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„Ach, du Tochter Jerusalem, wem soll ich dich vergleichen und wie soll ich dir zureden? Du Jungfrau, Tochter Zion, wem soll ich dich vergleichen, damit ich dich tröste? Denn dein Schaden ist groß wie das Meer. Wer kann dich heilen?“ Klagelieder 2,13
Dieser Vers, mit dem der Prophet Jeremia die Zerstörung Israels beklagt, stellt wiederholt die Frage, wie wir Zion trösten können. Von allen Menschen sind es vor allem Christen, die diese Frage beantworten müssen. Zwar verübten die Nazis, deren wichtigste Führer sich vom christlichen Glauben abgewandt und altnordische Götter verehrt hatten, den Holocaust. Viele Fundamente dieser schrecklichen Tragödie waren jedoch christlich. Dies öffnete die Tür und schuf ein für die Nazis günstiges Klima, in dem sie ihr teuflisches Programm zum industriellen Massenmord an den Juden durchführen konnten, in einem Umfang, der für den menschlichen Verstand einfach unfassbar ist. Dass sechs Millionen jüdische Menschen auf brutalste Weise ermordet wurden, ist wirklich unvorstellbar. Wir dürfen niemals vergessen, dass dies gerade einmal vor achtundsiebzig Jahren geschehen ist.
Im zweiten und dritten Jahrhundert, als das Neue Testament noch nicht kanonisiert war, äußerten sich Kirchenführer in einer herabwürdigenden und erniedrigenden Weise über Juden. Traurigerweise machten fast alle der vielerorts hochverehrten Kirchenväter sich dessen schuldig. Das einfache Volk konnte diese Aussagen nicht anhand der Heiligen Schrift prüfen, da diese noch nicht weit verbreitet und nicht für jeden verfügbar war. Dies setzte sich über Jahrhunderte hinweg fort und wurde mit der Zeit zur gängigen christlichen Praxis.
Parallel zur Entwürdigung der Juden begann die institutionelle Kirche, alle jüdischen Elemente aus ihren Festen, Liturgien und ihrer Theologie zu entfernen. Die hebräische Grundlage, bzw. die jüdischen Wurzeln des christlichen Glaubens wurden auf diese Weise entfernt und in einigen Fällen mit heidnischen Praktiken ersetzt. Beispielsweise wurde das Passah-Fest durch Ostern ersetzt. Das Laubhüttenfest wurde zu einem Ernte-Fest, usw.
Im Mittelalter hatte sich die sogenannte Lehre der „Geringschätzung“ durchgesetzt, die im Grunde besagte, das jüdische Volk sei von der Liebe Gottes ausgeschlossen und werde nur darum am Leben gelassen, um das Ziel des Zornes Gottes und seines Gerichtes zu sein. Laut dieser Irrlehre waren Juden von der Erlösung ausgeschlossen, die Kirche hingegen war das wahre und neue Israel Gottes. Diese gottlose theologische Position wurde erst in den 1960er Jahren im Zweiten Vatikanischen Konzil widerrufen.
Im späten 19. und 20. Jahrhundert hielten liberale Akademiker in christlichen Universitäten und Seminaren Einzug, die begannen, die Inspiration und Autorität der Bibel in Frage zu stellen. Dies geschah überall auf der Welt, insbesondere aber in Deutschland. Ohne ein Dokument der absoluten Wahrheit entstand ein Vakuum, das schließlich vom Übel des Nationalsozialismus gefüllt wurde. Dieser bezichtigte die Juden, Schuld zu sein an der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und an anderen gesellschaftlichen Problemen. Dies wiederum öffnete der fünften Säule die Tür:
Adolf Hitler und seine mörderische Verbrecherbande konnten nun auf einer Massenveranstaltung nach der anderen den Juden offen Böses nachsagen. All die oben genannten Grundlagen, die seit Jahrhunderten gelegt worden waren, kamen zusammen und führten zu dem tödlichen Giftgebräu von Mord und Ausrottung. Menschen verschlossen angesichts der Misere der Juden ihre Augen und Furcht erfüllte jeden, der es wagen sollte, den Lügen der Nazis entgegenzutreten. Die, die es wagten, zahlten mit ihrem Leben und somit begann der Holocaust! Zu wenige unerschrockene Christen wie Corrie Ten Boom und Dietrich Bonhoeffer eilten den Juden zu Hilfe.
Dies sind die fünf Grundsteine, die den Holocaust und die Zerstörung des europäischen Judentums 1933-1945 ermöglicht haben. Die nachfolgende Geschichte veranschaulicht diese historische Wahrheit sehr gut.
1987 diente ich im Pastoren-Team der Jerusalem Christian Assembly, eine aus nicht-Israelis bestehende Kirchengemeinde in Jerusalem, die sich im YMCA-Gebäude in der King-David-Straße versammelte. Wenige Tage vor Weihnachten traf ich mich mit meinen Pastorenkollegen Jim Cantelon und Wayne Hilsden zum Frühstück.
Plötzlich erschien Jossi, der Restaurant-Manager, an unserem Tisch und fragte, ob er sich zu uns setzen dürfe. Wir hießen ihn selbstverständlich willkommen und baten ihn, sich zu setzen. Er sagte, er würde gerne unseren Gottesdienst an Heiligabend besuchen und bat um unsere Erlaubnis. Wir waren natürlich sehr überrascht, aber er versicherte uns rasch, dass er kein Christ sei und auch nicht die Absicht habe, einer zu werden. Unser Interesse war geweckt und wir fragten ihn warum, woraufhin er uns eine bemerkenswerte Geschichte erzählte.
Jossi wuchs in Ungarn auf und war ein junger Teenager als sein Land während des Zweiten Weltkriegs von Nazi-Deutschland besetzt wurde. An Heiligabend wurde er mit anderen jungen jüdischen Mädchen und Jungen zusammengetrieben und in den Innenhof eines Gestapo-Gebäudes verfrachtet. An einem Ende des Hofes stand ein Maschinengewehr. Sie wurden aufgefordert, sich auszuziehen und vor eine Wand zu stellen. Währenddem brachte ein deutscher Soldat seine Waffe in Stellung und wartete auf den Schießbefehl. Plötzlich betrat ein höherrangiger Gestapo-Mann den Hof und befahl ihnen, die Aktion zu beenden. Er sagte, dies dürfe nicht an Heiligabend geschehen. Er verlangte auch, die jungen Leute in seinen Gewahrsam zu übergeben, nach Weihnachten würde er sie zurückbringen, damit sie getötet würden. Nach einer hitzigen Diskussion gaben die Offiziere nach und übergaben die Teenager seinem Gewahrsam.
Dieser Gestapo-Mann verlud alle Jugendlichen, einschließlich Jossi, auf einen Lkw und fuhr sie in die Freiheit. In Wahrheit handelte es sich um einen Hochstapler, einen Christen namens Raoul Wallenberg – der heute berühmte schwedische Diplomat, der sich damals in Budapest aufhielt. Jossi wäre beinahe am Heiligabend umgekommen, aber gerade durch Heiligabend wurde er gerettet. Er schwor bei sich selbst, dass er von diesem Tag an jedes Jahr zu Weihnachten einen christlichen Gottesdienst besuchen würde. Aus diesem Grunde sprach er uns an und bat, an unserem Weihnachtsgottesdienst teilnehmen zu dürfen. Ich hieß ihn persönlich an der Tür willkommen, als er kam und mitten unter den anderen Gottesdienst-Besuchern Platz nahm. Ich habe ihn nie vergessen.
Dies beantwortet die Frage des Propheten Jeremia im Buch der Klagelieder. Wer wird die Tochter Zions trösten? Sie, meine lieben christlichen Brüder und Schwestern! Genauso wie Raoul Wallenberg. Auch dann, wenn Sie wissen, dass die lange Geschichte des christlichen Antisemitismus den Weg dafür ebnete, dass Juden an Weihnachten ermordet wurden.
An den Mauern Yad Vashems stehen die folgenden Worte eingraviert: „Das Vergessenwollen verlängert das Exil. Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.“
An diesem Holocaustgedenktag erinnern wir uns.
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