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Die neunziger Jahre: Massenexodus und Hoffnung auf Frieden

Die neunziger Jahre – Massenexodus und Hoffnung auf Frieden

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Heimkehr aus dem „Land des Nordens“

Zu Beginn der 90er Jahre feierte die Welt das Ende des Kalten Krieges. Der Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus Ende 1989 ermöglichte es den Juden, die bis dahin hinter dem „Eisernen Vorhang“ festsaßen, die Sowjetunion zu verlassen. Es begann ein Massenexodus, der fast eine Million russischsprachiger Juden bis Ende des Jahrtausends nach Israel brachte. Per Flugzeug und Schiff kamen die jüdischen Einwanderer in das verheißene Land. Weder die erste palästinensische Intifada noch der Beschuss durch irakische Scud-Raketen konnte die Einwanderungswelle aufhalten.

Irak beschießt Israel mit Scud-Raketen

Im Januar 1991 brach der Golfkrieg aus. Eine von den USA geführte Koalition begann, die in Kuwait einmarschierten irakischen Truppen zum Rückzug zu zwingen. Obwohl der jüdische Staat nicht am Krieg beteiligt war, feuerte der irakische Diktator Saddam Hussein fast 40 Scud-Raketen auf Israels Küstenstädte ab. Washington übte starken Druck auf den israelischen Premierminister Jitzhak Schamir aus, nicht zurückzuschlagen. Nach Kriegsende im März 1991 rief Schamir die israelische Bevölkerung dazu auf, Gott zu danken. Zwar hatten einige der irakischen Raketen Gebäude in Tel Aviv und Haifa zerstört, doch niemand war durch die mächtigen Explosionen ums Leben gekommen.

Palästinenseraufstand

Die Intifada erreichte Anfang der 1990er Jahre ihren Höhepunkt. Sie kostete 160 Israelis und über 1.500 Palästinenser das Leben. Viele von ihnen starben durch die Hand ihrer eigenen arabischen Mitbürger. Interne mörderische Kämpfe nahmen zu und übertrafen schließlich die Angriffe auf israelische Soldaten und Zivilisten. Die wirtschaftliche Lage Israels hatte sich nach der Durchführung wesentlicher Reformen Mitte der 1980er Jahre in großem Umfang verbessert. Nun brachten die PLO-geführte Intifada und der Golfkrieg den Tourismus und auch viele Bauprojekte zum Stillstand. Das schadete wiederum den vielen palästinensischen Arbeitern in Israel.

Internationale Friedenskonferenz in Madrid

Eine internationale Konferenz, die im Oktober 1991 im spanischen Madrid durchgeführt wurde, sollte die gewaltsame Intifada beenden und eine neue Zeit des Friedens und Wohlstands einläuten. Premierminister Schamir, der an der Madrider Friedenskonferenz teilnahm, hatte jedoch große Bedenken. Er war der Auffassung, dass jeder Friedensprozess, der den berüchtigten PLO-Führer Jassir Arafat mit einschloss, zum Scheitern verurteilt sei. Die skeptische Likud-Partei wurde von der optimistischen Arbeitspartei abgelöst, als Jitzhak Rabin im Juni 1992 zum zweiten Mal Premierminister wurde. Der hochdekorierte frühere General war ein großer Befürworter öffentlicher Friedensgespräche mit palästinensischen, jordanischen und syrischen Repräsentanten in Washington.

Oslo-Friedensabkommen

Das eigentliche Geschehen spielte sich jedoch in Norwegen ab. Dort gab es eine Reihe von Geheimgesprächen zwischen Vertretern Israels, geführt von Rabins parteiinternem Rivalen Schimon Peres, und der PLO. Arafat versprach Gewaltverzicht. Im Gegenzug sollten sich die Israelis aus nahezu dem gesamten Gazastreifen und den arabischen Bevölkerungszentren Judäas und Samarias zurückziehen. Im September 1993 unterzeichneten beide Seiten überraschenderweise das Friedensabkommen von Oslo vor dem Weißen Haus in Washington. Im folgenden Jahr erhielten Rabin, Peres und Arafat gemeinsam den Friedensnobelpreis. Der Oslo-Prozess ließ viele Israelis auf Frieden hoffen. Doch diese Hoffnung begann schnell zu bröckeln.

Aufruf zum Dschihad

Im November 1995 wurde Rabin von einem jüdischen Extremisten auf einer Friedenskundgebung in Tel Aviv erschossen. Die folgenden Wahlen gewann Benjamin Netanjahu von der Likud-Partei, als die Hamas während des Wahlkampfes eine Reihe von Selbstmordanschlägen ausführte. Netanjahu intensivierte die israelische Sicherheits- und Siedlungspolitik und entschied sich, den Oslo-Prozess stark zu verlangsamen. Unterdessen erwies sich Arafats Versprechen, der Gewalt ein Ende zu bereiten, als trügerisch. Als Arafat sich in den Palästinensergebieten niederließ, begann er sein Volk zu bewaffnen und auf Krieg vorzubereiten. Kurz vor der Jahrtausendwende wankte der Friedensprozess, weil Arafat nicht mehr von einem demokratischen Palästina sprach, sondern nur noch den Dschihad predigte. Mit dem apokalyptischen Slogan „eine Million Märtyrer marschieren nach Jerusalem“ hetzte er die Palästinenser gegen Israel auf.

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