1. Johannes 2,18ff) und als „das Tier“ (Offenbarung 13). Daniel spricht von ihm als einem König (Daniel 11) und in rätselhafter Weise als von einem Horn, das „hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul, das redete große Dinge.“ (Daniel 7,8+11+20+21)

Voraussetzung für Jesu Wiederkunft

Es ist wichtig, dass wir diesen Inbegriff des Bösen verstehen, denn sein Kommen ist nicht nur möglich, sondern absolut gewiss. Paulus betrachtete es als Voraussetzung für die Wiederkunft Jesu (2. Thessalonicher 2,3) und predigte und schrieb darüber (2. Thessalonicher 2,5). Des Weiteren ist das Auftreten des Antichristen laut Paulus und Johannes nicht nur ein einmaliges Ereignis, irgendwann in ferner Zukunft. Sie sahen die Prinzipien und die geistlichen Kräfte des Antichristen bereits in ihren Tagen am Werk. Ich bin überzeugt, dass sie auch sehr stark in unseren Tagen am Werk sind. Johannes bezeichnet diese finstere Macht als den „Geist des Antichrists“, der „jetzt schon in der Welt“ ist (1. Johannes 4,3). Paulus bezeichnet es als das „Geheimnis der Gesetzlosigkeit“, das „schon wirksam“ ist (2. Thessalonicher 2,7; ELB).

Anpassung an fremde Bräuche

Zurück zu Chanukka: Wie fing damals alles an, als Antiochus Epiphanes auftrat und das Volk Gottes in so bösartiger Weise angriff und täuschte? Wie kam es ihm in den Sinn, sich „gegen den heiligen Bund“ zu wenden und Krieg gegen die Heiligen zu führen?

Das apokryphe Buch der Makkabäer gibt uns Aufschluss. Es weist darauf hin, dass der Gedanke, dies zu tun, nicht von seinem eigenen Verstand als vorgefasster bösartiger Plan gegen die Juden ausgelöst wurde, sondern dass er aus dem Volk Gottes kam. Im ersten Buch der Makkabäer lesen wir, dass zur Zeit, als Antiochus an die Macht kam, „in Israel frevelhafte Leute [auftraten]; die überredeten viele und sagten: Lasst uns ein Bündnis mit den Völkern ringsum schließen; denn wir haben viel leiden müssen seit der Zeit, da wir uns von den Völkern abgesondert haben.“ (1. Makkabäer 1,11) Mit anderen Worten, bereits Jahre bevor Antichus nach Israel kam, war der „Geist der Gesetzlosigkeit“ unter dem Volk Gottes am Werk, als einige dachten, nichtjüdische Sitten und Bräuche anzunehmen sei besser, als sich streng an das Wort Gottes zu halten.

Traurigerweise fand der Aufruf dieser Leute großen Anklang. Einige ergriffen sogar die Initiative, Antiochus zu besuchen, um seine Genehmigung für ihr Vorhaben einzuholen. Die Konsequenz war, dass Jerusalem zu einem Zentrum griechischen Lernens und griechischer Kultur in der Region wurde. Es wurde sogar ein Gymnasion errichtet – das Markenzeichen griechischer Zivilisation. Alle Aktivitäten in diesen Gymnasia, die zur körperlichen Ausbildung junger Männer dienten, wurden vollkommen nackt ausgeführt. Bald versuchten die Wettkämpfer, beschämt über ihre jüdische Identität, ihre Beschneidung mit verschiedenen Mitteln „rückgängig“ zu machen.

Entweihung des Tempels

Zur gleichen Zeit konnte Antiochus seine Herrschaft stärken und das benachbarte Ägypten erobern. Auf dem Weg zurück nach Griechenland zog er durch Jerusalem und „ging frech und ohne Scheu in das Heiligtum und ließ wegnehmen den goldenen Altar, den Leuchter und alle Geräte, die dazugehören.“ (Vers 21) Von diesem Moment an wurde die griechische Kultur nicht nur gefördert, sie war die einzig erlaubte Option. Thorastudium, Gebet und Beschneidung wurden mit der Todesstrafe belegt und der Tempel wurde vollkommen entweiht.

Die Tür, die „frevelhafte Leute in Israel“ zu Liberalismus und Weltoffenheit geöffnet hatten, zu neuen Kulturen und moderneren Praktiken, führte nicht nur zu moderneren und „kulturell relevanten“ Ausdrucksformen des Glaubens, sondern öffneten der Zerstörung des geistlichen Lebens in Israel Tür und Tor.

Der Abfall

Es ist daher nicht überraschend, dass Paulus eine ähnliche Abfolge der Ereignisse in den letzten Tagen voraussieht. Vor dem „Tag des Herrn“ muss „der Abfall“ kommen, und der „Mensch des Frevels“ offenbar werden. Paulus sieht einen Abfall, eine Abkehr von Gott (Griechisch apostasia), die dem Kommen des Antichristen vorausgeht (2. Thessalonicher 2,2ff).

Paulus sagt auch, „das Geheimnis der Gesetzlosigkeit“ sei bereits am Werk. Sowohl Paulus als auch Jesus warnen uns, dass in den letzten Tagen die größte Bedrohung für Gottes Volk nicht Gesetzlichkeit oder übermäßig strenger Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes sein wird, sondern die „Gesetzlosigkeit“ in solchem Maße „überhandnehmen wird“, dass Menschen von ihrem Glauben abfallen werden.

Es sollte uns zu denken geben, dass seit der Covid-19-Pandemie in vielen Kirchen und christlichen Gemeinden in Europa und Nordamerika die Besucherzahlen dramatisch zurückgegangen sind. „Die Menschen verschwinden einfach“, erzählte mir ein Pastor in einem europäischen Land vor Kurzem. Zwar besuchen inzwischen wieder mehr Menschen die Gottesdienste, dennoch ist dies Grund zur Sorge.

Abkehr von Gottes Wort

Es sollte uns ebenfalls zu denken geben, dass ein bekannter christlicher Leiter in den USA vor Kurzem seine Gemeinde aufrief, sich vom Alten Testament „abzukoppeln“, da es für die junge Generation von heute nicht mehr relevant sei und sie sogar von der Kirche wegführe. Wir sollten gewarnt sein, wenn Kirchen in Europa sich eine „gendersensible Sprache“ aneignen, was dazu führen kann, dass sie sich von der Wahrheit, dass Gott den Menschen nach seinem Bilde schuf – „als Mann und Frau“ (1. Mose 1,27) – abwenden.

Die Geschichte von Chanukka sollte eine deutliche Warnung an uns alle sein, unseren Glauben zu stärken und inmitten der finsteren Zeit, in der wir leben, Stellung zu beziehen. Aber wie sollen wir dann leben, wenn alles um uns herum auf Unsicherheit und Chaos zuzusteuern scheint?

Ein geistlicher Kampf

Das Wort Gottes macht uns Hoffnung! Der Prophet Daniel, der die schwierige Zeit des Antichristen voraussah, sah inmitten dieser Herausforderung auch diejenigen, „die ihren Gott kennen“. Er sieht sie nicht als besiegt oder zerbrochen, sondern, wie es die englische New King James Version ausdrückt, als solche, die „große Heldentaten vollbringen“ werden (Daniel 11,32). Es wird eine Zeit großer Finsternis sein, aber Daniel sieht auch voraus, wie die „die Verständigen [...] leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.“ (Daniel 12,3) Auch der Prophet Sacharja sieht wie die „Söhne Zions“ die „Söhne Griechenlands“ herausfordern und überwinden werden. (Sacharja 9,13)

Im Gegensatz zu den Makkabäern ist unser Kampf nicht gegen Fleisch und Blut – es ist ein geistlicher Kampf „mit Mächtigen und Gewaltigen, mit den Herren der Welt, die über diese Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.“ (Epheser 6,12) Es ist Zeit, unsere geistliche Waffenrüstung anzulegen, damit wir „an dem bösen Tag Widerstand leisten“ können. (Vers 13)

Drei Hauptziele

Wie das Buch der Makkabäer uns berichtet, richteten sich Antiochus‘ Angriffe, als er nach Jerusalem kam, gegen drei Dinge: Er entweihte den Altar, die Menora (den siebenarmigen Leuchter) und den Tisch mit den Schaubroten, die sich alle drei im Tempel befanden.

Die Menora ist ein Symbol des prophetischen Zeugnisses der Kirche in dunklen Zeiten. Lassen Sie uns keine Kompromisse bei unserem Bekenntnis eingehen, sondern am Wort Gottes festhalten. Das Öl, das für das Licht der Menora gebraucht wird, ist der Heilige Geist, den Gott denen schenkt, die ihn suchen.

Der Tisch mit den Schaubroten deutet auf unsere Gemeinschaft mit Gott und mit unseren Glaubensgeschwistern hin. Der Verfasser des Hebräerbriefs ermutigt uns, „nicht [zu] verlassen unsre Versammlung, wie einige zu tun pflegen.“ (Hebräer 10,25) Ich möchte Sie ermutigen: lassen Sie sich von nichts abhalten, mit ihrer geistlichen Familie zusammenzukommen!

Der Altar ist unser Gebetsleben. Das Buch Daniel und das Buch der Offenbarung sprechen davon, dass der Mann der Gesetzlosigkeit das „tägliche Opfer“ angreifen wird. Ich glaube, dass dies nicht erst in einem künftigen Tempel geschehen wird, sondern dass Satan unsere tägliche, persönliche Gemeinschaft mit Jesus auslöschen möchte. Das wirksamste Gegenmittel für die Zeit, in der wir leben, ist die Stärkung unserer „Gebetsmuskeln“.

Ich persönlich bin sehr davon ermutigt, dass wir als ICEJ während der Pandemie-Zeit ein starkes Wachstum im Gebet verzeichnen konnten. Ich möchte auch Sie ermutigen, in der aktuellen Zeit der Erschütterung die wankenden Knie zu stärken und die Kraft des Gebets neu zu entdecken! Vielleicht möchten Sie sogar das neue Jahr mit Gebet beginnen, indem Sie sich unserer Jesaja-62-Gebetsinitiative anschließen.

Gott neu geweiht

Bei Chanukka geht es darum, diese Säulen unseres geistlichen Lebens Gott wieder neu zu weihen. Lassen Sie sich ermutigen, entschlossen und gefestigt im Glauben ins neue Jahr zu gehen, auch inmitten dieser turbulenten Zeiten. Fassen Sie den Entschluss, Ihren persönlichen Altar wieder aufzurichten, Ihren Leuchter mit Öl gefüllt zu haben und die Gemeinschaft mit den Heiligen nicht aufzugeben.

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