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Das Thema Israel muss bei der Jugend greifen!

Das Thema Israel muss bei der Jugend greifen!

Interview mit Pastor Heinrich Hoffmann von KiA
Jörg Haller
Zeltstadt

Pastor Heinrich Hofmann von der „Kirche im Aufbruch“ in Württemberg – über das Werk, die Arbeit, die Vision und seine Sicht zu Israel.

Die „Kirche im Aufbruch“ mit landeskirchlichen Wurzeln schreibt mit ihrer Arbeit in Süddeutschland einen Teil jüngster Kirchengeschichte. Wachsende, überkonfessionelle Gruppen mit überwiegend jungen Menschen lernen Gott kennen, erfahren hier eine geistliche Heimat, erhalten neue Impulse. Ein Höhepunkt der Arbeit in der württembergischen Nordalb ist die regelmäßig stattfindende „Zeltstadt“. Seit einigen Jahren gibt es eine gute Zusammenarbeit mit der ICEJ. „Kirche im Aufbruch“ ist inzwischen Mitglied im Deutschen Zweig der ICEJ. Nachfolgend ein Interview mit Pfarrer Heinrich Hofmann, der als 1. Vorsitzender die Arbeit von „Kirche im Aufbruch e.V.“ leitet.

Lieber Pastor Hofmann, was ist „Kirche im Aufbruch“ genau?

Kirche im Aufbruch versteht sich als Erneuerungsbewegung im süddeutschen Raum und ist 1994 aus der Adoramusgemeinschaft von Ortwin Schweitzer hervorgegangen. Wichtige Impulse dafür kamen aus den Zeltstädten in Großbritannien. Der Wunsch war, eine ähnlich lebendige Frömmigkeit und Freiheit des Geistes in Deutschland zu fördern und zu erleben. 1995 erwarb Kirche im Aufbruch das 10 Hektar große Gelände der Nordalb. Die meisten Gebäude dort waren im Dritten Reich als SA-Ausbildungslager errichtet worden. Heute weht anstelle des Hakenkreuzes dort eine Fahne mit der Aufschrift „Jesus ist Herr.“

Welche Aufgaben, welchen Auftrag von Gott her nehmen Sie wahr?

Unsere Vision lautet: Wir wollen leidenschaftlich zum Bau des Reiches Gottes beitragen! Und wir wollen Erneuerungsprozesse fördern – bei einzelnen Menschen, in Gemeinden und in der Gesellschaft. Dabei wollen wir insbesondere in junge Menschen investieren.
Natürlich können wir Erneuerung nicht „machen“, sondern wir vertrauen auf die Kraft des Heiligen Geistes! Erneuerung muss bei uns selbst beginnen und zieht dann Kreise. Ausgangspunkt ist eine durch den Heiligen Geist gewirkte vollkommene Hingabe an Jesus. Durch Christus, seinen stellvertretenden Sühnetod am Kreuz und durch die Kraft seiner Auferstehung sind wir befreit zu einem neuen Leben. So können Seele, Geist und Körper heil werden. Wir wollen Menschen helfen, einen Lebensstil zu entwickeln, der der Nachfolge Christi entspricht, im Dienst für Gott und den Nächsten.

Kirche im Aufbruch ist „charismatisch“ orientiert, mögen Sie uns dazu mehr erzählen?

Eigentlich verwende ich den Begriff „charismatisch“ nicht gerne, da er seine Probleme hat. Oft genug haben sich Christen der so genannten „charismatischen Bewegung“ über andere erhoben. Ich persönlich bringe vom württembergischen Pietismus eine positive Prägung mit. Von daher weiß ich mich einer gründlichen biblischen Lehre verpflichtet. So werden im NT genannte Charismen bei Kirche im Aufbruch selbstverständlich praktiziert. Wichtiger als für irgendwelche besonderen Charismen bekannt zu sein, wäre mir die praktizierte Liebe. Anbetung und Gebet als Lebensstil verdanken wir u.a. der charismatischen Bewegung.

Kirche im Aufbruch macht ganz bewusst eine überkonfessionelle Arbeit. Bitte sagen Sie uns etwas über die denominationsübergreifende Arbeit und den „Standortfaktor“, also den regionalen Bezug des Werkes...

Ausgangspunkt ist für uns ein Grundvertrauen zur Bibel als Gottes Wort – und wir teilen die Grunderkenntnisse der Reformation. Wir haben eine große Weite, was die Zugehörigkeit der Menschen betrifft, mit denen wir – denominationsübergreifend – zusammenarbeiten. Wir betrachten das Thema vom Gedanken des Reiches Gottes her. Die Unterstützer von Kirche im Aufbruch wie auch die Teilnehmer unserer Veranstaltungen kommen mehrheitlich aus der evangelischen Kirche. So haben wir z.B. eine besondere Nähe zum evang. Jugendwerk und zum Amt für missionarische Dienste der württembergischen Landeskirche. Zunehmend gehören jedoch zu unseren Freunden und Mitgliedern auch Angehörige unterschiedlicher Freikirchen, vereinzelt sogar zu Hausgemeinden. Wir spiegeln also ein sehr breites Spektrum protestantischer Frömmigkeit, was die Weite des „Reiches Gottes“ wenigstens ansatzweise erahnen lässt.

Kirche im Aufbruch hat seit einigen Jahren eine starke vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der ICEJ. Wie kam es dazu, was ist das Besondere daran?

Die Beziehung zur ICEJ kam zustande, noch bevor ich zu Kirche im Aufbruch berufen wurde. Tiefe Eindrücke hatte insbesondere eine Israelreise des Vorstands von Kirche im Aufbruch hinterlassen, so dass klar wurde: Wir haben hier einen Auftrag. Es kam zu einer Visionsbeschreibung von Kirche im Aufbruch mit 5 Säulen, zu denen „Israel“ gehört. Inzwischen ist Kirche im Aufbruch Mitglied beim Deutschen Zweig der ICEJ und ich habe das Vorrecht, auch Mitglied des Beirats bei der ICEJ zu sein.
Dr. Jürgen Bühler war in den vergangenen beiden Jahren Referent bei der Zeltstadt von Kirche im Aufbruch. Er hielt jeweils ein Seminar als auch Vorträge im Plenum und brachte uns z.B. die biblischen Feste und das Thema Israel in einer ausgewogenen und guten Sicht nahe.

Was ist Ihnen im Hinblick auf das Thema Israel – sowohl geistlich als auch praktisch – wichtig?

Vom biblischen Zeugnis und auch von der Geschichte der Nordalb her haben wir eine besondere Beziehung und Verpflichtung zu Israel als dem Volk Gottes. Deshalb wollen wir an der Seite Israels stehen, aber ohne Fanatismus. Dazu gehört für mich neben Information über Israel und dem Gebet auch unbedingt der persönliche Kontakt.
Auf der Zeltstadt 2006 wurde von den Teilnehmern des Erwachsenenprogramms folgendes Bekenntnis gesprochen:

Herr, unser Gott, Du Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs,
Du Vater des Messias Jesus Christus,
Dreieiniger Gott:
Wir bekennen uns zu Israels bleibender Erwählung als Volk Gottes.
Wir bekennen uns zu unseren hebräischen Wurzeln,
dass wir aus den Heidenvölkern in den Ölbaum Israels eingepflanzt wurden.
Wir wollen an der Seite Israels stehen als Beter und Freunde.
Wir segnen Israel und Jerusalem und erbitten für es Gottes Schalom.
Wir beten für eine Ausgießung des Heiligen Geistes über das jüdische Volk,
dass es seinen Messias Jesus erkennt.

Die gegenwärtige Not in Israel sehen wir im Großen und Ganzen als endzeitliche Wehen, die die Grenzen des menschlich-politisch Machbaren offenbaren und das Kommen Jesu Christi als Messias vorbereiten.

Geben Sie den Lesern noch einen Zukunftsausblick auf Ideen und Visionen von Kirche im Aufbruch? In Bezug auf Israel und die ICEJ – aber auch im Allgemeinen...

Kirche im Aufbruch ist derzeit in einer Phase der Konsolidierung und Neuorientierung. Wir freuen uns sehr, dass im vergangenen Jahr der Verein Soul Devotion bei Kirche im Aufbruch Mitglied wurde. Dieser bildet nun einen eigenständigen Jugendzweig. Entsprechende Änderungen unserer Satzung sind in Arbeit. Außerdem stehen wir vor der Herausforderung, unseren ersten wirklichen Neubau, ein Sanitärhaus und Jugend-/Schulungszentrum zu vollenden.
In Bezug auf Israel merken wir, dass es nun entscheidend darauf ankommt, diesem Thema einen angemessenen Raum zu geben, ohne dieses übermäßig zu strapazieren. Das Thema und dessen Bedeutung für unseren Glauben und unser Leben muss nun insbesondere bei der Jugend greifen, die sich damit offensichtlich insgesamt schwerer tut als Erwachsene, da ihnen vielfach der geschichtliche Hintergrund fehlt, sowohl vom AT her als auch von der leidvollen Geschichte von Deutschen und Juden. Dazu brauchen wir auch einen neuen Ansatz für unsere Arbeit im Blick auf Israel: die Inhalte müssen in einem neuen Rahmen vermittelt werden, dass sie für junge Menschen attraktiv sind.

Bei uns ist eine modular aufgebaute Schule für Leben und Glauben in Vorbereitung – insbesondere für junge Menschen, die sich fortbilden wollen, aber keine mehrjährige Bibelschule besuchen können. Anvisiert ist u.a. auch ein Jugendaustausch mit Israel und die Unterstützung eines Hilfsprojekts in Israel durch Kirche im Aufbruch. Im Aufblick zu unserem Herrn, dürfen wir gespannt sein, was er noch alles vor hat mit Kirche im Aufbruch, auch in Zusammenarbeit mit der ICEJ.

Lieber Heinrich Hofmann, danke für das Gespräch und Gottes Segen für Ihre spannende Arbeit!

Link zur Homepage von "Kirche im Aufbruch"

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